Schwimmen Buschschulte holt zweimal Gold

Mit einem Weltrekordfestival und deutscher Frauen-Power hat sich die Schwimm-Elite auf Olympia eingestimmt. Sechs Monate vor Sydney empfahl sich Antje Buschschulte bei der Kurzbahn-Weltmeisterschaft als Doppelsiegerin über 50 m und 200 m Rücken eindrucksvoll für den olympischen Medaillenkampf.


Athen - Sandra Völker und Antje Buschschulte haben bei den fünften Kurzbahn-Weltmeisterschaften für ein Festival in Gold gesorgt, die beiden DSV-Frauen gewannen alle Rückendistanzen. Für beide kann Olympia kommen, aber auf den großen Rest des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) sieht nicht nur Bundestrainer Manfred Thiesmann sechs Monate vor der Eröffnungsfeier von Sydney 2000 "noch sehr viel Arbeit zukommen". Einen grandiosen Schlusspunkt aus deutscher Sicht setzte der 30 Jahre alte Potsdamer Langstreckler Jörg Hoffmann, der neun Jahre nach seinem WM-Doppelsieg von Perth den 1500-m-Freistil-Titel holte.

Die 21-jährige Antje Buschschulte avancierte am Sonntag über 200 m Rücken mit ihrem zweiten Titelgewinn nach dem Triumph über die 50-m-Distanz zur großen Heldin. In 2:07,29 Minuten verbesserte die Magdeburgerin ihren eigenen deutschen Rekord um zwei Hundertstelsekunden. "Ich habe Athen allmählich lieb gewonnen. Aber ich bin zu fertig, um in Jubelstürme auszubrechen. Eine zweijährige Durststrecke ist für mich zu Ende gegangen", erklärte die Doppel-Weltmeisterin völlig aufgelöst: "In der Olympia-Saison kann es ruhig so weitergehen."

Das gilt auch für "Oldie" Jörg Hoffmann, der meinte: "Ich bin froh, dass es geklappt hat. So muss man auch auf der Langbahn schwimmen." Hoffmann zu seiner Motivation: "Das Studium alleine ist langweilig. Ich rechne mir für Sydney durchaus Chancen aus. Nur Grant Hackett kann ich nicht schlagen." Der australische Weltrekordler hatte auf Athen verzichtet.

Die 5. Kurzbahn-WM brachte eine gigantische Weltrekordflut, die den Weltverband Fina 225.000 Dollar an Prämien kostete. Insgesamt gab es 15 neue Bestmarken.

Die USA als erfolgreichste Nation (9 Gold-, 7 Silber- und 9 Bronzemedaillen), Schweden (7/3/1), Großbritannien und Australien zementierten ihre internationale Dominanz. Für den DSV bleibt nach den Weltmeisterschaften in der Olympiastadt des Jahres 2004 die Prognose, dass neben Vorzeigeschwimmerin Sandra Völker und Doppel-Weltmeisterin Antje Buschschulte nur noch die Staffeln in Australien realistische olympische Medaillenperspektiven haben.

Mit insgesamt fünf Gold-, sechs Silber- und zwei Bronzemedaillen behauptete die deutsche Mannschaft in Athen aber ihre Zugehörigkeit zur Weltspitze im olympischen Schwimmsport. Zum Abschluss holten jeweils mit deutschem Rekord die 4x100-m-Lagen-Staffeln der Frauen (4:01,47 Minuten) und Männer (3: 31,77) jeweils Silber.

Frauen-Bundestrainer Achim Jedamsky sagt: "Die Konkurrenz aus Japan und China ist noch gar nicht einzuschätzen, aber ich rechne mit leistungsstarken Olympiateams aus Asien. Unser Ziel kann in Sydney nur sein, die Bilanz von Atlanta 1996 zu bestätigen." Bei den Jahrhundertspielen gewann der DSV insgesamt zwölf olympische Medaillen, die deutschen Frauen allein neun. Achim Jedamsky: "Das wird schwer genug." Momentan scheint es unrealistisch.

Sandra Völker schwamm in Athen auf einer Welle des Erfolges. Nach Gold über 100 m Rücken in Europarekordzeit (58,66) gewann die 25 Jahre Hamburgerin Silber über 50 m Freistil (24,77) sowie mit Freistil- und Lagenstaffel. Antje Buschschulte hatte sich vor dem 200-m-Sieg bereits überraschend den Titel über 50 m Rücken (27,90), Mark Warnecke aus Essen den über die ebenfalls nicht olympischen 50 m Brust gesichert. Thiesmann und Jedamsky setzen auch in Sydney wieder auf die Staffeln, aber der Männer-Bundestrainer aus Warendorf weiß: "Die Konkurrenz wird beinhart." Allein Australiens Verband hat 20 olympische Goldmedaillen als Ziel formuliert.

Der US-Amerikaner Neil Scott Walker und Lars Frölander aus Schweden erwiesen sich mit je vier Weltrekorden als Großverdiener, jede Bestmarke wurde mit 15.000 Dollar belohnt. Walker schwamm über 100 m Lagen bisher unerreichte 52,79, über 50 Rücken 24,04, dann sensationelle 23,42, und am Schlusstag über 100 m Rücken 50,75 Sekunden. Frölander pulverisierte die alten Bestmarken seines olympischen Konkurrenten Michael Klim aus Australien über 50 und 100 m Schmetterling. Über 100 m Freistil verpasste der vierfache Titelträger im Halbfinale (46,75) nur um eine Hundertstelsekunde die Marke von Schwimm-Zar Alexander Popow.



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