Solheim Cup 2015 Freundliche Übernahme mit Geschmäckle

Vom Helfer zum Ausrichter des Solheim Cups: Eigentlich sollte St. Leon-Rot den Kollegen nahe Hamburg bei der Sponsorensuche helfen. Nun aber richtet der Golfclub von Milliardär Dietmar Hopp das Turnier in drei Jahren selbst aus. Das Geld des Mäzens macht es möglich.
Von Denis Krick

Hamburg - "Hauptsache der Solheim Cup kommt 2015 zu uns." Dieser Satz fällt derzeit ständig, wenn nach dem Turnier in drei Jahren gefragt wird. Bei manch einem Verantwortlichen klingt dabei allerdings Enttäuschung durch. Die Entscheidung der Ladies European Tour (LET), das wichtigste Frauen-Golfturnier der Welt an den Golfclub St. Leon-Rot bei Heidelberg zu vergeben, ist nicht für alle Grund zur Freude.

Insbesondere der Golfclub Gut Kaden nahe Hamburg und die Deutsche Golf Sport GmbH (DGS), die als Vermarktungstochter zum Deutschen Golf Verband (DGV) gehört, stehen wie Verlierer da. Knapp zwei Jahre kämpften sie darum, den Kontinentalvergleich der besten Golfspielerinnen aus Europa und den USA, das Pendant zum Ryder Cup, nach Norddeutschland zu holen. Man rechnete mit mehr als 100.000 Besuchern aus aller Welt an drei Turniertagen.

Im Mai dieses Jahres bekamen Gut Kaden und DGS den Zuschlag. Standort und Konzept hatten die LET-Funktionäre überzeugt, die Bewerbung setzte sich durch - unter anderem gegen Konkurrenz aus Spanien und Großbritannien. Das einzige Problem: den Deutschen fehlte zu diesem Zeitpunkt das Geld.

Bis zum 15. September hatte die LET Gut Kaden und der DGS Zeit gegeben, die finanziellen Mittel aufzubringen, um die Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Nötig war ein Euro-Betrag im mittleren einstelligen Millionenbereich. Mehr als einhundert potentielle Sponsoren wurden angefragt. Es gab zwar mündlichen Zusagen, doch diese wurden kurz vor der Deadline überraschend zurückgezogen.

Retter in der Not - St. Leon-Rot

Unter anderem wurden im Sommer 2012 DGS und Gut Kaden auch beim Golfclub St. Leon-Rot vorstellig. Präsident und Erbauer der Anlage ist Milliardär Dietmar Hopp, der auch den Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim großzügig unterstützt. Man bat darum, mit Hilfe der Kontakte des SAP-Gründers Sponsoren zu finden. "Wir haben das damals geprüft und unsere Partner in der Wirtschaft gefragt", sagt Eicko Schulz-Hanßen, Geschäftsführer von St. Leon-Rot: "Leider ohne Erfolg." Unter anderen hätte man von Seiten des Golfclubs das Softwareunternehmen SAP und den Versicherungskonzern Allianz kontaktiert.

Als Mitte September klar war, dass es kein Geld für den Solheim Cup auf Gut Kaden geben würde, bot sich jedoch St. Leon-Rot spontan als Retter in der Not an. "Nach der gescheiterten deutschen Ryder-Cup-Bewerbung für 2018 wollten wir nicht noch einmal so eine Schlappe erleben", sagt Schulz-Hanßen, der auch das Amt des DGV-Vizepräsidenten ausübt - und in dieser Funktion über das bevorstehende Aus der Deutschen informiert war. Man präsentierte St. Leon-Rot als alternativen Austragungsort, die DGS funktionierte als Vermittler, die LET nickte wohlwollend ab.

Hopp trägt zunächst das finanzielle Restrisiko

Innerhalb von wenigen Wochen fanden die Verantwortlichen von St. Leon-Rot potente Sponsoren: SAP und Allianz. "Die zugesagten Mittel reichen allerdings nicht aus", sagt Schulz-Hanßen: "Herr Hopp muss zunächst das finanzielle Restrisiko übernehmen." Derweil bemühe man sich um weitere Geldgeber.

Doch wie kam es zum Sinneswandel bei Allianz und SAP? Noch im Sommer hatten diese, als es um den Standort Gut Kaden ging, kein Interesse an einem Engagement beim Solheim Cup gezeigt. "Wir hatten mit St. Leon-Rot einfach ein anderes Vermarktungs-Konzept", sagt Schulz-Hanßen: "Das hat überzeugt."

Das erfolgreiche Konzept soll angeblich erst ab dem 15. September im Golfclub entwickelt worden sein. Allerdings habe man schon vorher eine Social-Media-Kampagne für eine Jugendturnierserie mit der Allianz entwickelt. Diese sei nur noch für SAP angepasst worden.

Der Golfclub St. Leon-Rot ist damit alleiniger Veranstalter des Solheim Cups. Die DGS - und damit auch der DGV - haben derzeit nichts mehr mit der Mammutveranstaltung zu tun. "Wir stellen die Anlage, haben die Partner besorgt und tragen das finanzielle Risiko", rechtfertigt Schulz-Hanßen diesen Umstand. Dass das fast so ist, als würde der FC Bayern München die Fußball-WM in Deutschland ausrichten, obwohl der DFB den Wettbewerb ins Land geholt hat. Ein Vergleich, den Schulz-Hanßen nicht gelten lässt: "Wir können auf den DGV überhaupt nicht verzichten. Der Verband wird auf jeden Fall Teil der Veranstaltung."

Für die DGS haben sich die Mühen der vergangenen zwei Jahre nicht besonders gelohnt. Die Vermarktungsgesellschaft darf sich wieder auf ein Bewerbungsverfahren einstellen. "Es wird eine Ausschreibung für solche Bereiche wie den Kartenverkauf geben", sagt Schulz-Hansen. Turnierveranstalter wie European Tour und Langer Sport Marketing wären dafür natürlich auch interessante Partner. "Da müssen wir rein betriebswirtschaftlich denken."

Auf Gut Kaden guckt man jetzt in die Röhre, nimmt die Niederlage aber sportlich: "Wir haben es einfach nicht hingekriegt", sagt Geschäftsführer Wolfgang Mych: "Das Wichtigste ist doch, dass der Solheim Cup 2015 in Deutschland stattfindet."

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