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Sebastian Kienles Sieg beim Ironman "Wie auf Wolken"

Es ist der größte Triumph seiner Karriere: Sebastian Kienle hat den Ironman von Hawaii gewonnen. Dabei war er wenige Wochen vor dem Saisonhöhepunkt in einem Leistungsloch und hatte "an allem gezweifelt".

Am Ende wollte Triathlet Sebastian Kienle gar nicht über die Ziellinie gehen. Erst wenige Hundert Meter vorher hatte er überhaupt den Gedanken zugelassen, dass er gewinnen würde - nach 3,86 Kilometern Schwimmen, 180,2 Kilometern Radfahrern und einem Lauf über die Marathon-Distanz. Nun, da Kienle klar war, dass ihn keiner mehr überholen würde bei diesem Ironman in Hawaii, wollte er die letzten Meter so lange wie möglich auskosten.

"Es kann böse in die Hose gehen, wenn man zu früh denkt: Ach, wie schön wäre das, hier zu gewinnen", sagte Kienle später. Deshalb sei er einfach nur "von Hütchen zu Hütchen" gelaufen, "von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle, immer weiter". Dann habe er gehört, dass seine Konkurrenten einer nach dem anderen aus- oder zurückfielen, und den letzten Kilometer sei er dann "wie auf Wolken" gelaufen.

Einer dieser Mitfavoriten, die zurückgefallen waren, war Jan Frodeno. Dem Olympiasieger von 2008 waren im Vorfeld gute Chancen auf den Sieg eingeräumt worden, dabei tritt er erst seit dieser Saison über die Langdistanz an.

Frodeno muss mehrere Rückschläge verkraften

Frodeno ist ein starker Schwimmer, im Gegensatz zu Kienle, der froh war, nicht mit allzu viel Rückstand auf die anderen Favoriten aus dem Wasser zu kommen. Frodeno hingegen stieg als einer der Ersten auf das Rad um - und wurde dann durch einen Reifenschaden ausgebremst. Außerdem bekam er wegen eines regelwidrigen Überholvorgangs eine Zeitstrafe von vier Minuten aufgebrummt. "Das hat mich mental ganz schön angehauen", sagte Frodeno: "Aber am Ende ist ja alles gutgegangen."

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Triumph für deutschen Eisenmann: Aufholjagd auf dem Rad

Foto: Bruce Omori/ dpa

Tatsächlich kam Frodeno trotz der Rückschläge sogar noch auf das Podium. Mit sechs Minuten Rückstand auf Kienles Siegerzeit (8:14:18 Stunden) und eine Minute hinter dem US-Amerikaner Ben Hoffman lief Frodeno bei seinem Hawaii-Debüt auf den dritten Platz.

Kienle und Frodeno gelten als Kumpels, sie pflegen ein gesundes Konkurrenzverhältnis. "Wir haben in diesem Jahr schon viele Rennen gegeneinander bestritten, und er hat mir ein paar Tipps gegeben", hatte Frodeno vor dem Wettkampf über den auf der Langdistanz erfahreneren Kienle gesagt: "Aber vor der Weltmeisterschaft werden die Tipps natürlich weniger."

In den Wochen vor dem Ironman fiel Kienle in ein Leistungsloch

Kienle selbst bezeichnete Frodeno als "Respektsperson", sagte aber auch: "Mein Ziel ist es, zu gewinnen. Ich setze mir selbst hohe, aber keine unrealistischen Ziele." Doch ausgerechnet in den Wochen vor dem Saisonhöhepunkt in Hawaii war Kienle in ein kleines Leistungsloch gefallen.

Bei der WM über die halbe Distanz verpasste er Anfang September als 18. deutlich den Titel. Dazu kamen schwache Trainingseinheiten in Hawaii. In dieser Zeit habe er "an allem gezweifelt" und kurz mit dem Gedanken gespielt, "nach Hause zu fliegen und die Karriere zu beenden".

Aber Kienle blieb - und triumphierte beim Ironman mit fünf Minuten Vorsprung. "Ich bin so gottfroh, dass es endlich geklappt hat", sagte der 30-Jährige. Nach dem vierten Platz von 2012 und dem dritten im vergangenen Jahr ist Sebastian Kienle an seinem großen Ziel angekommen.

tim/sid
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