Skandalgewinner Sun Yang Schwimm-Weltverband verwarnt protestierenden Horton

Nach dem Sieg des unter Dopingverdacht stehenden Sun Yang hatte der Zweitplatzierte Mack Horton mit einer deutlichen Geste gegen den Chinesen protestiert. Dafür wurde er nun vom Weltverband verwarnt.

Nach dem Rennen über 400 Meter Freistil blieb Mack Horton (l.) hinter dem Podest stehen
Ed Jones AFP

Nach dem Rennen über 400 Meter Freistil blieb Mack Horton (l.) hinter dem Podest stehen


Der Schwimm-Weltverband Fina hat bei einer Sitzung im Rahmen der Weltmeisterschaften im südkoreanischen Gwangju entschieden, Mack Horton schriftlich zu verwarnen. Neben dem Zweiten über 400 Meter Freistil soll auch der australische Schwimmverband einen Verwarnungsbrief erhalten.

Horton war bei der Siegerehrung aus Protest gegen den Goldmedaillengewinner Sun Yang hinter dem Podest stehen geblieben. Darin sahen die Fina-Verantwortlichen einen Verstoß gegen die Regeln des Verbands. Es sei Athleten nicht erlaubt, Fina-Veranstaltungen für persönliche Statements zu nutzen.

Sun Yang droht nachträgliche Strafe

Dem Chinesen Sun Yang, der 2014 von der Fina nach einem positiven Test nur für drei Monate gesperrt worden war, droht im September eine nachträgliche Strafe.

Der Internationale Sportgerichtshof Cas rollt den Fall um eine womöglich durch einen Sun-Gefolgsmann zerstörte Dopingprobe neu auf. Die Fina hatte den dreimaligen Olympiasieger nach einer Anhörung im Januar freigesprochen, dagegen hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada ("unglaublich und inakzeptabel") vor dem Cas Einspruch eingelegt.

Athleten solidarisch mit Horton

Der deutsche Schwimmer und Athletensprecher Jacob Heidtmann hatte sich mit deutlichen Worten hinter den Protestierenden gestellt. US-Olympiasiegerin Lilly King sagte, dass Horton bei seiner Rückkehr ins Athletendorf mit Ovationen begrüßt wurde: "Der ganze Essenssaal hat vor Applaus gebebt, es war großartig zu sehen, dass die Sportler in seiner Haltung vereint sind und ihn unterstützen."

mfu/sid



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rainerheinrich 22.07.2019
1. Ich denke
Applaus reicht nicht um Herrschaftsstrukturen zu zerschlagen. Ein Boykott der WM wäre eine nicht erfüllbare Forderung. Man sollte sich nach der WM ernsthaft die Frage stellen wie man das Problem effektive angehen kann.
tommybonn2000 22.07.2019
2. Heuchelei...
Ob briten, amerikaner oder australier oder sonstwer. Wer im Schwimmsport vorne mit-schwimmen will, der muss dopen. Und sei es nur Mikrodoping. Seit Jahrzehnten ist es doch bekannt, dass die Kontrollen der FINA ein Witz sind. Viele, vor allem der amerikanischen, Superstars im Schwimmen wurden noch nie getestet. Schon gar nicht ausserhalb des Wettkampfs. Die grenzwerte für doping sind sehr hoch und wer ganz knapp unter den Grenzwerten liegt, wird nicht erfasst. Was Mikrodoping gestattet. Es ist bekannt, dass zahlreiche Schwimmer diese Grenzwerte immer wieder bis aufs Äußerste ausreizen. Dazu verschwundene dopingproben oder dubiose Kontrollpraktiken. Und wie kann es sein, dass Sun seine dopingproben ohne Konsequenzen zerstört? Klar haben alle recht, die Sun verurteilen. Aber viele von denen die das tun sind auch nicht besser. Sie Ärgern sich nur, dass Sun noch besser gedopt hat als sie selber. Der schwimmsport ist verseucht. Hier braucht es einen weltweiten Skandal und unzählige Sperren wie einst im Radsport. Aber derzeit besteht bei der Fina null Aufklärungswille. Vermutlich weil sich dabei auch viele Funktionäre die Finger verbrennen würden.
quark2@mailinator.com 22.07.2019
3.
Wenn man selbst unschuldig angeklagt ist, will man unbedingt, daß "im Zweifel für den Angeklagten" auch gilt, aber vielen fällt es offenbar schwer, dies anderen zuzugestehen. Da wird einfach vorverurteilt. Aus meiner Sicht sollte abgewartet werden, was bei dem anstehenden Verfahren rauskommt und danach kann man dann entsprechend Position beziehen. Im Zweifelsfall müssen dann Medaillen zurückgegeben werden, etc. Aber im Moment gibt es das Urteil noch nicht.
steingärtner 22.07.2019
4. Das Doping der Russen und Chinesen ist unerträglich
Man sehe sich die aktuellen Listen mit den Weltrekorden im Schwimmen an. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Schwimmweltrekorde Da wird einem das ganze Ausmaß des Russendopings und des chinesischen Dopings bewusst. Man sollte jeden einzelnen Weltrekord von denen löschen. Selbst dann, wenn es diese gar nicht gibt und die Listen von sauberen Sportlern beherrscht werden. Beim aktuellen Fall des gedopten Chinesen bleibt aber der Trost, den Weltrekord unseres sauberen Biedermanns hat er trotz Doping nicht brechen können. Das ist die gerechte Strafe für sein Doping.
nickmason 22.07.2019
5.
Zitat von steingärtnerMan sehe sich die aktuellen Listen mit den Weltrekorden im Schwimmen an. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Schwimmweltrekorde Da wird einem das ganze Ausmaß des Russendopings und des chinesischen Dopings bewusst. Man sollte jeden einzelnen Weltrekord von denen löschen. Selbst dann, wenn es diese gar nicht gibt und die Listen von sauberen Sportlern beherrscht werden. Beim aktuellen Fall des gedopten Chinesen bleibt aber der Trost, den Weltrekord unseres sauberen Biedermanns hat er trotz Doping nicht brechen können. Das ist die gerechte Strafe für sein Doping.
Laut der von Ihnen verlinkten Liste sieht es wie folgt aus: von 20 Langbahn-Weltrekorden bei den Männern werden zwei von China und einer von Russland gehalten - aber insgesamt 9 von den "sauberen" USA. Bei den Frauen 3x China und 0 von Russland - aber 8 von den USA. Dazu werden beide möglichen Mixed-Rekorde von den USA gehalten. Auf der Kurzstrecke der Männer werden 3 bzw. 1 von 23 Rekorden von Russland bzw. China gehalten, bei den Frauen kein einziger der 24 möglichen Rekorde. Aus diesen Zahlen auf flächendeckendes "Russendoping" und Doping in China zu schließen, ist eine steile These (auch wenn es am Ende stimmen könnte/dürfte). Und einem Paul Bidermann einen Persil-Schein auszustellen, ist vielleicht auch etwas gewagt. Abgesehen davon, dass er den Rekord in einem mittlerweile verbotenen Schwimmanzug erzielt hat (was das brechen ziemlich schwer macht), sollte man für keinen Top-Athleten - egal in welcher Sportart - die Hand ins Feuer legen. Das ist nämlich schon oft schiefgegangen, wenn Jahre später verbesserte Prüfmethoden auf einmal Saubermänner und -frauen ziemlich dreckig dastehen lassen.
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