Damenfinale in Wimbledon Demontage auf der größten Bühne

Zehnmal hatte Simona Halep es gegen Serena Williams versucht, neunmal verlor sie. In Wimbledon machte die Rumänin das "beste Spiel ihrer Karriere" und ließ Williams' Traum vom Titelrekord platzen.

Aus der Traum vom Titelrekord: Mit einem Sieg in Wimbledon hätte Serena Williams mit Margaret Court gleichziehen können
Toby Melville / AFP

Aus der Traum vom Titelrekord: Mit einem Sieg in Wimbledon hätte Serena Williams mit Margaret Court gleichziehen können

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Szene des Matches: Als Serena Williams den zweiten Satz mit einem Aufschlagspiel ohne Punktverlust begann, ließ sie ihren Emotionen freien Lauf und brüllte, was das Zeug hielt. Den anschließenden Service gewann sie ebenfalls zu null und kurzzeitig schien es, als hätte sie den Schalter umgelegt. Das Match verlor sie trotzdem.

Ergebnis: Simona Halep besiegte Williams 6:2, 6:2. Es war das elfte Duell der beiden Spielerinnen, Halep gewann erst zum zweiten Mal gegen ihre zehn Jahre ältere Kontrahentin. Hier geht es zum Bericht.

Kurzer Prozess: Das Match begann für die favorisierte Williams so miserabel, wie nur irgendwie möglich. Gleich ihre ersten beiden Aufschlagspiele gab sie infolge zahlreicher Unkonzentriertheiten in den Anfangsminuten ab. Halep führte nach elf Minuten bereits 4:0. Für den ersten Satz benötigte die 27-Jährige nicht einmal eine halbe Stunde, nach 26 Minuten war Schluss. Im zweiten Satz fing Williams besser an, kassierte dann aber erneut zwei Breaks. Nach 55 Minuten war das Match vorbei.

Fehlerspiel: Williams zeigte bei eigentlich harmlosen Schlägen eklatante Schwächen. Sie leistete sich den einzigen Doppelfehler des Matches, wenn auch spät im zweiten Satz. Zuvor unterliefen ihr wiederholt einfache Fehler, die für sie eigentlich untypisch sind. Ob mit der Vorhand aus dem Lauf, mit der Rückhand aus dem Stand, oder auch bei Stoppbällen Haleps, die Williams problemlos erreichte - immer wieder landete der Ball im Netz und manchmal gar weit im Aus.

Simona Halep durfte nach dem Finale die größere Trophäe halten als Serena Williams
Tim Ireland / AP

Simona Halep durfte nach dem Finale die größere Trophäe halten als Serena Williams

Auf der anderen Seite spielte Halep nahezu makellos, hinterher sagte sie: "Das war das beste Match, das ich jemals gespielt habe." Bei 92 Ballwechseln beging die Rumänin gerade einmal drei unerzwungene Fehler. Halep spielte sehr defensiv und diszipliniert, oft spielte sie neutrale Bälle in Williams' Hälfte, versuchte nur selten mit einem Angriffsschlag den Punkt zu gewinnen. Sie setzte auf Geduld, zog ihr Spiel durch und überließ das Risiko Williams, deren furiosen Schlägen diesmal die Präzision fehlte.

Einseitige Endspiele: Die Zuschauer in Wimbledon applaudierten brav. Gut möglich, dass sich das Publikum beim ältesten und prestigeträchtigsten Tennisturnier der Welt insgeheim ein spannenderes Finale gewünscht hatte. Doch Halep spielte dafür zu resolut. Zum siebten Mal in Folge endete das Titelmatch der Frauen vorzeitig nach zwei Sätzen.

Auswärtsspiel: Halep ist die erste Rumänin, die in Wimbledon den Einzel-Wettbewerb gewonnen hat. Auch bei den Männern hat es noch keiner geschafft. Ein besonders kurioses Detail: In Rumänien gibt es keine Rasenplätze, auf denen Profis spielen. Ausgerechnet auf dem berühmtesten Rasen des Planeten holte Halep ihren zweiten Grand-Slam-Sieg.

