Spiel 2 "Was ist dein Problem?"

Die New York Yankees bestimmen weiter die Fahrtrichtung der "Subway Series". Auch im zweiten Spiel der Finalserie gegen die New York Mets siegten die gastgebenden "Bronx Bombers", Endstand 6:5. Dabei standen vor allem zwei Akteure im Mittelpunkt.

Von Tobias Pox


Roger Clemens: Herr im eigenen Haus
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Roger Clemens: Herr im eigenen Haus

New York - Es war weniger Roger Clemens' beeindruckende Pitcher-Darbietung - acht Innings lang ließ der 38-jährige Routinier der Yankees keinen einzigen Run des Gegners zu -, die nach dem zweiten Spiel der diesjährigen World Series zwischen den New York Yankees und den New York Mets zur Diskussion stand, als vielmehr sein tête-a-tête mit Mets-Star Mike Piazza.

Beim letzten Aufeinandertreffen der beiden New Yorker Vereine in der regulären Saison am 9. Juli hatte Clemens mit einem wuchtigen Fastball Piazza direkt am Kopf getroffen und ausgeknockt. Seitdem herrschte eine Art kalter Krieg zwischen den beiden Lokalrivalen. Am Sonntag, bei der ersten direkten Konfrontation zwischen den beiden betroffenen Akteuren seit dem "Beaning" - so der Fachausdruck für den K.o.-Wurf eines Schlagmannes durch den Pitcher-, kam es gleich zum nächsten Zwischenfall.

Bei einem Foul-Hit von Piazza im ersten Inning brach der Schläger des Batters entzwei, der abgebrochene Teil des Schlagholzes segelte in die Richtung des auf dem Wurfhügel stehenden Clemens. Dieser hob das Schlägerstück auf und pfefferte es Piazza in dessen Laufweg. Anschließend drohte die Situation zu eskalieren: Piazza ging mit dem Schlägergiff in der Hand auf Clemens los, woraufhin die Auswechselspieler beider Vereine von ihrer Bank aufsprangen und auf das Feld stürmten. Bis auf einige Schubsereien kam es glücklicherweise jedoch nicht zu ausufernden Handgreiflichkeiten.

"Nachdem Clemens mit dem Schläger geworfen hatte, bin ich zu ihm hingegangen und habe ihn gefragt, was sein Problem sei", berichtete Piazza nach dem Spiel, "er konnte mir aber keine Antwort geben." Im Gegensatz zu Oberschiedsrichter Ed Montague. "Es war eine emotionale Reaktion. Ich glaube nicht, dass Clemens mit dem Schläger gezielt auf Piazza werfen wollte", erklärte der Umpire.

Die Situation, die beinahe zur Eskalation führte: Piazzas abgebrochener Schläger fliegt auf Clemens zu, der ihn daraufhin zurückpfeffert
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Die Situation, die beinahe zur Eskalation führte: Piazzas abgebrochener Schläger fliegt auf Clemens zu, der ihn daraufhin zurückpfeffert

Die Geschichte der übrigen acht Durchgänge ist schnell erzählt. Unbeeindruckt von den vorausgegangenen Ereignissen machte Clemens seinem Spitznamen "The Rocket" alle Ehre und warf den Schlagmännern der Mets Bälle um die Ohren, die teilweise eine Geschwindigkeit von 150 Kilometern in der Stunde erreichten. Von 112 Würfen der "Rakete" konnten die Mets nur zwei Bälle regelgerecht in das Feld befördern, aber auch aus diesen kein Kapital schlagen. Die Yankees sammelten indes bedächtig ihre Runs und gingen mit einer beruhigenden 6:0-Führung in das letzte Inning.

Zwar konnten die "Amazin' Mets", die an diesem Tag allerdings alles andere als erstaunlich spielten, den Schluss-Pitchern der Yankees, Mariano Rivera und Jeff Nelson, noch zwei Homeruns durch Mike Piazza und Jay Payton abtrotzen und auf 5:6 verkürzen. Zu mehr reichte es aber nicht.

Die New York Yankees haben nunmehr ihr 14. Finalspiel in Folge gewonnen und sind kurz davor, ein weiteres Kapitel ihrer mythenhaften Clubhistorie aufzuschlagen - zum insgesamt 26. World-Series-Titel fehlen nur noch zwei Siege. Das nächste Spiel findet am Dienstag im Ballpark der Mets statt, dem Shea-Stadium. Und auch dort dürfen sich die Yankees große Hoffnungen auf einen Erfolg machen, denn mit dem Kubaner Orlando Hernandez, der ehrenvoll auch "El Duque", der Herzog, genannt wird, ist der derzeit wohl beste Pitcher der Liga als Startwerfer der "Bombers" aus der Bronx vorgesehen.



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