Skifliegen "Dem Adam ist das auch peinlich"

Adam Malysz war auch beim Skiflug-Weltcup in Harrachov zweimal eine Klasse für sich. 20.000 Landsleute des Polens ließen im Siegesrausch gutes Benehmen vermissen.


Adam Malysz flog in Harrachov 206,5 Meter
AP

Adam Malysz flog in Harrachov 206,5 Meter

Harrachov - Malysz wurde von 20.000 Landsleuten zweimal zum Triumph über "Buhmann" Martin Schmitt getragen worden. Im tschechischen Harrachov hatte der von den Malysz-Fans gnadenlos ausgepfiffene Schwarzwälder am Samstag als Zweiter stolze 27,5 Punkte Rückstand auf den Vierschanzentournee-Sieger.

Der 23-jährige Pole sicherte sich am Sonntag seinen vierten Saisonsieg in Folge mit Sprüngen von 212 und 194,5 Metern und erhielt dafür 397,8 Punkte. Hinter dem Finnen Janne Ahonen (381,2) erreichte Martin Schmitt (Furtwangen) mit 189 und 198,5 Metern Platz drei und verteidigte damit seine Weltcup-Führung vor Malysz. Skiflug-Weltmeister Sven Hannawald (Hinterzarten), der am Vortag Platz vier belegt hatte, wurde Sechster.

"Das war eine tolle Atmosphäre - aber nur, wenn man nicht Deutscher ist. Aber wir stehen da drüber und lassen uns nicht verunsichern. Dem Adam ist das auch peinlich", meinte Schmitt. Aus der geplanten Revanche für die Niederlage bei der Vierschanzentournee wurde es nichts.

Chaos nach der Siegerehrung


Nach der Siegerehrung brach um den Polen das ultimative Chaos aus: Die teilweise alkoholisierten Malysz-Anhänger stürmten die Absperrungen, um ihrem neuen Helden möglichst nahe zu sein. Der nur 1,69 Meter große Malysz musste vor der fanatischen Menge im Athletengebäude in Sicherheit gebracht werden. Zuvor war ein Versuch des 23-Jährigen gescheitert, seine Anhänger per Mikrofon zu mehr Fairness aufzufordern. Die mit Dutzenden Reisebussen und Tausenden Autos angereisten Massen hatte das Stromsystem an der Schanze zum Zusammenbruch gebracht. "Ich bin noch nie vor solch einem unfairen Publikum gesprungen. Die sollen zwei Bier weniger trinken, dann sind sie auch sportlicher", meinte Sven Hannawald.

Malysz blieb davon unbeeindruckt und strahlte mit seinem Trainer Apoloniusz Tajner um die Wette: "Der Adam hebt nicht ab, auch wenn er gefeiert wird. Er war erst halb oben und dann ganz unten - jetzt ist er seelisch stabil genug, all den Jubel zu verkraften."



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