Williams' Finalfluch: Vor dieser Partie hatte Williams 25 Mal in einem Grand-Slam-Finale gestanden. Davon gewann sie 21 Matches, ein sagenhafter Wert. Aus den vergangenen sechs Endspielen gab es vier Niederlagen. Davon fallen drei in die Zeit nach ihrem Comeback von der Schwangerschaftspause 2017. Vor dem Match gegen Halep hatte sie im vergangenen Jahr bei den US Open gegen Naomi Osaka und in Wimbledon gegen Angelique Kerber verloren. Es war eine aus ihrer Sicht wohl verzichtbare Premiere: Drei Grand-Slam-Finals in Folge hatte Williams zuvor noch nie verloren.

Ewiger Rekord? Vor 46 Jahren gewann Margaret Court zum fünften Mal die US Open. Es war der 24. Grand-Slam-Titel der Australierin, der Rekord steht bis heute. Williams hätte mit einem Erfolg gleichziehen können, was jedoch auch gegen Halep nicht klappte. Der 37-Jährigen rennt die Zeit davon, inzwischen ist ihr das Alter anzumerken. Die US-Amerikanerin ist nicht mehr so agil wie früher, schleppt sich phasenweise über den Court. Die letzten drei Anläufe, Courts Rekord einzustellen, schlugen fehl - den nächsten bekommt sie Ende August beim Heimspiel bei den US Open.



insgesamt 9 Beiträge
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noalk 13.07.2019
1. Da stimmt doch was nicht
"... Vor dieser Partie hatte Williams 25 Mal in einem Grand-Slam-Finale gestanden. Davon gewann sie 21 Matches, ..." - - - Hätte sie heute gewonnen, wäre sie mit Court gleichgezogen: 24 Grand-Slam-Siege. Da fehlen doch 2!
Germike 13.07.2019
2. In der Tat
@noalk: In der Tat, 21 + 2 = 23, nicht 25. Das ist merkwürdig, denn zumindest mathematisch schreibt der "Spiegel" normalerweise die Wahrheit.
_thrilled_ 13.07.2019
3. Statistik falsch
Die Zahlen stimmen generell nicht. S. Williams stand vor Wimbledon 2019 bei 31 GS-Finalteilnahmen und 23 Siegen. Ihre Siegquote in Finals ist damit zwar immer noch sehr gut (fast 75%), aber eben nicht so überragend, wie geschildert. Ansonsten Glückwunsch an Halep, die eine überragende Partie gespielt und völlig verdient gewonnen hat.
peterpretscher 13.07.2019
4. Die Frage ist wieviele Grand Slam Turniere gewann Serena?
Zitat von noalk"... Vor dieser Partie hatte Williams 25 Mal in einem Grand-Slam-Finale gestanden. Davon gewann sie 21 Matches, ..." - - - Hätte sie heute gewonnen, wäre sie mit Court gleichgezogen: 24 Grand-Slam-Siege. Da fehlen doch 2!
Laut SPON gewann Sie 21 Grand Slam Turniere aus 25 GST's. Margaret Court gewann 24 Grand Slam Turniere. Demnach führt MC mit 24:21 über SW. Wer hat die richtige Statistik?
spon-facebook-10000012354 13.07.2019
5. Grand-Slam-Finale
Hätte Serena Williams gewonnen, hätte sie den Rekord von Court egalisiert. 1. Australien Margaret Court 24 2. Vereinigte Staaten Serena Williams 23 3. Deutschland Steffi Graf 22 Sie hat von den Grand Slam Finalen 23 gewonnen 9 verloren also insgesamt 32 gespielt. Sie hat also eine Quote von 0,72. Die Aussage "Williams' Finalfluch: Vor dieser Partie hatte Williams 25 Mal in einem Grand-Slam-Finale gestanden. Davon gewann sie 21 Matches, ein sagenhafter Wert. Aus den vergangenen sechs Endspielen gab es vier Niederlagen" bezieht sich offenbar auf andere Quellen oder Turniere. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Sieger_der_Grand-Slam-Turniere_(Dameneinzel) https://en.wikipedia.org/wiki/Serena_Williams_career_statistics
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