Schwimm-EM Maurer holt Bronze über zehn Kilometer

Zweite deutsche Medaille bei der Schwimm-EM in Ungarn: Angela Maurer holte Bronze über die Zehn-Kilometer-Distanz. Die Männer hingegen hatten im Rennen über fünf Kilometer keine Chance. Sie schwammen kraft- und orientierungslos durch den Plattensee - einer von ihnen im Frauenanzug.

Bronze-Gewinnerin Maurer (r.): "Endlich wieder eine Medaille"
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Bronze-Gewinnerin Maurer (r.): "Endlich wieder eine Medaille"


Hamburg - Langstreckenschwimmerin Angela Maurer hat bei den Schwimm-Europameisterschaften die zweite deutsche Medaille gewonnen. Die 35-Jährige kam über zehn Kilometer im Plattensee auf Platz drei. Maurer lag in 2:01:08,2 Stunden am Ende 1,5 Sekunden hinter der Siegerin Linsy Heister aus den Niederlanden (2:01:06,7). Silber sicherte sich die Italienerin Georgia Consiglio (2:01:07,6). Nadine Reichert, die über fünf Kilometer noch Fünfte geworden war, hatte mit dem Kampf um die Medaillen nichts zu tun und wurde Zehnte.

"Ich bin superhappy. Endlich wieder eine Medaille und mal nicht auf dem Platz der Verdammten gelandet", sagte Maurer nach ihrem ersten Erfolgserlebnis über die olympische Distanz seit 2006. Damals war sie im Plattensee Europameisterin geworden. Anschließend schrammte sie oft an Edelmetall vorbei, wie beispielsweise als Olympia-Vierte 2008 in Peking.

Für Maurer ist der dritte Platz zugleich der erste Schritt Richtung Olympische Spiele 2012 in London. Denn mit Bronze hat sie die Teilnahme an der WM und gleichzeitigen Olympia-Qualifikation im nächsten Jahr in Shanghai sicher. "Das ist mir viel Wert, denn London soll der krönende Abschluss meiner Karriere werden", sagte die 35-Jährige.

Italienischer Dreifach-Triumph bei den Herren

Kein Edelmetall gab es hingegen über die Fünf-Kilometer-Distanz bei den Herren. Einen Tag nach seinem Titelgewinn über zehn Kilometer, mit dem er sich ebenfalls für Shanghai qualifiziert hatte, verpasste Thomas Lurz seine zweite Medaille. Der 30-Jährige belegte in 59:20,3 Minuten den fünften Platz. Lurz' Teamkollege Jan Wolfgarten kam auf Rang sechs (59:23,5), der dritte Starter des Deutschen Schwimm-Verbandes, Christian Reichert (59:42,8), wurde Siebter.

Den Europameister-Titel sicherte sich der Italiener Luca Ferretti (58:53,4) mit rund sieben Sekunden Vorsprung vor seinem Landsmann Simone Ercoli (59:00,5). Gemeinsam Dritter wurden die zeitgleichen Spyridon Gianniotis (Griechenland) und Simone Ruffini (Italien, beide 59:15,6).

"Ich war ein bisschen verärgert im Ziel. Der Kräfteverschleiß von gestern war zu groß, aber die anderen waren auch besser, das muss man anerkennen", sagte Lurz. Ercoli und Ruffini hatten das Rennen über zehn Kilometer ausgelassen und konnten ausgeruht über die halbe Distanz gehen.

Lurz und Reichert in Badehose, Wolfgarten im Frauenanzug

Bei kühlen Temperaturen, Wind und Wellengang hatten alle Italiener leistungsfördernde Ganzkörperanzüge, während Lurz und Reichert in langen Badehosen ("Jammers") antraten. Wolfgarten, der in einem geliehenem Frauenanzug schwamm, hatte Probleme mit der Orientierung und schwamm an einer Boje ebenso einen Umweg wie Lurz kurz vor dem Ziel.

"Ich habe wenig bis keine Orientierung gehabt. Bei einer Wende habe ich sehr viel Zeit liegen lassen und mich dumm angestellt", sagte Wolfgarten. Mit Blick auf die Medaillengewinner sagte Lurz: "Das soll jetzt keine Entschuldigung sein, aber die Anzüge machen schon etwas aus."

Kurz vor Beginn der EM hatte es Ärger um die Anzüge der deutschen Freiwasserschwimmer gegeben: Sie waren vor zwei Wochen vom Schwimm-Weltverband Fina verboten worden. Getragen werden dürfen lediglich Anzüge ohne Reißverschlüsse, doch auf die können nur wenige Konkurrenten zurückgreifen, wie etwa die Italiener. "Wir haben versucht, die erlaubten Anzüge vom italienischen Hersteller zu bekommen. Man hat uns geantwortet, dass alle Exemplare vergriffen sind", sagte Lurz.

ham/sid/dpa



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