Schwimmen Im Endspurt ließ Peggy Büchse "alle stehen"

Es war die Medaille, die der Rostockerin in ihrer Sammlung noch gefehlt hat. Vor Hawaii siegte die Langstreckenschwimmerin über fünf Kilometer nach einem spannenden Schlussspurt und holte ihren ersten Weltmeistertitel.


Peggy Büchse (Archivfoto): "Im Endspurt wieder einmal alle stehen lassen"
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Peggy Büchse (Archivfoto): "Im Endspurt wieder einmal alle stehen lassen"

Honolulu - Peggy Büchse hat dem deutschen Schwimm-Team bei der Langstrecken-WM auf Hawaii einen Auftakt nach Maß beschert. Die Rostockerin holte sich vor der Urlaubskulisse des Traumstrandes von Waikiki in Honolulu über 5 Kilometer ihren ersten WM-Titel. Die zweimalige Europameisterin verwies nach 1:02:36 Stunden die US-Amerikanerin Kalyn Keller nach einem packenden Endspurt um vier Sekunden auf Platz zwei. Zudem holte das Team des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) in der Mannschaftswertung für Männer und Frauen mit einer Gesamtzeit von 3:01:47 Stunden Bronze. Der Titel ging in 3:01:22 Stunden an Italien vor Russland (3:01:32).

"So kann es weitergehen, wir haben neue Maßstäbe im DSV gesetzt", jubelte Trainer Christian Bartsch und spielte damit auf das schwache Abschneiden des Verbandes bei Olympia in Sydney an. Unterdessen freute sich Peggy Büchse: "Im Endspurt habe ich wieder einmal alle stehen lassen, der letzte Kilometer ist einfach meine Stärke." Bei schwacher Organisation durch Gastgeber USA und einem Rundkurs mit vielen Wellen und Unterwasserströmungen spielte die 27 Jahre alte Studentin einmal mehr ihre Erfahrung aus. Vor knapp drei Jahren hatte sie in Perth Bronze über diese Strecke geholt.

Britta Kamrau (ebenfalls Rostock) belegte mit 1:02:44 Stunden Platz sechs. Die Vize-Europameisterin über diese Strecke hielt lange in der Spitzengruppe mit und musste sich bei idealen Luft- (30 Grad) und Wassertemperaturen (26) erst im Schlussspurt geschlagen geben. Peggy Büchse biss unterdessen kräftig die Zähne zusammen. Ihre Schulterverletzung machte sich wieder bemerkbar: "Wahrscheinlich wird sie die 25 Kilometer am Samstag nicht schwimmen", erklärte Christian Bartsch, der auch Langstrecken-Koordinator im DSV ist.

Bei den Männern bestimmte der "alte Mann" des deutschen Langstreckenschwimmens, Christof Wandratsch (Burghausen), das Geschehen. Am Ende wurde er in seinem vermutlich letzten großen internationalen Rennen mit 59:22 Minuten Fünfter. Der Sieger Jewgenij Besrutschenko (Russland) war ganze vier Sekunden schneller. Praktisch im Sekundentakt kamen die ersten Fünf ins Ziel. David Meca-Medina (Spanien) wurde Zweiter (59:19) vor denItalienern Luca Baldini (59:20) und Fabio Venturini (59:21). Der deutsche Meister Ben Hoffmann (Dresden) belegte mit 59:47 Minuten Platz elf.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich in diesem Alter noch einmal ein solches Rennen abliefern kann", freute sich der bereits 33 Jahre alte Wandratsch, der lediglich im Endspurt leichte Schwächen zeigte, dabei aber Titelverteidiger Alexej Akatiew (Russland) um sieben Sekunden schlagen konnte. Entschädigt wurde Wandratsch dafür mit Bronze in der Teamwertung, bei der die drei besten Zeiten einer Nation addiert wurden. Für den zweimaligen Europameister war es in seiner mehr als zehnjährigen Karriere die erste WM-Medaille.

Von Frank Hoffmann, sid



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