Sicherheit Ratlosigkeit im alpinen Ski-Zirkus

Der schwere Unfall des Weltklasseläufers Silvano Beltrametti hat den internationalen Skisport schockiert. Doch wie die Sicherheit für die Athleten erhöht werden kann, ist umstritten.


Erste Hilfe am verletzten Beltrametti: Zu wenig für die Sicherheit der Rennskiläufer getan
EPA/DPA

Erste Hilfe am verletzten Beltrametti: Zu wenig für die Sicherheit der Rennskiläufer getan

München - Die einen wollen beim Material ansetzen und plädieren für eine Entschärfung des sehr kurzen und taillierten Carving-Skis, mit dem extrem hohe Geschwindigkeiten möglich sind. Andere rücken den passiven Schutz in den Mittelpunkt und fordern großzügigere Sturzräume und bessere Fangzäune.

Anlass für die neuerliche Debatte ist der Sturz des Schweizers Silvano Beltrametti am Samstag beim Abfahrtsrennen in Val d'Isère. Der 22-Jährige war mit etwa 120 Stundenkilometern nach einem Fahrfehler durch das Sicherheitsnetz gerast und ist seither querschnittgelähmt. Am Montag wurde der WM-Vierte, dessen Zustand stabil ist, von Grenoble in ein Schweizer Krankenhaus verlegt. Ende Oktober hatte die französische Weltmeisterin Régine Cavagnoud bei einem Sturz im Training tödliche Kopfverletzungen erlitten.

"Von Haus aus kein unsicherer Ski"

"Beim Skilaufen handelt es sich um ein Problem der Carving-Ski, die ich für gefährlich halte", sagte der der fünfmalige Weltcup-Sieger Marc Giradelli in der Tageszeitung "Die Welt". Dem widerspricht Hermann Kucharski vom Deutschen Skiverband (DSV); "Der Carving-Ski als solcher ist von Haus aus kein unsicherer Ski."

"Ein zweiter Fangzaun hätte einiges verhindern können", ist sich die Abfahrtsweltcup-Gewinnerin von 1999, Regina Häusl, sicher. Gleicher Ansicht ist der Italiener Kristian Ghedina, der 1996 in der Abfahrt Vizeweltmeister wurde: "Die Sturzräume müssen sofort vergrößert werden." Die Fangnetze seien zu nah an den Pisten, sagte Ghedina der "Gazzetta dello Sport" in Hinblick auf die nächsten Rennen am Freitag und Samstag.

"Die Leute fliegen im 90-Grad-Winkel ab"

Von verbesserten Fangzäunen hält Florian Beck nichts: "Die Leute fliegen im 90-Grad-Winkel ab. Du weißt also gar nicht mehr, wo du Sicherheitsnetze anbringen musst", erklärte der deutsche Slalom- und Riesenslalom-Trainer Florian Beck der "Passauer Neuen Presse".

Den Veranstaltern warf Ghedina vor, zu wenig für die Sicherheit der Rennskiläufer getan zu haben. "Nach jedem Unfall wird über Verbesserungen gesprochen, die dann aber wieder schnell vergessen sind. Es wird wirklich wenig getan, um die Sicherheit der Rennfahrer zu verbessern."

"Es gibt in unserem Sport keine absolute Sicherheit"

Diese Kritik wies der Internationale Ski-Verband (FIS) postwendend zurück. "Wir sind ständig darauf bedacht, uns auf den aktuellen Stand zu bringen und das neuste Material einzusetzen", versicherte FIS-Renndirektor Günter Hujara.

"Es gibt in unserem Sport keine absolute Sicherheit. In jeder Sekunde, in jedem nächsten Rennen kann so ein Unfall wieder passieren", sagte Hujara weiter. In einer Athletenvereinbarung müssen die Aktiven deshalb der FIS unterschreiben, dass sie auf eigenes Risiko fahren.

Wenige Stunden nach dem Unfall auf der Oreiller-Killy-Piste hatten Ärzte am Samstag eine Lähmung Beltramettis vom siebten Brustwirbel abwärts diagnostiziert. Im alpinen Rennsport ist derweil nach dem erneuten folgenschweren Unfall die Sicherheitsdiskussion entbrannt. Experten fordern einen «Runden Tisch», um über die Situation zu beraten.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.