Schwimm-Weltcup in Berlin Biedermann stellt Phelps in den Schatten

Reife Leistung: Beim Schwimm-Weltcup in Berlin stellte Paul Biedermann zwei Weltrekorde auf. Seine WM-Revanche gegen Michael Phelps platzte, weil der US-Star im Vorlauf ausschied. Dank bis Ende Dezember erlaubter Schwimm-Anzüge und neuer Startblöcke gab es insgesamt 16 Weltbestleistungen.

Schwimmer Biedermann: Brillante Leistungen in Berlin
ddp

Schwimmer Biedermann: Brillante Leistungen in Berlin


Hamburg - Mit einem Weltrekord-Doppelpack hat Paul Biedermann US-Superstar Michael Phelps alt aussehen lassen. Einen Tag nach seiner Bestmarke über 400 Meter Freistil in 3:32,77 Minuten triumphierte der Doppel-Weltmeister zum Abschluss des Schwimm-Weltcups in Berlin am Sonntag in 1:39,37 Minuten auch über 200 Meter in Weltbestzeit.

Phelps ließ die mit Spannung erwartete WM-Revanche mit Biedermann platzen, als er mit Vollbart und in Textil-Hose als Vorlauf-Zwölfter in 1:44,07 Minuten das Finale über 200 Meter Freistil verpasste. Biedermann sorgte in Berlin im High-Tech-Anzug noch einmal für ein Highlight. "Einfach geil war das", befand er. "Es ist ein schönes Gefühl. Jetzt müssen wir mal sehen, was die Zukunft bringt. Ich muss Gewicht verlieren, damit ich nicht absaufe. Der Anzug hat mich schon oben gehalten."

Steffen Deibler war nach 21,80 Sekunden über 50 Meter Schmetterling einfach baff: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier als Weltrekordler aus dem Wasser steige." Für Europarekorde sorgten Janne Schäfer in 29,55 Sekunden als Zweite über 50 Meter Brust und Daniela Samulski über 50 Meter Rücken (26,21). Dazu zwölf nationale Bestmarken: Deutschlands Schwimmer scheinen fit für die EM im Dezember in Istanbul.

Die noch bis Ende Dezember erlaubten High-Tech-Anzüge sorgten in Verbindung mit neuen, der Leichtathletik nachempfundenen Startblöcken in Berlin für eine Rekordflut. 16 Welt- und sechs Europarekorde gab es insgesamt. Weltbestzeiten stellten Cameron van der Burgh aus Südafrika über 50 (25,25 Sekunden) und 100 Meter Brust (55,61), die Japanerin Shiho Sakai über 100 (55,23) und 200 Meter Rücken (2:00,18), die Australierin Leisel Jones über 100 (1:03,00) und 200 Meter Brust (2:15,42), Jessica Hardy aus den USA über 50 Meter Brust (28,80), Liu Zige (China/2:00,78) über 200 Meter Schmetterling, Hinkelien Schröder (Niederlande/57,74) über 100 Meter Lagen und die Russen Jewgeni Korotischkin (100 Meter Schmetterling/48,48), Sergej Fesikow (100 Meter Lagen/50,95) und Arkadi Wjatschanin (200 Meter Rücken/1:46,11) auf. Van der Burgh erhielt für die beste Leistung ein Auto.

"Ich bereite mich auf die Zukunft vor"

Ohne den High-Tech-Anzug werde es in Zukunft schwer werden, die Rekorde zu verbessern, sagte Biedermann. Phelps baut schon jetzt auf die neue Kleiderordnung: "Ich bereite mich auf die Zukunft vor." Über 200 Meter Lagen reichte es für ihn hinter dem Weltrekord (1:51,55) schwimmenden Südafrikaner Darian Townsend in 1:53,70 Minuten zu Rang zwei.

Deibler, der erst am 24. Oktober in Aachen mit einem Weltrekord überrascht hatte, war nach seinem Finale einfach nur glücklich. "Es macht schon Spaß", sagte der 22-Jährige. Dabei hatte er wegen einer Erkältung eine fünftägige Zwangspause einlegen müssen. Am Sonntag ließ er gleich drei deutsche Rekorde über 50 Meter Freistil (20,99 und 20,73) und 100 Meter Schmetterling (49,23) folgen.

Samulski holte sich in 26,21 Sekunden als Zweite über 50 Meter Rücken die kontinentale Bestmarke von Sanja Jovanovic (Kroatien). Zum Abschluss am Sonntag schwamm Samulski über 100 Meter Rücken in 57,37 und 57,35 Sekunden gleich zweimal deutschen Rekord.

Die deutschen Bestmarken fielen in Abwesenheit von Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen reihenweise. Marco Koch schraubte die elf Jahre alte Bestmarke von Mark Warnecke über 50 Meter Brust auf 26,68 Sekunden. Gut für Bestzeiten waren auch Janne Schäfer im Vorlauf über 50 Meter Brust (29,87), Sarah Poewe über 100 Meter Brust (1:05,12), Theresa Michalak über 200 Meter Lagen (2:07,65), Caroline Ruhnau (2:21,12) über 200 Meter Brust sowie Caroline Ruhnau (1:05,55) und Kerstin Vogel (1:05,46) beim Doppelschlag in den Vorläufen über 100 Meter Brust.

met/ulz/dpa



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