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Erster Wimbledon-Titel: Djokovic, die wahre Nummer eins

Foto: Julian Finney/ Getty Images

Sieg in Wimbledon Triumph des "Djokers"

Turniersieger Novak Djokovic hat in Wimbledon das Tennis seines Lebens gespielt: kühl, nervenstark, ohne Schwächen. Mit dieser Dominanz dürfte der Serbe die jahrelange Vormachtstellung von Rafael Nadal und Roger Federer beenden.

Der beeindruckendste Spieler der Tour war er schon vor diesem Finale in Wimbledon. Die neue Nummer eins auch. Doch erst an diesem Sonntag krönte Novak Djokovic seinen Marsch an die Spitze der Tenniselite: Auf dem berühmtesten Centre Court der Welt, auf dem seit 2003 nur Roger Federer oder Rafael Nadal die Endspiele gewonnen hatten, stürmte der Serbe zu einem 6:4, 6:1, 1:6, 6:3-Sieg gegen Titelverteidiger Nadal und beendete damit endgültig die Aufteilung der Macht im Männer-Tennis zwischen dem Spanier und dem Schweizer Federer.

"Das ist der schönste Tag meines Lebens. Ein Tag, den ich nie, nie, nie vergessen werde", sagte Djokovic, der sich um 16.43 Uhr Ortszeit fragte: "Schlafe ich noch oder ist es wirklich wahr?" Rücklings lag er nach seinem Triumph auf dem Boden, starrte in den blauen Himmel über dem Centre Court.

Doch der Sieg war real, genau wie seine Geschichte in diesem Jahr. Dass er erstmals in seiner Karriere auch den Goldpokal von Wimbledon in die Höhe strecken konnte, hatte der 24-Jährige seiner Souveränität zu verdanken: Djokovic zeigte nicht die geringsten Anzeichen von Nervosität, kein Zaudern und Zögern. Er war der Mann, der Nadal auf dem Centre Court umherscheuchte.

Grashalme essen nach dem Triumph

Schon nach einer Stunde führte Djokovic 6:4 und 6:1, und selbst nach Nadals einziger stärkerer Matchphase, die zum 1:2-Satzanschluss führte, blieb sein Gegner unbeeindruckt. "Er war die beherrschende Kraft des Spiels, er suchte die Entscheidung und zeigte Nadal die Stirn", stellte Tennis-Altmeister John McEnroe fest. Bereits nach zwei Stunden und 23 Minuten machte Djokovic alles klar. Im Rausch des Sieges schlang er sogar ein paar Grashalme herunter und zerkaute sie genüsslich.

Der erste Wimbledon-Titel war der bisherige Höhepunkt einer Karriere, die in den vergangenen sieben Monaten eine bemerkenswerte Entwicklung genommen hatte. Seit Djokovic mit seinem serbischen Davis Cup-Team Ende 2010 den Titel holte, spielt er wie im Rausch. Egal wo. Egal auf welchem Belag. Er gewann gegen die härteste Konkurrenz. Immer wieder. Und wo immer nötig. Gleich zu Saisonbeginn sicherte er sich den Titel bei den Australian Open. Erst beim Pariser Grand Slam-Turnier kassierte er, der einst in der Tennisakademie von Niki Pilic in München ausgebildet worden war, die erste Niederlage überhaupt in diesem Sensationsjahr.

Vom Pausenclown zum Starspieler

Doch auch dieser Ausrutscher, der erste Fehlschlag nach zuvor 41 Siegen, irritierte ihn nicht. In Wimbledon arbeitete er weiter an seinen Zielen: Beim Turnier der Turniere zu gewinnen und Platz eins der Weltrangliste zu erklimmen.

In diesen letzten sechs Monaten hatte sich der "Djoker" gewandelt, hatte zu neuer Härte und Durchsetzungskraft gefunden, ohne den Spaß an seinen Aufgaben auf den großen Bühnen zu verlieren. In den Anfangszeiten seiner Karriere, als er höchstens auf Tuchfühlung zu den Superstars war, brillierte Djokovic noch als Spaßvogel. Bei den US Open imitierte er einst Branchengrößen wie Federer, Nadal oder Scharapowa. Heute ist er einer der schnellsten und kreativsten Spielern, die jemals auf einem Tennisplatz gestanden haben.

Der Triumph im Davis-Cup-Endspiel verlieh dem ehemals mental Angreifbaren auch die Sicherheit, unter extremstem Erwartungs- und Nervendruck regelmäßig Spitzenleistungen abrufen zu können. Er siegte gegen die vielen hungrigen Herausforderer genauso wie gegen die großen Stars. Nadal bezwang er vor seinem Wimbledon-Triumph in vier Masters-Endspielen - allein in diesem Jahr.

Er ist nun der erste Spieler seit Jahren, der die Federer-Nadal-Hegemonie langfristig aufbrechen kann. Federer, der Maestro und einstige Seriensieger von Wimbledon, hat wegen Djokovic bereits erheblich an Einfluss und Bedeutung verloren. Und Nadal ist nicht mehr der selbstverständliche Profiteur der Federer-Malaise. Die Herrlichkeit des Spaniers in Wimbledon, wo er seit der Final-Niederlage gegen Federer 2007 kein Match mehr verloren hatte, ist jedenfalls erst einmal vorbei.

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