Skispringen "Es gibt zwei Favoriten"

Auf der Großschanze von Park City sind die beiden überragenden Skispringer dieses Winters wieder eine Klasse für sich. In der Qualifikation lag der Pole Adam Malysz knapp vorn. Doch Sven Hannawald ist optimistisch, im Kampf um den Olympiasieg noch zulegen zu können.


Park City - Adam Malysz lachte im Zielraum des Utah Olympic Parks mit der Sonne um die Wette und plauderte aufgeräumt mit den polnischen Journalisten. Am Tag zuvor hatte sich der 23-jährige Pole mit seinem Landsmann Wocijech Fortuna getroffen, der 1972 im japanischen Sapporo überraschend Olympiasieger von der Großschanze geworden war. Fortuna habe ihm gesagt, so Malysz: "Adam, du musst drei Meter über die rote Linie springen. Dann ist alles super."

Die rot eingefärbte Jury-Weite verfehlte Malysz am Dienstag zwar noch um viereinhalb Meter. Seine 123,5 Meter reichten aber zum ersten Platz in der Qualifikation von der 120-Meter-Schanze. "Ich bin sehr gut drauf und will jetzt Gold oder Silber", gab der Bronzemedaillengewinner von der Normalschanze präzise und selbstbewusst Auskunft über seine aktuelle Verfassung.

"Pille-Palle-Sturz" lässt Hannawald kalt


Sven Hannawald stand dem Weltcup-Spitzenreiter in nichts nach. Im Probedurchgang flog der Vierschanzentournee-Gewinner mit 123,5 Meter anderthalb Meter weiter als Malysz. Dass er im Ziel zum ersten Mal in dieser Saison zu Fall kam, nahm der Silbermedaillengewinner von der 90-Meter-Schanze auf die leichte Schulter: "Das war doch ein Pille-Palle-Sturz. Ich bin nur weggerutscht." Unbeeindruckt ließ er in der Qualifikation einen Flug auf 122 Meter und Platz zwei hinter Malysz folgen und sieht noch Steigerungspotenzial.

"Es hat noch nicht hundertprozentig gepasst", urteilte Hannawald über seine beiden überhaupt ersten Sprünge von der großen Olympia-Schanze. Als Malysz vor einem Jahr bei der Eröffnung der auf rund 2200 Meter höchstgelegenen Anlage der Welt im Utah Olympic Park das Weltcupspringen gewann, hatte Hannawald pausiert. Auch das olympische Training an diesem Montag ließ der 27-Jährige aus, um vorm ersten Wettkampf abzuschalten und im Fitnessraum Kraft aufzubauen.

Regeneration und Aberglaube


Der letzte deutsche Skisprung-Olympiasieger Jens Weißflog, der 1994 in Lillehammer von der Großschanze zum Gold hinabsegelte, hat in Hannawalds Vorbereitung "ein gewisses Maß an Selbstvertrauen" ausgemacht. Hannawalds Angewohnheit, entweder das Training oder die Qualifikation zu schwänzen, sei "mittlerweile Svens ganz normaler Ablauf. Auf der einen Seite geht es um Regeneration, zum anderen ist wahrscheinlich auch Aberglaube dabei". Was für den historischen Sieg bei der Vierschanzentournee gut genug war, soll auch bei Olympia funktionieren. "Am Mittwoch wird alles hundertprozentig passen", sagte Hannawald und gab im Zielraum seelenruhig Autogramme.

Weit weniger Optimismus drückte Martin Schmitt aus, der mit nur 113 Metern noch einen halben Meter hinter Olympia-Debütant Stephan Hocke blieb. "Ich bin nicht gut weggekommen", sagte der frühere Siegspringer mit gequältem Lächeln. Er leidet unter Kniebeschwerden und springt der Konkurrenz weiter hinterher. "Martin ist physisch nicht in der Form der letzten Jahre. Ein Sprung lebt vom Absprung. Und wenn der nicht kommt, leidet auch die nachfolgende Technik", erklärt Weißflog das Dilemma Schmitts, dessen Medaillenchancen auf ein Minimum geschrumpft sind.

Während Hannawald neben Malysz noch 90-Meter-Olympiasieger Simon Amman (Schweiz) sowie "zwei Überraschungen" als Gold-Kandidaten auf dem Zettel hat, reduziert Malysz das Springen von der Großschanze auf ein Duell: "Es gibt zwei Favoriten. Hanni und mich."



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