Deutscher Schwimm-Verband in der Krise Auch Bundestrainer Lambertz schmeißt hin

Der Deutsche Schwimm-Verband kommt aus dem Chaos nicht heraus. Erst tritt die Präsidentin zurück, jetzt der Bundestrainer. Bis Tokio 2020 soll nun ein Expertenteam den Job von Henning Lambertz übernehmen.

Henning Lambertz
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Henning Lambertz hört überraschend als Chefbundestrainer der deutschen Schwimmer auf. Wie der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) mitteilte, tritt der 48-Jährige am Jahresende nach sechs Jahren von seinem Amt zurück.

"Ein fürsorglicher Familienvater und guter Cheftrainer zu sein, ist kaum möglich", sagte Lambertz. "Es war schon in den letzten Jahren so, dass es bedenklich viel wurde. Ich bin gut die Hälfte des Jahres nicht zu Hause, und selbst wenn ich zu Hause war, war ich ständig unterwegs."

Nach mühsamen Reformbestrebungen zurück im Chaos

Es ist der nächste Tiefschlag für den DSV, der sich nach zwei Jahren mühsamer Reformbestrebungen mal wieder ins Chaos gestürzt hat. Erst vor wenigen Tagen war Präsidentin Gabi Dörries überraschend zurückgetreten, weil einige Landesverbände nicht über eine nach über 30 Jahren erstmalige Erhöhung des Mitgliedsbeitrags um 60 Cent auf einen Jahressatz von 1,40 Euro entscheiden wollten. Ein weiterer Grund für Lambertz, inmitten der WM-Saison aufzuhören.

"Ich habe immer gesagt, dass ich das zusammen mit Gabi machen will. Wir haben dieselben Visionen und Ideen geteilt", sagte Lambertz: "Wenn es mit Gabi nicht geht, dann gar nicht."

Zur Erinnerung: 2016 war der DSV ohne Medaillen von den Olympischen Spielen zurückgekehrt. Zum zweiten Mal nach London 2012. DSV-Präsidentin Christa Thiel kündigte an, nicht zur Wiederwahl antreten zu wollen. Mit knapp 90 Prozent der Stimmen wurde im November Gabi Dörries als Nachfolgerin bestimmt. Vor dem Hintergrund der geplanten Leistungssportreform war sie als Reformerin des am Boden liegenden Schwimmsports angetreten. Dabei stand sie stets hinter dem zuletzt harsch kritisierten Bundestrainer.

Kein Nachfolger bis 2020

Ein Nachfolger für Dörries sowie für Vizepräsidentin Andrea Thielenhaus, die ob der Blockadehaltung einiger DSV-Mitglieder ebenfalls zurückgetreten war, können erst im kommenden Jahr gewählt werden. Einen neuen Bundestrainer soll es erst gar nicht geben. "Thomas Kurschilgen (neuer Schwimm-Leistungssportdirektor; d. Red.) will mit einem Team Tokio bis zu den Spielen 2020 gehen." Ein Team, für das die wichtigsten Trainer als Experten ebenso eingeplant sind wie der als Verbandsmanager neu installierte Christian Hirschmann.

Auf dieses Team sollen die sportfachlichen sowie die administrativen Aufgaben des Bundestrainer verteilt werden. Und wegen dieses Teams sieht Lambertz auch kein Problem darin, zum Ende des Jahres aufzuhören, statt noch eine Übergangsphase zu schaffen und bis zur WM 2019 in Südkorea im Amt zu blieben. "Die WM ist für mich nicht wichtig. Wenn, dann wäre ich bis Tokio geblieben. Aber dann stünde ich danach wahrscheinlich ohne Familie da."

sak



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Nonvaio01 20.12.2018
1. Wegen 60 cent
Mir fehlen die worte
77fun 20.12.2018
2. Die Totengräber...
... sitzen in den Landesverbänden. Unfähige Funktionäre, denen ihr Ego wichtiger ist als der Sport oder gar die Aktiven. Diese unfähigen Tyen sollten zuallererst zurücktreten!
merlin 2 20.12.2018
3.
Zitat von 77fun... sitzen in den Landesverbänden. Unfähige Funktionäre, denen ihr Ego wichtiger ist als der Sport oder gar die Aktiven. Diese unfähigen Tyen sollten zuallererst zurücktreten!
Das mit dem Ego stimmt und hinzufügen möchte ich noch die Sturheit, im Zweifel wider besseren Wissens falsche Konzepte weiter und weiter durchzudrücken. Es läuft doch aller Orten oft nach dem Motto, denen zeig ichs noch, statt zielgerichtet seine persönlichen Interessen hinten anzustellen. Aber nein, da muß erst alles einmal auseinander fliegen, und selbst dann passiert noch viel zu wenig.
fantasti 20.12.2018
4.
Jeder, der auch nur etwas Einblick hat, weiß, dass diese Entscheidung nicht die von Herr Lambertz war. Man lässt ihn jetzt lediglich das Gesicht wahren. Gut, dass diese Inkompetenz im DSV endlich beseitigt wurde. Schlimmerweise hat er dem deutschen Schwimmsport auf Jahre hin Schaden zugefügt. Bis 2020 wird das nicht zu kitten sein. Wie er damit leben kann, Sportlern das knappe Zeitfenster für Höchstleistungen zerstört zu haben, das muss er sich selbst beantworten...
OrderNewWord 21.12.2018
5. mehr Respekt, bitte!
Ich kann den Beitrag von Fantasti so nicht stehen lassen. Henning Lambertz hat innerhalb der vermurksten DSV-Strukturen gute Arbeit geleistet. Es ist ungerecht und gemein, ihm das Versagen des Bundes- und der Landesverbände in die Schuhe zu schieben. Ich weiß (als Stützpunkttrainer), was dieser Beruf für Belastungen und Schwierigkeiten mit sich bringt. Herr Lambertz war immer präsent und hat versucht zu helfen, wo er eben konnte.
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