Snowboard Blamage für die Deutschen

Die deutschen Snowboarder haben ihre Talfahrt bei den Olympischen Spielen auch im Parallel-Riesenslalom nicht stoppen können. Bei der Entscheidung um die Medaillen spielten sie keine Rolle.


Park City - Die deutschen Snowboarder haben bei den Olympischen Spielen 2002 enttäuscht. Nach dem Debakel in der Halfpipe, wo Nicola Thost aus Pforzheim mit Rang elf am Ende die beste deutsche Platzierung erreichte, erlebten die vier deutschen Starter bei der Olympia-Premiere des Parallel-Riesenslaloms ein Debakel: Keiner kam über die erste Runde des Finales hinaus.

Olympiasieger wurden überraschend die Französin Isabelle Blanc sowie der Schweizer Phillip Schoch. Die viermalige Weltmeisterin Blanc, 1999 in Berchtesgaden Titelträgerin im Parallel-Riesenslalom, setzte sich im rein französischen "großen Finale" unerwartet klar gegen Karine Ruby durch. Die Top-Favoritin hatte 1998 Olympia-Gold im Riesenslalom gewonnen ist die dominierende Läuferin im Weltcup. Bronze holte Lidia Trettel aus Italien.

Sensation durch Schoch


Bei den Männern war der Sieg des Schweizers Schoch, der die dritte Goldmedaille für die Eidgenossen nach den zwei Erfolgen von Skispinger Simon Ammann holte, eine Sensation: Der 22-Jährige aus Winterthur hatte als bislang größten Erfolg einen siebten Rang im Weltcup vorzuweisen. Silber ging an den überraschend starken Schweden Richard Richardsson. Das "kleine Finale" und damit die Bronzemedaille gewann der US-Amerikaner Chris Klug.

Vier Jahre nach Gold durch Thost und Silber im Riesenslalom durch Heidi Renoth (Rosenheim) kamen die deutschen Brett-Artisten diesmal nicht einmal in die Nähe von Medaillen: Katharina Himmler (München) und Mathias Behounek (Rosenheim) scheiterten am Finaltag bereits in der ersten Runde. Die als Medaillen-Kandidatin gehandelte Renoth (21.) und Ex-Weltmeister Markus Ebner (Ingolstadt/18.) waren bereits in der Qualifikation für das 16-er-Finale gescheitert.

Himmler, am Ende auf Rang elf platziert, verlor bei strahlend blauem Himmel in Park City das K.o.-Duell gegen die schwächer eingeschätzte Italienerin Isabella Del Balcon - vor allem durch einen Sturz im ersten Lauf. "Logisch, dass ich gerne weiter gekommen wäre, trotzdem war Olympia nett", erklärte die Münchnerin. Behounek, der das Finale als 16. und damit Letzter beendete, stürzte ebenfalls und musste dem späteren Silber-Gewinner Richardsson den Vortritt lassen. "Ich bin enttäuscht, aber deswegen noch lange kein schlechter Mensch", sagte er.

Falsches Bild in der Öffentlichkeit


Disziplin-Cheftrainer Trainer Uwe Beier redete das schwache Abschneiden seiner Athleten derweil schön: "Im K.o.-Finale kann man ausscheiden, die zwei haben sich gut verkauft. Die Enttäuschung war eher der gestrige Tag als Renoth und Ebner raus sind." Beier kann auch die harsche Kritik von DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller nicht akzeptieren: "Da herrscht in der Öffentlichkeit ein falsches Bild. Da kommen Aussagen, die größtenteils nicht korrekt sind."

Vor 18.000 Zuschauern blamierten sich nicht nur die Deutschen. Auch zahlreiche Favoriten mussten sich frühzeitig verabschieden. So scheiterte in der ersten Runde unter anderem Alexander Maier, Bruder des verletzten österreichischen Ski-Olympiasiegers Hermann Maier - Mutter Gerdi war umsonst angereist, die Tipps, die der "Herminator" dem jüngeren "Maier zwo" vom Urlaubsort auf den Bahamas am Vortag noch gegeben hatte, waren umsonst.



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