Schwimm-EM Biedermann verpasst Gold um Fingerspitzenlänge

Jetzt ist seine Siegesserie gerissen: Bei der Schwimm-EM in Ungarn hat Paul Biedermann über 400 Meter Freistil die Silbermedaille gewonnen. Neuer Europameister wurde überraschend der Franzose Yannick Agnel. Bei den Frauen lag Hannah Miley vorne.

Schwimmer Biedermann: Verpasste in Ungarn die Goldmedaille
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Schwimmer Biedermann: Verpasste in Ungarn die Goldmedaille


Hamburg - Doppel-Weltmeister Paul Biedermann hat über 400 Meter Freistil die Goldmedaille verpasst. Er musste sich bei der EM in Ungarn dem 18-jährigen Franzosen Yannick Agnel geschlagen geben und nach 3:46,30 Minuten mit Silber begnügen. Nach einem packenden Schlussspurt über die letzte 50-Meter-Bahn hatte der 24-Jährige in 3:46,30 Minuten 13 Hundertstel-Sekunden Rückstand auf Agnel. Dritter wurde der Ungar Gergo Kis. Clemens Rapp schwamm auf Rang sieben (3:49,27).

"Yannick hat verdient gewonnen, er hat die ganze Zeit geführt", sagte Biedermann und übte Selbstkritik: "Ich bin zu langsam angegangen und habe zu spät angezogen. Das wird mir eine Lehre sein." Unter den Augen von Doppel-Olympiasiegerin und Freundin Britta Steffen, die zusammen mit der gesamten Familie auf der Tribüne saß, kämpfte Biedermann um die Führung, kam aber einfach nicht an Agnel vorbei. Agnel sagte: "Genial. Es war ein richtiges Duell."

Biedermann hatte bereits nach dem Vorlauf, wo er noch zwei Hundertstel-Sekunden schneller war als Agnel, eine Vorahnung. "Ich habe kein so gutes Gefühl wie noch bei der WM. Das Wasser hier ist weicher und wärmer, das liegt mir nicht so", so Biedermann. "Die 400 Meter sind in diesem Jahr nicht so mein Ding. Vielleicht sind sie mir zu lang geworden." Damit spielte er auch auf die fehlenden Wunderanzüge an, die zu Beginn des Jahres verboten worden waren.

"Ich bleibe mal ganz ruhig auf dem Wasser, wie ein Kajak"

In den kurzen, enganliegenden Badehosen ("Jammers"), die keinen Auftrieb- und Kompressionseffekt wie die nun verbotenen High-Tech-Anzüge haben, entwickelte sich ein spannendes Rennen. Die ersten 300 Meter lag Biedermann zurück, Agnel übernahm an der vorletzten Wende die Führung. Auf der letzten Bahn, der großen Stärke des Deutschen, rettete Agnel den Sieg ins Ziel. "Ich habe mir gedacht, ich bleibe mal ganz ruhig auf dem Wasser, wie ein Kajak", erklärte der 18-Jährige.

Dennoch bescherte Biedermann dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) die erste der elf angepeilten EM-Medaillen. Nun will er über 200 Meter Freistil am Mittwoch seinen Titel verteidigen. "Ich bin erleichtert, dass der Druck jetzt weg ist und ich bin ganz optimistisch für die 200 Meter", sagte der "Sportler des Jahres 2009". Über seine Weltrekordstrecke geht Biedermann als Favorit an den Start. Agnel startet dort nicht.

Bei den Frauen ist Hannah Miley zu Gold über die 400 Meter Lagen geschwommen. Die Britin verwies am Montagabend in 4:33,09 Minuten mit anderthalb Längen Vorsprung die ungarische Weltmeisterin Katinka Hosszu auf den Silberrang. Hosszu schlug nach 4:36,43 Minuten vor ihrer Landsfrau Zsuzsanna Jakabos an, die 4:37,92 Minuten brauchte. Deutsche Starterinnen waren nicht dabei.

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Schwimm-EM: Hoffnungsträger Biedermann

jar/dpa/sid

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