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Boxen: Haye tänzelt, Klitschko trifft

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Schwergewichtsboxen Klitschko kämpft Großmaul Haye nieder

Er hat Wort gehalten: Boxer David Haye ließ seinen Pöbel-Attacken Taten folgen und brachte Wladimir Klitschko beim WM-Vereinigungskampf in Hamburg in arge Probleme. Für einen Sieg reichte es dennoch nicht - weil Taktiker Klitschko rechtzeitig aufdrehte.

Hamburg - Ein Mann, vier Gürtel: Boxer Wladimir Klitschko hat den WM-Vereinigungskampf im Schwergewicht gegen David Haye gewonnen. Der Ukrainer setzte sich am Samstagabend vor etwa 50.000 Zuschauern in Hamburg nach zwölf Runden 3:0 (117:109, 118:108, 116:110) nach Punkten durch und ist jetzt Weltmeister der Verbände IBF, WBO, IBO und WBA. Klitschko baute seine Bilanz auf 56 Siege (49 durch K.o.) aus. Haye erlitt die zweite Niederlage seiner Karriere bei 25 siegreichen Kämpfen.

"Es war nicht leicht, er war unheimlich schnell und variabel. Es hat nicht gereicht für meinen 50. K.o., den habe ich jetzt noch vor mir", sagte Klitschko. "Ich habe alles gegeben, was ich konnte. Aber ich wusste, dass ich nicht ganz fit bin", sagte Haye, der auch noch ein Lob parat hatte: "Klitschko hat einen sehr guten Fight gemacht und sehr sicher und konstant geboxt."

Solche Worte waren in den vergangenen Monaten nicht über seine Lippen gekommen. Es gab nur wenige Boxkämpfe in der jüngeren Vergangenheit, in deren Vorfeld sich die Hauptdarsteller derart beleidigt und die Erwartungshaltung geschürt hatten. "Prinzessin" (Klitschko über Haye) und "beschissener Esel" (Haye über Klitschko) waren nur einige der gegenseitig verteilten "Komplimente". Haye hatte unter anderem "einen blutigen K.o." versprochen.

Doch erst mal ließ der 30-Jährige das Publikum warten. Als seine Einlaufhymne längst verklungen war, fehlte von ihm jede Spur. Dafür dürfte der Brite eine Geldstrafe kassieren. Haye, der zuvor keine Gelegenheit ausgelassen hatte, Klitschko zu provozieren ("Sein Herz wird brechen"), inszenierte seinen Auftritt in der Arena stilecht. Betont locker und mit einem spöttischen Grinsen auf dem Gesicht bahnte er sich seinen Weg in den Ring.

Auch Klitschko blieb in seiner Rolle: Der 35-Jährige, der mit "klarem Kopf und kaltem Herzen" boxen wollte, kam halbwegs pünktlich und offenbar hochkonzentriert aus der Kabine. Er brachte 13 Kilogramm mehr auf die Waage als der ehemalige Cruisergewicht-Boxer Haye und versuchte von Anfang an, seine größere Reichweite zu nutzen, um den Engländer auf Distanz zu halten. Haye provozierte früh, stellte sich seinem Gegner fast ohne Deckung.

Haye flink, Klitschko schlägt ins Leere

Erste Treffer konnte Haye in der zweiten Runde landen. Immer wieder wich er Klitschkos Führhand geschickt aus und versuchte stellenweise gar, unter ihr hindurchzutauchen. In der dritten Runde konterte der Ukrainer eine gelungene Kombination seines Gegners, der in der Defensive aber immer wieder blitzschnell reagierte.

Wenn es Klitschko einmal schaffte, Haye in die Enge zu treiben, ließ der sich regelmäßig zu Boden sinken und entfloh so weiteren Schlägen. Der Kampf war ausgeglichen, in der siebten Runde ordnete Ringrichter Genaro Rodriguez wegen Herunterdrückens einen Punktabzug für Klitschko an, der sehr viel größere Probleme mit seinem Gegner hatte, als erwartet.

Haye boxte weiter taktisch geschickt. Klitschko schlug häufig ins Leere, echte Wirkungstreffer wie in der neunten Runde waren selten. Nur einmal war Haye nicht schnell genug. In der elften Runde ging er zu Boden, wurde angezählt, aber der Treffer war nicht hart genug. Etwas verzweifelt versuchte der Brite in der letzten Runde, die drohende Niederlage nach Punkten abzuwehren. Vergebens. Um 0.15 Uhr war ein lange erwarteter Kampf in Hamburg zu Ende.

Im Juni 2009 ließ Haye den Kampf gegen Wladimir wegen einer Verletzung platzen. Drei Monate später sagte er einen Kampftermin gegen Vitali Klitschko ab, weil er mit den Vertragskonditionen nicht einverstanden war.

chp/dapd/dpa/sid
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