Eklat im Finale der US Open 2018 Serena Williams entschuldigte sich bei Osaka, um "Frieden zu finden"

Der größte Erfolg der jungen Tennisspielerin Naomi Osaka wurde von einem Streit zwischen Serena Williams und dem Schiedsrichter überschattet. Die US-Amerikanerin bat sie nach dem US-Open-Finale um Verzeihung.

Naomi Osaka (links) und Serena Williams nach dem Finale der US Open 2018
TIMOTHY A. CLARY / AFP

Naomi Osaka (links) und Serena Williams nach dem Finale der US Open 2018


Tennisstar Serena Williams sagt, dass sie sich bei Naomi Osaka für ihr Verhalten im Finale der US Open im vergangenen Jahr entschuldigt hat. Osaka, damals 20 Jahre alt, gewann ihren ersten Grand-Slam-Titel gegen Williams, aber der Triumph wurde von einem Streit zwischen der US-Amerikanerin und Schiedsrichter Carlos Ramos aus Portugal überschattet.

Williams, die am Dienstag ins Halbfinale von Wimbledon einzog, schrieb nun in einem Essay für "Harpers Bazaar", dass sie in den Tagen nach dem verlorenen Endspiel keinen "Frieden finden" konnte. Der einzige Weg, die Niederlage abzuhaken, sei eine Entschuldigung bei Osaka gewesen. "Ich bin so stolz auf dich und es tut mir wirklich leid. Ich dachte, ich tue das Richtige, um für mich selbst einzustehen. [...] Ich wünschte, es gäbe die Möglichkeit, diesen Moment noch einmal zu erleben", habe Williams an die inzwischen 21-Jährige in einer Mitteilung geschrieben.

Williams gratulierte Osaka nach ihrem Triumph
AFP

Williams gratulierte Osaka nach ihrem Triumph

Die 37 Jahre alte Williams ist aktuell auf dem Cover der August-Ausgabe von "Harpers Bazaar" zu sehen, darin erschien auch der Essay von Williams. In dem US-Modemagazin schrieb die ehemalige Weltranglistenerste, sie habe sich nach dem US-Open-Finale in therapeutische Behandlung begeben.

"Ich suchte nach Antworten, und obwohl ich das Gefühl hatte, Fortschritte zu machen, war ich immer noch nicht bereit, einen Schläger in die Hand zu nehmen. Schließlich wurde mir klar, dass es für mich nur einen Weg gibt, um voranzukommen. Es war Zeit für mich, mich bei der Person zu entschuldigen, die es am meisten verdient hat." Gemeint ist Osaka.

Williams schrieb, Osaka habe sich auf ihre Entschuldigung zurückgemeldet: "Als Naomis Antwort kam, rollten Tränen über mein Gesicht." Laut Williams sagte Osaka, dass "die Menschen Stärke als Wut missverstehen können, weil sie nicht zwischen den beiden unterscheiden können. Niemand ist so für sich selbst eingestanden, wie du es getan hast, und du musst genauso weitermachen."

Serena Williams und Schiedsrichter Carlos Ramos
AFP

Serena Williams und Schiedsrichter Carlos Ramos

Beim verlorenen Endspiel gegen Osaka hatte die 23-malige Grand-Slam-Siegerin nach verbotenen Zeichen ihres Trainers und heftiger Schiedsrichterkritik drei Strafen kassiert, darunter einen Spielverlust. Anschließend hatte sie zum Unparteiischen gesagt, er würde Männer in dieser Situation anders behandeln. Davon wich sie auch jetzt nicht ab: "Warum werden Frauen als 'emotional, verrückt und irrational' abgestempelt, wenn sie leidenschaftlich werden", fragte sie. "Aber wenn das Männer machen, werden sie als leidenschaftlich und stark angesehen?"

Ein Triumph beim Rasenklassiker in London wäre der 24. Grand-Slam-Titel für die US-Amerikanerin. Damit hätte sie den Rekord der Australierin Margaret Court eingestellt. Dies war ihr bei den US Open durch die Finalniederlage in New York verwehrt geblieben.

jan/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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girge 10.07.2019
1.
Williams Text ist in vielerlei Hinsicht skurril. Sie schafft es, Osaka ein zweites Mal zu demütigen und bringt wieder nicht die Größe auf, die einer Sportlerin, ihres Kalibers angemessen wäre. Sie beklagt sich über eine fiktive. Ungleichbehandlung, gibt dem Schiedsrichter erneut die Schuld, und missversteht Osakas Antwort als Rechtfertigung für ihr kleinliches Verhalten. Ganz schlechter Stil. Und eine merkwürdig verzerrte Sicht der Dinge.
roenga 10.07.2019
2. Eine non-apology
Zum einen gibt sie natürlich kein Fehlverhalten gegenüber dem Schiedsrichter zu und außerdem hat sie sich auch nur bei Osaka und nicht beim Umpire selbst entschuldigt, dem Mann also, der sich peinlich genau an die Regeln gehalten hatte und dafür von Williams vor aller Welt als Dieb und Lügner beschimpft wurde. Try again, Serena!
sven17 10.07.2019
3.
Das ist aber nur sehr wohlwollend als Entschuldigung zu bezeichnen. Sollte eigentlich auch gegenüber dem Schiedsrichter überfällig sein.
kopi4 10.07.2019
4.
Naja, ich wüßte jetzt nicht das Osaka deswegen in ein emotionales Tief geriet, knapp fünf Monate später hat sie jedenfalls auch das nächste Major gewonnen. Ob es beim Schiedsrichter auch so spurlos abperlte ist zu bezweifeln. Beim Endspiel am Samstag wird Herr Ramos wohl eher nicht auf dem Stuhl sitzen...
paleki79 10.07.2019
5. Die Dramaqueen mal wieder...
...soso, Frau Williams hat sich entschuldigt, "um Frieden zu finden". Sie hat sich also nicht entschuldigt, weil es Naomi Osaka gegenüber anständig gewesen wäre, sondern um ihr Seelenheil zu finden. Und die Antwort Osakas fiel auch kryptisch aus. Die Menschen würden Wut mit Stärke verwechseln... soso... ich würde mal sagen, stark war Serena nicht im damaligen Finale. Sondern wütend und unbeherrscht wie ein trotziges Kleinkind. Drama, Baby!
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