Speerwerfer Boris Henry "Doping-Verdächtigungen sind Schwachsinn"

Seit der britische Europameister Dwain Chambers bei einer Trainingskontrolle den Dopingkontrolleuren ins Netz gegangen war, ist der Olympia-Stützpunkt Saarbrücken in Verruf geraten. Der Speerwerfer Boris Henry, WM-Dritter und regelmäßiger Trainingsgast im Saarland, wehrt sich gegen den Pauschalvorwurf.


Leichtathlet Boris Henry: "Dass Betrüger gefunden werden, kann ich nur begrüßen"
DPA

Leichtathlet Boris Henry: "Dass Betrüger gefunden werden, kann ich nur begrüßen"

Saarbrücken - Der deutsche Speerwerfer Boris Henry hat indirekte Dopingverdächtigungen strikt zurückgewiesen und die "Kampagne" gegen den Olympia-Stützpunkt Saarbrücken als "Schwachsinn und Unverschämtheit" bezeichnet. Er habe niemals verbotene Substanzen zu sich genommen. Auch seine Freundin Kelli White, die zweimalige Sprintweltmeisterin aus den USA, habe mit dem neuen Designer-Steroid Tetrahydrogestrinone (THG) nichts zu tun. Dies versicherte Henry am Sonntagabend in der TV-Sendung "Sport-Arena" des Saarländischen Rundfunks.

White habe noch während der Weltmeisterschaften in Paris zugegeben, das Stimulanzium "Provigil" mit dem Wirkstoff Modafinil eingenommen zu haben, so Henry. Dieses Mittel stand zum Zeitpunkt der WM "nicht auf der internationalen Dopingliste", betonte der deutsche Meister von der SV Saar 05 Saarbrücken. Henry: "THG und Modafinil zu vergleichen, ist wie ein Vergleich von Bananen und Äpfeln."

Mit bisher fast 20 Dopingkontrollen im WM-Jahr gehört der 29-Jährige zu den am meisten getesteten Leichtathleten weltweit. Auch White sei bereist zehn Mal kontrolliert worden, so oft wie kein anderer US-Leichtathlet.

Völliges Unverständnis


White und Henry haben in der WM-Vorbereitung auch in Saarbrücken trainiert. Am dortigen Olympia-Stützpunkt waren auch der britische Sprint-Europameister Dwain Chambers und die dreimalige Staffelweltmeisterin Chryste Gaines (USA) oft zu Gast. Bei einer Trainingskontrolle am 1. August in Saarbrücken war Chambers positiv auf THG getestet worden; bei Gaines wurde bei den US-Trials im Juni in Stanford Modafinil nachgewiesen.

"Dass in Saarbrücken Dopingsünder ertappt wurden, zeigt doch gerade, dass das Kontrollsystem funktioniert. Dass jetzt gesucht wird und Betrüger gefunden werden, das kann ich nur begrüßen", so Henry, der sein völliges Unverständnis über die "Kampagne gegen den Olympia-Stützpunkt in Teilen der Print-Presse" äußerte.

Erneute Untersuchung alter Proben

Auch von einer "Trainingsgruppe" Henry, White, Chambers und Gaines könne keine Rede sein. "Der Olympia-Stützpunkt hat immer wieder ausländische Athleten aufgenommen, nicht nur Leichtathleten", erklärte der fünfmalige deutsche Meister.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hat unlängst alle internationale Sportverbände und nationalen Anti-Doping-Agenturen aufgefordert, bereits eingelagerte Urinproben erneut auf das neue anabole Steroid THG zu testen. Seit der WM in Paris sind vier Leichtathleten positiv auf THG und sechs weitere auf Modafinil getestet worden.



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