Sportausschuss Doping zum Après-Ski

Der Anti-Doping-Bericht 2008 liegt jetzt erst dem Bundestag vor - obwohl die Ergebnisse dem Innenministerium schon viel früher bekannt waren. Innenminister de Maizière wollte vor Olympia aber keine Unruhe schüren. Denn auch Wintersportverbände sind von Verstößen betroffen.
Verstöße im Anti-Doping-Kampf: 19 Verbände werden abgestraft

Verstöße im Anti-Doping-Kampf: 19 Verbände werden abgestraft

Foto: AFP

Die Olympischen Winterspiele sind vorbei - jetzt ist wieder Zeit für das Thema Doping. 19 der 60 Verbände im Deutschen Olympischen Sportbund haben 2008 gegen damals gültige Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen und müssen Anteile ihrer staatlichen Sportförderung zurückzahlen - darunter auch in Vancouver erfolgreiche Sportverbände wie der Bob- und Schlittenverband oder die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Das geht aus dem Anti-Doping-Bericht der Bunderegierung hervor, der dem Sportausschuss des Bundestags präsentiert wurde.

Der Bericht lag dem zuständigen Bundesinnenministerium zwar schon länger vor, aber Innenminister Thomas de Maizière hatte entschieden, ihn zunächst auf Eis zu legen. Zur Kenntnis gebracht wurde er erst jetzt nach Vancouver, um "jeden Vorwurf einer Beeinflussung der Spiele zu vermeiden", wie er es in der "Süddeutschen Zeitung" ausdrückte. Ein Verhalten, das vor allem die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag aufregte. Das Ministerium habe bewusst "verschleppt und verzögert", sagte die SPD-Politikerin. Was de Maizieres CDU-Staatssekretär Christoph Bergner vor dem Ausschuss vehement zurückwies.

Ohnehin ist das Ministerium eifrig bemüht, die Ergebnisse des Anti-Doping-Berichts so niedrig wie möglich aufzuhängen. Bei den Verstößen handele es sich lediglich um formale Fehler, sagte Bergner vor den Abgeordneten. Zum Beispiel sei in Arbeitsverträgen der Anti-Doping-Kampf nicht entsprechend festgeschrieben gewesen, Wettkampfkontrollen seien falsch gemeldet worden, oder Verbandssatzungen hätten nicht den Code der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada erhalten.

Das sei inzwischen "alles geheilt", beeilte sich DOSB-Generalsekretär Michael Vesper zu ergänzen. Und überhaupt: Wenn 19 von 60 Verbänden Fehler gemacht haben, heiße das ja im Umkehrschluss, dass es bei 41 Verbänden keinerlei Beanstandung gegeben hätte: "Die Mehrzahl der Verbände betreibt den Anti-Doping-Kampf mit Sorgfalt", ist Bergners Fazit.

Bericht verlässt sich auf Selbstauskünfte

Der Bericht beruft sich allerdings ausschließlich auf die Selbstauskünfte der Verbände. "Diese Auskünfte ernsthaft zu überprüfen, würde uns überfordern", sagte Nada-Geschäftsführer Götrik Wewer. Von daher vertrauen DOSB und Nada darauf, dass alles stimmt, was die Verbände an Informationen weitergeben. Eine unbefriedigende Situation - trotzdem sprach der Grünen-Abgeordnete Winfried Hermann von einem "Riesenfortschritt" und einer "fast historischen Entwicklung". Was wohl eher zeigt, wie schwierig es ist, im Anti-Doping-Kampf den Durchbruch zu erzielen.

Für Bergner und seinen CDU-Parteifreund Klaus Riegert bleibt es dennoch dabei, dass "Deutschland international vorbildlich" im Kampf gegen Leistungsmanipulation vorgehe. Und dass auch der Bob- und Schlittenverband unter den ertappten Sündern 2008 auftauche, "trübt in keiner Weise die Freude über die errungenen Bob- und Rodelmedaillen von Vancouver", so Bergner. Der Bobverband muss insgesamt 57.000 Euro erhaltener Förderung zurückzahlen, die Ruderer kosten Mängel bei den Dopingkontrollen sogar 88.000 Euro Rückzahlung.

Höchststrafe für den Schachbund

Unter den 19 Verbänden, die 2008 Verstöße begingen, finden sich neben den Bobfahrern und Ruderern auch der Bund Deutscher Radfahrer und die Deutsche Reiterliche Vereinigung, sowie zahlreiche kleinere Verbände: So tauchen auf der Liste auch der Deutsche Rugbyverband, der Gehörlosenverband und der Rad- und Kraftfahrerbund "Solidarität" auf. Hier liegen, so Vespers und Wewers Deutung, die begangenen Fehler vor allem darin begründet, dass manche Verbände "mit den Anti-Doping-Bestimmungen schlicht überfordert waren".

Die prozentual höchste Strafe im Verhältnis zu den erhaltenen Zuwendungen bekommt denn auch der Deutsche Schachbund aufgebrummt, weil er den Nada-Code überhaupt nicht umgesetzt hatte. Ein Verband, der "bei uns nicht wirklich als Risikogruppe in Sachen Doping geführt wird", sagte Wewer.

Dass auch diese kleinen Verbände dadurch bestraft würden, dass sie Fördermittel zurückzahlen müssen, ärgerte vor allem den SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Gerster. Hier sehe er "keine Verhältnismäßigkeit der Mittel" mehr gewährleistet, beklagte er. Gerster ist nebenbei auch Präsident des Deutschen Sportakrobatik-Bundes. Der Verband steht ebenfalls auf der Sünderliste.

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