Skifliegen "Heute wird volle Suppe gefeiert"

Sven Hannawald hat am Sonntag das Weltcup-Finale im Skifliegen im slowenischen Planica gewonnen und damit den Skiflug-Weltcup erobert. Ein krönender Saison-Abschluß für die deutschen Skispringer.


Sven Hannawald
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Sven Hannawald

Planica - Sven Hannawald hat sich zum Abschluss der erfolgreichsten deutschen Weltcup-Saison aller Zeiten mit einem Doppeltriumph zum König der Flieger gekrönt. Der 25 Jahre alte Skiflug-Weltmeister holte sich mit einem Sieg im abschließenden Einzel-Fliegen in Planica auch den Triumph im Skiflug-Weltcup.

Sein nach dem Weltrekord von elf Saisonsiegen diesmal neuntplatzierter Zimmerkollege Martin Schmitt wurde für den Gewinn des Gesamt- und des Skisprung-Weltcups mit zwei Kristallkugeln und damit verbundenen Prämien von 150.000 Mark geehrt. Gemeinsam darf das am Samstag im ersten Team-Skifliegen der Geschichte erfolgreiche Duo, das mit 15 Siegen einen "Nationen-Weltrekord" aufstellte, damit im April zur Papst-Audienz. "Einen besseren Abschluss hätte ich mir nicht wünschen können. Ich bin stolz auf mich. Heute wird volle Suppe gefeiert. Da wird alles, was sich angestaut hat, abgefetet", erklärte der in diesem Winter auch im vierten Fliegen ungeschlagene Hannawald, dem die beiden Siege am Wochenende 100.000 Mark für den "Bau meines Traumhauses" einbrachten.

Nachdem sein mit Flügen auf 203,5 und 212,5 Meter sowie 410,3 Punkten erkämpfter sechster Weltcupsieg perfekt war, riss sich der Hinterzartener seine im nächsten Winter verbotenen "Wunderski" mit der größeren Tragfläche von den Füßen, küsste seine Bretter immer wieder und ließ sich von 40.000 Fans feiern. Platz zwei belegte der Finne Janne Ahonen (402,3/198+211) vor dem nach dem ersten Durchgang führenden Österreicher Andreas Goldberger (401,3/208+200).

Der 27 Jahre alte "Goldi" hatte im Teamwettbewerb am Samstag mit einem Traumflug auf 225 Meter den nur 48 Stunden alten Weltrekord seines Landsmanns Thomas Hörl um einen halben Meter verbessert. "Ich hab' im Flug immer nur gedacht, jetzt fliegst du über die blöde 225-Meter-Linie drüber. Es ist das Grösste, wenn man den Skiflug-Weltrekord hält, weil es die absolute Königsdisziplin ist. Das ist, als ob man alle Runden-Bestzeiten in der Formel-1-WM hält", meinte der vom deutschen Motivationstrainer Jürgen Höller betreute Goldberger. Insgesamt gab es auf der weltgrößten Schanze 20 Flüge über die magische 200-m-Schallmauer zu bejubeln.

Martin Schmitt, der große Dominator des Winters stand in Planica weitestgehend im Schatten seines Freundes Hannawald, dem er zum Abschluss mit einer Wasserflasche duschte. Schmitt: "Obwohl es nicht so aussieht, habe ich mich riesig über die Kugeln gefreut. Als Mannschaft haben wir eine tolle Saison hingelegt. Im nächsten Jahr gewinnen wir auch noch die Nationenwertung." Der Grantler sparte an beiden Tagen wieder einmal nicht mit Kritik am Internationalen Skiverband (FIS): "Der Wind war teilweise im Grenzbereich. Das hat die FIS mit den zu späten Anfangszeiten bewusst in Kauf genommen."

Lediglich der Weltrekord, den Hannawald "wahnsinnig gern geholt" hätte, ging neben dem Vierschanzentournee-Sieg (Andreas Widhölzl/Österreich) und der Weltcup-Nationen-Wertung (Finnland) an die Konkurrenz. Ansonsten dominierten die deutschen Springer.

Bundestrainer Reinhard Heß war mit der erfolgreichsten Weltcup-Saison aller Zeiten ebenfalls hoch zufrieden: "Trotz des riesigen Erfolgsdrucks waren wir so stark wie noch nie, Hannis Sieg war die abschließende Krönung. Neben Sven und Martin haben in Uhrmann und Löffler auch junge Leute die Landung in der Weltspitze geschafft. Wir sind gewappnet für die Zukunft."

Das zeigte auch der deutsche Triumph beim vom schweren Sturz des mit einer Nackenprellung und Schürfwunden glimpflich davongekommenen Japaners Takanobu Okabe überschatteten Team-Fliegens. Weil abgebochen werden musste, zählte das Ergebnis nach dem ersten Sprung - Deutschland siegte mit 772,8 Punkten vor Finnland (745,6) und Japan (691,6).



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