Schwimm-EM Peggy Büchse - Die Langstrecken-Königin Europas

Trotz eisiger Temperaturen hat die Rostockerin auch die Disziplin über 25 Kilometer für sich entscheiden können. Mit ihrem Sieg hat Peggy Büchse neue Maßstäbe gesetzt.


Peggy Büchse nach ihrem Triumph über 25 Kilometer: "Habe mir Tee kommen lassen"
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Peggy Büchse nach ihrem Triumph über 25 Kilometer: "Habe mir Tee kommen lassen"

Helsinki - Peggy Büchse ist Europas unumstrittene Langstrecken-Königin. Zwei Tage nach ihrem Sieg über 5 Kilometer triumphierte die 27 Jahre alte Rostockerin auch in der Königsdisziplin über 25 Kilometer und schaffte im finnischen "Eiswasser" als erste Frau das Double. Als strahlende Siegerin kletterte Peggy Büchse nach 5:22:11,1 Stunden mit über zwei Minuten Vorsprung aus dem 18 Grad kalten Wasser, nachdem sie zuvor ihren Trainer zur Feier des Tages aus dem Begleitboot ins kühle Nass gezogen hatte. "Ich kann es noch gar nicht fassen", sagte sie an Land. Trainer Christian Bartsch: "Das war die Krönung."

Peggy Büchse hat neue Maßstäbe gesetzt. Als erste Frau schaffte sie das Double, bei vier Europameisterschaften in Folge hat sie Titel gewonnen, fünf insgesamt, dreimal in Folge die 5 Kilometer. Nächste Herausforderung sind die Weltmeisterschaften im November in Honolulu auf Hawaii. Die Freude bei Peggy Büchse war grenzenlos. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut klappt." Und: "Ich denke, ich habe verdient gewonnen, habe viel gearbeitet." Zum Anfang habe sie "schon gefroren". "In den ersten drei Runden habe ich mir Tee kommen lassen. Danach habe ich die Kälte nicht mehr gemerkt."

Ihr Erfolgsrezept beschrieb sie so: "Ich habe gut trainiert, habe einen guten Trainer und bin mental sehr stark." Der einsame Weg ins Ziel war "ein geiles Gefühl". Erst zwei Minuten später schlug die Niederländerin Edith van Dijk als Zweite an. Angela Maurer aus Wiesbaden wurde Fünfte: "Ich bin froh, dass ich durchgehalten habe." Während Peggy Büchse entspannt Interviews gab, rang die Konkurrenz mit der Fassung und nach Luft.

18 Grad Wassertemperatur wurden offiziell im Espoo-Nuuksio-See in Solvalla gemessen. Ein Härtefall. "Das ist an der Grenze, gerade noch machbar", so Langstrecken-Koordinator und Trainer Bartsch. Peggy Büchse war es zwar "zu kalt, aber die Bedingungen sind für alle gleich". Der Kampf gegen sich selbst war gefordert. Bartsch: "Die Muskeln werden hart, die Gefühle in Finger und Händen sterben ab, die Zähne klappern, der Kopf tut weh, die Schmerzen werden unerträglich. Da muss man den inneren Schweinehund besiegen - und das nicht nur einmal." Die russische Titelverteidigerin Olga Gussewa stieg im finnischen "Eiswasser" schon nach fünf Kilometer entnervt aus.

Um die EM-Krone in der Königsdisziplin der Langstreckler wurde bei den Frauen unerbittlich gekämpft. Nach zehn Kilometern beharkte sich eine Zehner-Führungsgruppe, mitten drin das deutsche Trio mit Peggy Büchse, Britta Kamrau und Angela Maurer. Bei Kilometer 15 gab Peggy Büchse "Gas". Mit einem Zwischenspurt zog die Studentin für Sport und Pädagogik an die Spitze. Zweifel zwischendurch bekämpfte sie auf ihre Art: "Das Gold hat zu sehr gelockt, um einzubrechen." Nach 20 Kilometern führte sie mit über einer Minute Vorsprung. Trainer Bartsch: "Anpeitschen musste ich sie nicht. Im Gegenteil, ich musste sie zeitweise sogar etwas bremsen."

Doch auch in den anderen Disziplinen konnten die Deutschen Erfolge verbuchen. Zum EM-Auftakt der Wasserspringer durfte sich der Deutsche Meister Alexander Mesch aus Rostock vom 1-Meter-Brett als Sieger feiern lassen. "Ich war supernervös, bis zum Anlauf haben mir die Knie gewackelt", sagte der 27 Jahre alte Jurist. Richtig freuen konnte er sich dennoch nicht. "Das ist kein Trost für die verpasste Olympia-Chance im Synchron-Springen." In Sydney wird Mesch nicht dabei sein. Der Wettbewerb vom 1-Meter-Brett gehört nicht zum olympischen Programm.



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