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Olympia 2016: Jubel in Rio, Pleite für Obama

Foto: DENIS BALIBOUSE/ REUTERS

Sommerspiele 2016 Rio wird Olympia-Gastgeber - Obama blamiert

Erfolg für Südamerika, Schlappe für die USA: Rio de Janeiro richtet die Olympischen Sommerspiele 2016 aus. Die brasilianische Metropole setzte sich im Schluss-Wahlgang gegen Madrid durch. Chicago schied schon im ersten Durchgang aus - trotz prominenter Unterstützung durch Präsident Obama.

Kopenhagen - Die brasilianische Metropole konnte den dritten und letzten Wahlgang gegen Spaniens Hauptstadt Madrid für sich entscheiden. Das gab IOC-Präsident Jaques Rogge am Freitagabend um genau 18.49 Uhr in Kopenhagen bekannt. Auf Rio entfielen 66, auf Madrid 32 Stimmen. Die Spiele finden vom 5. bis 21. August 2016 statt - zum ersten Mal in Südamerika.

"Heute ist ein heiliger Tag für mich. Rio hat gewonnen, weil es Herz und Seele hat und die Einwohner liebenswürdig und großzügig sind", sagte Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva glücklich in einer ersten Reaktion. Währenddessen tanzte die brasilianische Delegation durch das Foyer des Kongresszentrums und schwenkte zwei brasilianische Flaggen. Spaniens Königin Sofía zeigte sich als faire Verliererin: "Wir sind enttäuscht. Aber wir gratulieren Rio de Janeiro."

Präsident Lula hatte am Mittag mit einem flammenden Appell für die Küstenstadt geworben: Es sei Brasiliens Zeit, appellierte er an die Mitglieder des IOC. "Unter den zehn stärksten Wirtschaftsmächten der Welt ist Brasilien das einzige Land, das noch nie Olympia-Gastgeber war", sagte Lula. "Für die anderen wäre es nur ein weiteres Olympia, in Rio wären es Spiele für ganz Brasilien und Südamerika. Rio ist bereit. Gebt uns die Chance, und ihr werdet es nicht bereuen."

"Lebt eure Leidenschaft", lautet die Vision der sechs Millionen Einwohner zählenden Metropole, die für Karneval, den Zuckerhut, die Christus-Statue, den berühmten Sandstrand im Stadtteil Copacabana und die große Armut in den über 1000 Slums sowie eine hohe Kriminalität bekannt ist.

Rios Erfolg im sechsten Anlauf

"Es ist Zeit, Olympia demokratisch zu machen. Schwellenländer wie Brasilien haben das Recht, die Spiele auszurichten", sagt Staatspräsident Lula. Er führte Rios Delegation bei der abschließenden Präsentation der Bewerbung an. Schon fünf Mal war Rio zuvor mit einer Olympia-Bewerbung gescheitert, im sechsten Anlauf nach 1936, 1940, 1960, 2004 und 2012 ist die Metropole am Ziel.

Zwei Jahre nach der Fußball-WM in Brasilien birgt Olympia an gleicher Stelle allerdings auch ein Risiko, wie Rogge einräumt: "Das könnte die Sponsorensuche erschweren." Getragen wurde die Bewerbung von einer großen Unterstützung der Bevölkerung. Sie liegt laut IOC-Umfrage vom Frühjahr bei 85 Prozent. 33 Sportstätten sind in drei Zonen geplant, 18 davon bereits vorhanden. Das berühmte Maracana-Stadion wird Schauplatz von Eröffnungs- und Schlussfeier, die Leichtathletik-Wettbewerbe finden im Joao-Havelange-Stadion statt.

Vom Olympischen Dorf sollen es nur zehn Minuten Autofahrt bis zum Olympiastrand sein, der für die Spiele den Athleten alleine gehört. Beachvolleyball findet am Sandstrand in Copacabana statt. Die Kosten für Olympia sind aber immens. Veranschlagt ist ein Gesamtbudget von fast 14 Milliarden US-Dollar, vor allem der Ausbau der Infrastruktur wird riesige Summen verschlingen: 11,1 Milliarden Dollar.

Spaniens König warb vergebens für Madrid, Pleite für Chicago

Spaniens König Juan Carlos, bei Olympia 1972 als Segler in Kiel dabei, versicherte dem IOC vergebens, das Olympia-Projekt werde vom ganzen Land unterstützt: "Eine Stimme für Madrid wird die olympischen Werte weltweit noch stärker verankern. Ich bin sicher, die Welt wäre nach Madrid 2016 ein besserer Ort."

Völlig überraschend war das als Favorit gehandelte und von US-Präsident Barack Obama unterstützte Chicago schon im ersten Durchgang ausgeschieden. Lediglich 18 der 94 IOC-Mitglieder stimmten für Chicago. Obama war danach einfach nur "enttäuscht". An Bord des Präsdentenflugzeugs Air Force One, mit dem Obama und seine Frau Michelle aus Kopenhagen zurück nach Washington flogen, erklärte sein Sprecher Robert Gibbs: "Der Präsident ist enttäuscht, wie sie sich vorstellen können."

"Ich bin total geschockt. Ich wette, eine Anzahl der IOC-Mitglieder ist genauso geschockt. Ich glaube, sie dachten, sie hätten noch eine weitere Gelegenheit, für Chicago zu stimmen. Das ist ein Dämpfer für den Geist von Chicago, und es tut weh", sagte US-Kongressabgeordnete Jan Schakowsky.

Tokio scheiterte in der zweiten Runde

Dabei hatte der mächtigste Mann der Welt zusammen mit seiner First Lady Michelle am Morgen persönlich vor der 121. IOC-Session für seine Heimatstadt geworben. Doch die pathetische Rede führte nicht zum Erfolg: "Ich bitte Sie dringend, Chicago zu wählen. Ich bitte Sie dringend, Amerika zu wählen", hatte Obama gesagt und gleichzeitig Optimismus verbreitet. "Wir können es schaffen. Wenn wir es versuchen. Das ist nicht nur ein amerikanischer Traum, das ist der olympische Geist." Auf diesen werden die Amerikaner jetzt noch länger warten müssen.

Ebenso wie die Japaner, die im zweiten Wahlgang mit der Bewerbung für ihre Hauptstadt Tokio scheiterten. Der Außenseiter hatte den Schwerpunkt seiner Präsentation auf Umweltschutzaspekte gelegt. "Die neue olympische Bewegung ist eine Verbindung zwischen Mensch und Natur, und Tokio wird diesen Weg anführen", hatte Japans Premier Yukio Hatoyama gesagt. Japans Hauptstadt tauge als Zukunftsmodell "für öffentliche Sicherheit und Umweltschutz der Zukunft" und werde der Welt zeigen, wie eine solches Großereignis veranstaltet werden könne, "ohne die Umwelt zu zerstören".

mig/wit/sid/dpa
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