Schwimm-WM Lurz gewinnt Silber, Warnecke kritisiert Verband

Nach zwei Titeln im Freien haben die deutschen Schwimmer jetzt auch in der Halle eine Medaille geholt. Über 200 Meter Freistil unterbot Annika Lurz sogar den deutschen Rekord von Franziska van Almsick. Ein DSV-Athlet geht auf Konfrontationskurs. Phelps holt drittes Gold.


Melbourne - Annika Lurz hat den deutschen Schwimmern am vierten Tag der Weltmeisterschaft die erste Medaille beschert. "Ich habe meinen Augen nicht getraut. Wahnsinn", sagte sie, nachdem sie ihre Zeit von 1:55,68 Minuten auf der Anzeigentafel sah. Über 200 Meter Freistil unterbot sie die alte deutsche Bestmarke von Franziska van Almsick. "Diese Zeit hätte ich nie für möglich gehalten", so Lurz.

Schwimmerin Lurz: "Ich habe meinen Augen nicht getraut"
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Schwimmerin Lurz: "Ich habe meinen Augen nicht getraut"

Sie musste sich nur der Französin Laure Manaudou geschlagen geben, die in 1:55,52 den nur einen Tag alten Weltrekord von Federica Pellegrini weiter verbesserte. Pellegrini sicherte sich in 1:56,97 Bronze. Auch die Zeit von Lurz hätte noch gestern Weltrekord bedeutet.

Lurz fand schließlich noch lobende Worte für die neue Weltrekordlerin: "Ich freue mich für sie, dass sie eine solche Zeit geschwommen ist."

Die Erleichterung beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV) war groß nach Lurz' Erfolg. "Es geht doch. Ihre Leistung war grandios", sagte Sportdirektor Örjan Madsen. Der Norweger gab außerdem bekannt, künftig die Hilfe eines Mentaltrainers in Anspruch zu nehmen. "Vieles ist Kopfsache, das haben wir hier wieder festgestellt", sagte Madsen.

Mark Warnecke, der gestern als Titelverteidiger über 50 Meter Brust bereits im Vorlauf gescheitert war, übte unterdessen Kritik am DSV. "Es wurde völlig zu Unrecht psychischer Druck gegen mich aufgebaut. Es ist traurig, dass so mit Menschen umgegangen wird", sagt der 37-Jährige in einem ARD-Interview. Der Hintergrund ist eine bereits vor der WM aufgekommene Auseinandersetzung zwischen Warnecke und dem DSV über einen selbst entwickelten Schwimmanzug des Esseners. Unter Androhung einer Strafe von 500.000 Euro musste sich Warnecke dazu verpflichteten, in Melbourne ausschließlich die Schwimmkleidung des Verbandsausrüsters Adidas zu tragen.

Über 50 Meter Rücken kann sich Janine Pietsch noch Hoffnungen auf eine Medaille machen. Die 24-Jährige zog in 28,72 Sekunden als Fünfte ins Finale ein und rehabilitierte sich für die Vorlauf-Schmach über die doppelte Distanz. Allerdings verlor sie ihren Weltrekord an die US-Amerikanerin Leila Vaziri, die in 28,16 Sekunden drei Hundertstel unter der alten Marke von Pietsch blieb. Antje Buschschulte, bei der WM 2005 in Montreal noch Dritte, verpasste als Zwölfte in 29 Sekunden erneut den Endlauf und klagte über Schulterprobleme.

Michael Phelps holte über 200 Meter Schmetterling mit seinem zweiten Weltrekord in Melbourne seine dritte Goldmedaille. In 1:52,09 Minuten unterbot der 21-jährige US-Amerikaner seine eigene Bestmarke um 1,71 Sekunden. Für die deutschen Wasserballer ist der Traum von der ersten WM-Medaille seit 25 Jahren im Viertelfinale geplatzt. Die Mannschaft verlor mit 6:13 (2:4, 0:1, 2:4, 2:4) gegen Olympiasieger Ungarn.

guv/sid/dpa



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