Ski nordisch Entsetzen in Finnland

Nach Verkündung des zweiten finnischen Dopingfalls versinkt die skandinavische Ski-Nation in Scham und Trauer.


Janne Immonen: A- und B-Probe positiv
AFP

Janne Immonen: A- und B-Probe positiv

Lahti - Finnlands Skilangläufer drohen in einem Doping-Sumpf zu versinken. Am Tag, als Janne Immonen von seinem nationalen Verband als der zweite überführte finnische Dopingsünder bei der Nordischen WM in Lahti enttarnt wurde, berichtete die größte Zeitung des Landes, "Helsingin Sanomat", von einem spektakulären Fund. Nach Angaben der Polizei wurde am 10. Februar an einer Tankstelle in der Nähe des Flughafens von Helsinki eine mit Dopingsubstanzen gefüllte Tasche eines finnischen Mannschaftsarztes gefunden.

Cheftrainer wusste von nichts


In der Tasche befanden sich verbotene Dopingmittel, blutige Spritzen sowie mehrere Gefäße, die von Teamarzt Juha-Pekka Turpeinen beschriftet worden waren. Wie Anneli Mattsson, Chef-Inspektorin der Polizei von Helsinki dem Blatt erklärte, hätten die Beamten die Tasche am 20. Februar entgegengenommen. Einen Tag später habe der finnische Cheftrainer Kari-Pekka Kyrö die Tasche bei der Polizei abgeholt und beteuert, nichts über den Inhalt zu wissen.

Unter den verbotenen Substanzen befand sich auch der Blutplasma-Expander HES, der beiden finnischen Dopingsündern in Lahti nachgewiesen worden war. Vor Janne Immonen wurde bereits Jari Isometsä überführt. Isometsä musste seine Silbermedaille über 15 Kilometer wieder abgeben. Beide Läufer wurden für zwei Jahre gesperrt.

Rücktritt der Ärzte


Nach der Bekanntgabe eines zweiten Dopingfalls waren am Sonntag die finnischen Teamärzte Pirkka Mäkelä und Juha-Pekka Turpeinen zurückgetreten und die verantwortlichen Langlauf-Trainer Antti Leppävouri und Kari-Pekka Kyrö wegen möglicher Mitwisserschaft entlassen worden. Am Montag folgte die Kündigung von Trainer Jarmo Riski. Die Ärzte hatten nach Bekanntwerden des zweiten Dopingfalls ihren Rücktritt mit der Sorge um den "beruflichen Ruf" zu begründet. Die Läufer hätten sie "hintergegangen" und das Vertrauensverhältnis zerstört, so die Mediziner.

Janne Immonen hatte mit der 4x10-Kilometer-Staffel Gold gewonnen, das den Finnen nun wieder aberkannt wird. Der Startläufer war als einziger aus dem siegreichen Quartett getestet worden. Bei Immonen wurde in einer A-und B-Probe der verbotene Blutplasma-Expander HES nachgewiesen, der den Hämoglobinwert des Blutes drückt. Staffel-Gold geht somit an Norwegen, Silber an Schweden und Bronze an Deutschland, das in der Besetzung Jens Filbrich, Andreas Schlütter (beide Oberhof), Ron Spanuth (Ruhla) und dem 50-Kilometer-Zweiten Rene Sommerfeldt (Oberweißenbrunn) Vierter geworden war.

"Der gute Ruf ist für lange Zeit zerstört"


Wie "Helsingin Sanomat" weiter berichtete, sei der Präsident des finnischen Skiverbandes, Pyaavo M. Petäja, von der Nachricht über den Fund der Tasche schockiert gewesen und hat eine vollständige Untersuchung angekündigt. Finnlands für den Sport zuständiger Kulturminister Suvi Linden hatte am Sonntag erklärt, dass die Regierung die finanzielle Unterstützung für den Spitzensport überdenken werde. Auch Hauptsponsoren der finnischen Mannschaft haben mit Rückzug gedroht. Im Raum stehen umgerechnet rund sieben Millionen Mark, das sind zwei Drittel des Verbandsetats.

In Finnland macht sich unterdessen zunehmend Wut und Trauer breit. So schreibt "Helsingin Sanomat": "Vergleiche mit der DDR als Doping-Großmacht sind nicht mehr grundlos. Der gute Ruf des finnischen Skilanglaufs ist für lange Zeit zerstört." Auch die Vergangenheit sei in Frage gestellt: "Alles wird ab jetzt wohl nur noch mit Misstrauen behaftet sein." Ein anderes Blatt forderte den Rücktritt der gesamten Verbandsspitze.

dpa/sid



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.