Zehntes Remis bei Schach-WM Angriffslustiger Carlsen findet noch keinen Weg zum Sieg

Das zehnte Aufeinandertreffen im Finale der Schach-WM war geprägt von einem angreifenden Magnus Carlsen. Am Ende bekam der Weltmeister aber sogar noch Probleme.

Fabiano Caruana (links) und Magnus Carlsen
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Fabiano Caruana (links) und Magnus Carlsen


Im Finale der Schach-WM zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana ist auch das zehnte Duell unentschieden ausgegangen. Dabei war es gerade bis zur Zeitkontrolle eine spannende Begegnung. Am Ende schaffte es Caruana in einer hochklassigen Partie nicht, eine Ungenauigkeit von Carlsen auszunutzen.

Zu Beginn der Partie blieben beide Spieler ihrer Spielweise treu. Aus der Sveshnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung griff Carlsen Caruana regelmäßig mit seinen Bauern an. Der US-Amerikaner wehrte die Angriffe des Weltmeisters ab, verpasste es aber nach zweieinhalb Stunden, einen Bauern zu opfern, um einen leichten materiellen Vorteil zu erlangen.

Bis zur Zeitkontrolle lieferten sich Carlsen und Caruana ein spannendes Spiel auf sehr hohem Niveau. Zwischenzeitlich hatte Carlsen nur noch 90 Sekunden Zeit für fünf verbleibende Züge. "Die schwarze Attacke hatte viel Potenzial, war aber auch recht langsam. Wir hatten beide sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten im Laufe der Partie, wobei es schwer war, den Überblick zu behalten", sagte Caruana, der die weißen Figuren gespielt hatte.

Nach der Zeitkontrolle entwickelte sich ein Doppelturmendspiel. Dank eines aktiveren Königs hatte Carlsen optische Vorteile. Beide Spieler hatten aber gefährliche Freibauern auf dem Feld, die für ein dynamisches Gleichgewicht sorgten. Trotz eines ungenauen Spielzugs von Carlsen, der ihn einen Bauern kostete, bot Caruana Carlsen wegen des stark dezimierten Materials auf dem Feld nach fast fünfeinhalb Stunden ein Remis an.

"Es war einfach ein Fall einer zu komplizierten Stellung, in der es zu viel zu berechnen gab. Ich denke, ich hätte an mehreren Stellen besser spielen können", sagte Carlsen.

Nach dem abermaligen Unentschieden steht es nun 5:5 zwischen dem Weltranglistenführenden und seinem direkten Verfolger. Am Samstag startet ab 16 Uhr deutscher Zeit das elfte und vorletzte reguläre Duell (Liveticker auf SPIEGEL ONLINE).

Wird auch in den verbleibenden beiden Partien kein Sieger gefunden, kommt es zum Tiebreak mit verkürzter Spielzeit. Dabei gilt Carlsen als favorisiert.

hba/sid



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Msc 22.11.2018
1.
Da spielen zwei menschliche Computer gegeneinander. Beide kennen alle Situationen, die auftreten können. Irgendwann macht einer einen Fehler und der andere kann es ausnutzen. Aber ist das wirklich spannend? Beide können schlicht nicht besser werden. Schach bietet nur eine begrenzte (wenn auch hohe) Anzahl von Möglichkeiten.
conillet 22.11.2018
2. So erfreulich es ist .....
..... das SPON über die Schach-WM berichtet, so schade ist es, dass über das zeitgleich stattfindende Finale der Frauen-WM (die nach KO-System ausgetragen wird) keine einzige Zeile zu lesen ist.
LuBu 23.11.2018
3. Historisch!
10 Remis in den ersten 10 Partien gab es bei einer Schach-WM noch nie. Sollte mindestens eines der zwei verbliebenen Spiele ebenfalls remisiert werden, wäre es auch prozentual die WM mit dem höchsten Remis-Anteil. Mögen viele als langweilig empfinden, für mich aber absolut faszinierend.
StefanXX 23.11.2018
4.
Zitat von conillet..... das SPON über die Schach-WM berichtet, so schade ist es, dass über das zeitgleich stattfindende Finale der Frauen-WM (die nach KO-System ausgetragen wird) keine einzige Zeile zu lesen ist.
Der Grund dürfte daran liegen, dass hier Schach auf einem - im Vergleich zu der absoluten Weltspitze - relativ niedrigem Niveau gespielt wird. Außerdem sei in Zeiten der Gleichberechtigung mal die Frage gestellt, warum es überhaupt eine getrennte Frauen-WM gibt :-)
StefanXX 23.11.2018
5. Menschliche Schachcomputer?
Zitat von MscDa spielen zwei menschliche Computer gegeneinander. Beide kennen alle Situationen, die auftreten können. Irgendwann macht einer einen Fehler und der andere kann es ausnutzen. Aber ist das wirklich spannend? Beide können schlicht nicht besser werden. Schach bietet nur eine begrenzte (wenn auch hohe) Anzahl von Möglichkeiten.
Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber so gut scheinen Sie sich nicht im Schach auszukennen. Grade gestern hat man gesehen, dass sie bei weitem nicht "alle Situationen kennen, die auftreten können". Ja theoretisch gibt es im Schach nur endliche Möglichkeiten, aber die sind so groß dass diese kein Mensch parat haben und überblicken kann. Selbst solche Schach-Genies wie Carlsen und Caruana nicht. Wenn Sie den Computer mal mitlaufen haben lassen, hätten sie gesehen dass nicht immer die optimalen Züge gespielt wurden. Das ist keinerlei Kritik, denn dazu ist kein Mensch in der Lage, auch die größten Genies nicht. Aber der Computer hätte jeden von beiden in der gestrigen Stellung gnadenlos abgezogen. Und zum Thema Remis: Auf dem Papier klingt es langweilig wenn man 10 Remis hintereinander liest. Aber die wenigsten davon waren bisher langweilige Remis. Das gestern war ein großartiger Kampf und so ein Fight ist mir lieber als so mancher Sieg. Lustig und zugleich traurig sind nur immer manche Schach-Laien, die mit Hilfe Ihres Schachprogramms zuhause natürlich auch alle Großmeister sind und sich dann beklagen warum man nicht diesen oder jenen Zug gespielt hätte und gleich von "Blunder" reden wenn bei einem Zug die Computerwertung mal von 0,00 auf +0,80 oder so geht.
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