Schwimm-EM Ärger um Anzüge, Hoffen auf Biedermann

Das Ziel sind 21 Medaillen: In Budapest findet die 30. Europameisterschaft der Schwimmer statt - allerdings ohne Olympiasiegerin Britta Steffen. Titel holen sollen dafür Paul Biedermann, die Synchronspringer und die Langstreckler. Letztere haben jedoch schon vor dem Start Probleme.

Schwimmer Biedermann: "Als Weltmeister nicht um Bronze kämpfen"
dpa

Schwimmer Biedermann: "Als Weltmeister nicht um Bronze kämpfen"


Hamburg - Auch ohne die verletzte Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen sollen Deutschlands Schwimmer in Europa glänzen. 21 Medaillen lautet die Zielsetzung der Verbandsspitze für die EM in Budapest (4. bis 15. August). "Der Ausfall von Britta kostet uns sicherlich drei bis vier Medaillen, da muss der Rest des Teams in die Bresche springen", sagt der Direktor Leistungssport des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), Lutz Buschkow. Insgesamt schickt der DSV 44 Athleten zu den Wettkämpfen in Ungarns Hauptstadt. Die 26-jährige Steffen muss wegen einer Schulterverletzung passen.

Den Auftakt zu den 61 Entscheidungen, die insgesamt etwa 1500 Athleten aus 44 Ländern angehen, bestreiten am Mittwoch die Langstreckenschwimmer. Im Plattensee geht Rekordweltmeister Thomas Lurz über zehn Kilometer als Titelverteidiger an den Start, zudem startet der Deutsche Meister Christian Reichert. Die Frauen beginnen mit dem Fünf-Kilometer-Wettbewerb, für den DSV geht Nadine Reichert ins Wasser.

Kurz vor dem Beginn gibt es jedoch massiven Ärger unter den Freiwasserschwimmern. Grund ist das Verbot der noch bis vor gut zwei Wochen erlaubten Anzüge für die deutschen Langstreckler. Getragen werden dürfen nun lediglich Anzüge ohne Reißverschlüsse. Darauf können jedoch nur wenige Konkurrenten wie der italienische Weltmeister Valerio Cleri zurückgreifen.

"Nur in Badehose ist man auf jeden Fall im Nachteil"

"Man quält sich ein Jahr für die nächsten Großereignisse, und dann werden mal wieder kurzfristig die Regularien geändert. Das ist einfach Mist. Damit verdiene ich doch auch mein Geld", sagt der 30-jährige Lurz. "Wir haben versucht, die erlaubten Anzüge vom italienischen Hersteller zu bekommen. Man hat uns geantwortet, dass alle Exemplare vergriffen sind", so der Langstreckler.

Lurz wird nun wohl in langer, eng anliegender Badehose schwimmen. "Die Gleitwirkung mit Anzug ist größer. Nur in Badehose ist man auf jeden Fall im Nachteil", sagt Lurz. Die "Jammers" sind den Anzügen unterlegen in puncto Gleitfähigkeit und Kompression der Muskeln, die so langsamer ermüden. Zudem kühlt der Körper in einem Anzug aus textilem Material langsamer aus.

Neben Lurz sollen auch Weltmeisterin Angela Maurer über zehn und 25 Kilometer sowie der neue Teamwettbewerb zu den angestrebten drei deutschen Medaillen der Langstreckler beitragen.

Biedermann nur Dritter in der Jahresbestenliste

Bei den Beckenschwimmern hofft man neben Doppel-Weltmeister Paul Biedermann auch auf Schmetterlings-Weltrekordler Steffen Deibler, Rücken-Vizeweltmeisterin Daniela Samulski und die Staffeln. Biedermann muss sich allerdings harter Konkurrenz gerade über die 400 Meter Freistil erwehren. Gleich zwei Franzosen liegen in der Jahresbestenliste vor dem 23-Jährigen. Über 200 Meter hingegen war bislang keiner schneller als der Olympia-Fünfte.

"Als Weltmeister springt man nicht ins Wasser, um bei einer EM um Bronze zu kämpfen", sagte Biedermann. Der Titelverteidiger aber hat gerade über die lange Mittelstrecke mit der Umstellung nach dem Verbot der Ganzkörperanzüge zu kämpfen.

Wie die Beckenschwimmer beginnen auch die Wasserspringer ihre Wettkämpfe erst am 9. August. Das von Buschkow ausgegebene Ziel von sieben Medaillen scheint auf den ersten Blick hochgegriffen, doch mussten sich die DSV-Springer im Vorjahr bei der medaillenlosen WM von Rom meist nur der Konkurrenz aus Übersee geschlagen geben. Insbesondere die Synchron-Duos sollen in Budapest um den Sieg mitspringen.

Krasse Außenseiter sind hingegen die deutschen Synchronschwimmerinnen, die nur im Duett starten.

fsc/dpa/sid



insgesamt 3 Beiträge
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avollmer 03.08.2010
1. Gefahr im Verzug
Das Verbot der Reißverschlüsse war ja dringend geboten, bei der eminenten Verletzungsgefahr. Oder war es die Entblösungsgefahr? Oder eher die Verblödungsgefahr? Oder doch ein Sponsorenpatent? Cui bono?
scheinheilig, 03.08.2010
2. Nacktschwimmen
Nacktschwimmen wäre die endgültige Lösung in der dauernden Anzugdsikussion und für die Quoten wärs bestimmt auch gut!!!
ovinci 03.08.2010
3. Anzug umarbeiten?
Auch wenn es um High-Tech-Material geht, frage ich mich, ob man nicht doch einen der verbotnenen Reissverschluss-Anzüge mit etwas handwerklichem Geschick und handelsüblichen Materialien in einen zugelassenen reißverschlußlosen Anzug umzuarbeiten kann.
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