Schumacher-Prozess Gerolsteiner-Arzt entlastet Holczer

Rückendeckung für den umstrittenen Rennstallboss Hans-Michael Holczer: Im Prozess gegen Radprofi Stefan Schumacher hat ein früher Arzt des Teams Gerolsteiner jede Form von geduldeten Dopingpraktiken bestritten. Unter Holczer sei Doping vielmehr ein Tabu gewesen.

Ex-Gerolsteiner-Chef Holczer: "Direktive: Es findet kein Doping statt"
DPA

Ex-Gerolsteiner-Chef Holczer: "Direktive: Es findet kein Doping statt"


Hamburg - Doping war im inzwischen aufgelösten Radrennstall Gerolsteiner nach Angaben des ehemaligen Teamarztes Ernst Jakob in keiner Weise geduldet. "Die Direktive war: In diesem Stall findet kein Doping statt", berichtete der Leiter der Sportklinik Hellersen am Dienstag vor dem Landgericht Stuttgart. Dort sagte er im Betrugsprozess gegen Radprofi Stefan Schumacher am zwölften Verhandlungstag als Zeuge aus. Mit seinen Angaben stützte der 63-Jährige die Position von Hans-Michael Holczer, der erlaubtes Doping in seinem ehemaligen Rennstall stets abgestritten hat.

Jakob sagte aber auch aus, dass Ex-Teamchef Holczer eigentlich keine Möglichkeit gehabt habe, Dopingverstöße im Team zu bemerken. Über medizinische Themen hätten sich die Ärzte mit der sportlichen Leitung wegen der Schweigepflicht nicht ausgetauscht. Nur wenn ein Fahrer länger auszufallen drohte, sei Holczer informiert worden.

In Stuttgart soll die Frage geklärt werden, ob Schumacher Holczer um Gehalt in Höhe von 151.463,50 Euro betrogen hat, weil er bei der Tour de France 2008 Doping trotz Nachfrage abgestritten hat. Im Nachhinein war Schumacher aber positiv getestet und gesperrt worden. Der 32-Jährige vertritt den Standpunkt, Holczer habe über Doping im Team Bescheid gewusst und könne daher nicht betrogen worden sein. Holczer bestreitet diese Unterstellung.

Bis das Urteil in dem Prozess gefällt wird, dauert es womöglich bis in den Oktober. Richter Martin Friedrich gab zu Beginn der Verhandlung fünf weitere Termine bekannt, so dass nun noch sechs Verhandlungstage im Kalender stehen.

"Keine massiven Dopingwünsche vorgetragen"

Jakob berichtete, in seiner Zeit beim inzwischen aufgelösten Rennstall (2005-2008) habe es nie Anfragen von Sportlern gegeben, sie beim Dopen zu unterstützen. Sowohl Schumacher als auch dessen ehemaliger Teamkollege David Kopp hatten im Verlauf des Prozesses angegeben, Jakob habe sie beim Dopen beraten.

Schumacher hatte vor Beginn des Prozesses jahrelanges Doping gestanden, Kopp zog bei seiner Zeugenaussage vor der 16. Großen Strafkammer in Stuttgart nach. "Weder mit Schumacher noch mit Kopp habe ich Gespräche darüber geführt, wie man dopt", sagte Jakob nun. Überhaupt seien ihm gegenüber von Fahrern "keine massiven Dopingwünsche vorgetragen worden". Wie das bei anderen Medizinern gewesen sei, könne er nicht sagen.

Allerdings bestätigte Jakob Gespräche mit Kopp über das Blutdopingmittel Epo, von denen der Ex-Radfahrer im Juni berichtet hatte. "Die Gespräche zu Epo haben in der Tat stattgefunden. Ich konnte nicht sagen, Epo wirkt nicht. Das ist wirklich das Medikament, das Leistungssteigerungen bringt", berichtete Jakob. "Ich habe versucht klarzumachen, dass Epo nachzuweisen ist." Er habe "in keinster Weise auch nur eine einzige Anweisung gegeben, wie Epo zu nehmen wäre."

aha/dpa



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Kauzboi 06.08.2013
1. Na?
"Überhaupt seien ihm gegenüber von Fahrern "keine massiven Dopingwünsche vorgetragen worden" Aber kleine Anfragen gab es?
alsi 06.08.2013
2. alles
können sie einem erzählen aber nicht das der Chef und die Ärzete nicht wissen was ihre Sportler treiben und was sie zu leisten imstande sind. wenn jemand jahrelang wasserträger ist und dann die Berge hochfliegt hat er biestimmt immer schön seine Nudeln aufgegessen.
Mattenfuchs 07.08.2013
3. Team Gerolstein - von
Der Teamchef hatte keine Ahnung, was seine Stars da so trieben... und nun ist auch der dritte vernommene Teamarzt ein Unwissender... mein lieber Scholli, die gesamte "Betriebsleitung" muss blind gewesen sein; unfähig die Leistungsparameter ihrer Sportler zu erkennen. Klasse Leute. Und Stuttgart erlebt eine Prozessposse.
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