Schachweltmeister Kasparow adelt Anand

Kaum hat Viswanathan Anand seinen Weltmeistertitel verteidigt, wird er auch schon mit Lob überschüttet. Vor allem Schachgenie Garri Kasparow ist angetan von seinem indischen Kollegen. Anand selbst erklärte, alles sei nicht so leicht gewesen. Nun will er erst mal Urlaub machen.


Bonn - "Das ist ein großer Sieg für Anand und für den Schach. Er war besser vorbereitet und hat den WM-Titel vollkommen verdient. Mit Ausnahme der zehnten Partie gelang es ihm, in diesem Duell seinen Stil durchzusetzen", würdigte der frühere russische Weltmeister Garri Kasparow den 38-jährigen Inder nach dessen 6,5:4,5-Erfolg über Wladimir Kramnik.

Weltmeister Anand: Lob vom Ex-Champion
REUTERS

Weltmeister Anand: Lob vom Ex-Champion

Anand, der nun dreifacher Weltmeister ist, nahm die gläserne WM-Trophäe in der Bonner Kunsthalle aus den Händen von Weltverbandspräsident Florencio Campomanes in Empfang. "Es war sehr schwierig, aber jetzt bin ich glücklich", sagte Anand. Er lebt seit einiger Zeit in Spanien und teilweise auch in Deutschland. Einige Interviews gab der Bundesliga-Spieler für Baden-Baden auch auf Deutsch. "Kramnik hat in den letzten Partien Kamikaze gespielt, weil er mit dem Rücken zur Wand stand. Ich musste bis zum Schluss sehr aufmerksam sein", so Anand.

Seine erfolgreiche Titelverteidigung wurde auch in seiner Heimat enthusiastisch gefeiert. Schach genießt in Indien zwar nicht den hohen Stellenwert wie Cricket, doch der "König im königlichen Spiel" ist ein bekannter Mann und war bereits dreimal Sportler des Jahres. Sein weltweiter Erfolg machte in jüngster Zeit aus dem alten indischen Spiel einen Massensport auf dem Subkontinent. Anand und seine Frau Aruna wollen nun zunächst Urlaub machen. Für die Schach-Olympiade vom 12. bis zum 25. November in Dresden ist der Weltmeister nicht im indischen Team gemeldet.

"Die jüngere Generation wird es nicht leicht haben, Anand von der WM-Spitze zu verdrängen", erklärte Kasparow. Der Weltmeister soll seinen Titel frühestens im nächsten Jahr gegen den Sieger des WM-Kandidatenduells zwischen Weselin Topalow (Bulgarien) und Gata Kamsky (USA) verteidigen. Für dieses Match stehen Ort und Zeit jedoch immer noch nicht fest.

Der Veranstalter der Bonner WM (UEP) zog unterdessen eine positive Bilanz. 3780 zahlende Besucher verfolgten den Zweikampf in der Kunsthalle. Das entspricht nach eigenen Angaben einer Auslastung von 85,9 Prozent. 427 Medienvertreter aus 28 Ländern waren akkreditiert. "Im Internet haben auf zehn Servern insgesamt 1.271.000 Besucher die Partien live verfolgt", teilte UEP mit.

goe/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.