Segelsport Chef des deutschen America's-Cup-Teams gefeuert

Neue Turbulenzen für das deutsche America’s-Cup-Team: Der Aufsichtsrat entband den Chef des Syndikats, Uwe Sasse, mit sofortiger Wirkung von seinem Job. Am Samstag soll der Einstieg eines neuen Sponsors bekannt gegeben werden.


Hamburg - Die Entscheidung, so verlautet aus informierten Kreisen, sei einstimmig gefallen. Gründe für den Schritt wollten Mitglieder des Gremiums am Freitagabend nicht nennen. Dem Vernehmen nach sollen die Aufseher unzufrieden mit der Art der Geschäftsführung gewesen sein. Über eine Nachfolge werde demnächst entschieden.

Die Entscheidung stößt das gebeutelte Team der ersten deutschen America's Cup Kampagne erneut in die Krise, aus der es sich zumindest seglerisch gerade zu befreien schien. Andererseits besteht so rechtzeitig vor den entscheidenden Regatten die Chance zum Neuanfang. Schon am Samstag soll der Einstieg eines weiteren Sponsors bekannt gegeben werden. Eine Finanzspritze ist für den Erfolg des kostspieligen Unternehmens dringend erforderlich.

Sasse hatte gemeinsam mit dem später von ihm beurlaubten Sport-Chef Andreas John die Kampagne auf den Weg gebracht. Im Frühjahr hatte Sasse den Internet-Unternehmer Ralph Dommermuth (1&1, gmx) kurz vor Ablauf der Meldefrist zum Einstieg bewegen können. Dommermuth stellte einen Betrag von über 20 Millionen Euro zur Verfügung und rettete so zunächst das Projekt. Als Skipper wurde der dänische Seglerstar Jesper Bank eingekauft, weitere Crew-Mitglieder wurden verpflichtet.

Doch schon nach wenigen Wochen kam es zu ersten Spannungen. Das Last-Minute-Unternehmen drohte in einem Strudel von Intrigen, Machtkämpfen, Selbstzerfleischung und Organisationschaos zu versinken. Das Millionenspiel mit den Hightech-Yachten schien für die Führungsspitze des Team Germany eine Nummer zu groß zu sein.

Besonders das Auftreten des geschäftstüchtigen Sasse stieß in der Crew zunehmend auf Unwillen. Etliche Mannschaftsmitglieder beklagten sich, dass Sasse mehr am Aufbau seines eigenen Bekleidungslabels unter dem Namen "Prince Henry" interessiert sei, als am Erfolg des Syndikats. Sasses Prince Henry Clothing GmbH ist exklusiver Bekleidungssponsor des Teams, die Vermarktungsrechte an dem neuen Label hatte sich der Team-Chef umfassend gesichert.

Sasse setzte daraufhin völlig unerwartet seinen ursprünglichen Partner und von der Crew hochgeschätzten Sportdirektor John vor die Tür, ein Schritt, der ihm von der Mannschaft schwer verübelt wurde. Er selbst erklärte, sich zum Jahresende zurückziehen zu wollen.

Zudem wurde bekannt, dass Sasse 2003 wegen Insolvenzverschleppung und Betrugs zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war. "Das war nie ein Geheimnis", versichert Sasse, "alle Aufsichtsratsmitglieder und Herr Dommermuth wussten das." Seine eigene Demission, behauptete er stets, sei "lange geplant" gewesen.



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