Erfurter Dopingaffäre Blutbestrahlung am Olympiastützpunkt

Blutprobe: Am Mittwoch verhandelt der Sportausschuss hinter verschlossenen Türen
dapd

Blutprobe: Am Mittwoch verhandelt der Sportausschuss hinter verschlossenen Türen

2. Teil: "Bei wem er die Methode eingesetzt hat, ist uns nicht bekannt"


Bernd Neudert, Chef des OSP Thüringen, schreibt nun in einem Statement an den Sportausschuss im Bundestag: "Herr Franke setzte die Methode der Ultra-Violettbestrahlung des Blutes (UVB) seit vielen Jahren mit Kenntnis des Olympiastützpunktes Thüringen im Rahmen der Behandlung von erkrankten Sportlern ein".

Diese Praxis soll bereits vor Jahren begonnen haben. Bis Mai 2007 soll der OSP Franke sogar die Verbrauchsmaterialien bezahlt haben. Franke habe dem OSP "glaubhaft versichert", dass seine Methode "nicht dem gültigen Nada-Code widerspricht", heißt es in dem Statement.

Klärungsbedarf wirft vor allem der Abrechnungsmodus des Olympiastützpunkts auf. Frankes Blutbestrahlungen seien bis November 2008 "anhand seiner Honorarabrechnungen nachvollziehbar", schreibt Neudert an den Sportausschuss. "Bei wem und wie häufig er diese Methode zwischen November 2008 und April 2011 eingesetzt hat, ist uns nicht bekannt."

Die Grünen fordern Überprüfung aller deutscher Olympiastützpunkte

Franke sei zwar bis 2011 dafür bezahlt worden, will Details und Namen aber nicht preisgeben, er beruft sich auf die ärztliche Schweigepflicht und das laufende Verfahren der Staatsanwaltschaft. Im April 2011, nach den Hausdurchsuchungen der Staatsanwaltschaft, habe Neudert "alle Physiotherapeuten und Ärzte des OSP darüber informiert, dass die UVB-Behandlung des Blutes durch die Nada dem Blutdoping zugeordnet wird und somit verboten ist".

Das BMI reichte am Montag eine zehnseitige Stellungnahme ein, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Darin heißt es entgegen der Feststellung zahlreicher Experten, dass die UV-Bestrahlung erst ab 1. Januar 2011 gemäß Wada-Liste "eindeutig verboten" gewesen sein soll. Das Ministerium argumentiert, da "eine abschließende sportrechtliche Würdigung der Blutbehandlung durch den behandelnden Arzt" noch nicht vorliege, ergeben sich derzeit "keine zuwendungsrechtlichen Handlungsnotwendigkeiten". Für die UV-Behandlungen hat der OSP von 2005 bis 2008 insgesamt 7000 Euro gezahlt. Von 2009 bis 2011, als die UV-Behandlungen nicht mehr spezifisch abgerechnet wurden, wurden Franke etwas mehr als 15.000 Euro als Gesamthonorar überwiesen.

Die SPD-Bundestagsfraktion forderte vor zwei Wochen in einem Antrag, "alle Strukturelemente" des deutschen Stützpunktsystems vor den Sommerspielen in London "im Hinblick auf Blutmanipulationen zu überprüfen" und sicherzustellen, dass in London nur Athleten teilnehmen, die "zweifelsfrei keine verbotenen Blutmanipulationen vorgenommen haben".

Ein Antrag der Grünen, der bisher nur als Entwurf vorliegt, geht deutlich weiter. Sie fordern die "zuwendungsrechtliche Überprüfung" sämtlicher medizinischer Behandlungsleistungen an allen deutschen Olympiastützpunkten. Diese Tiefenprüfung soll bis 30. Juni 2012 - also noch rechtzeitig zur Nominierung der Athleten für die Olympischen Spiele in London durch den Deutschen Olympischen Sportbund - unter Beteiligung des Bundesrechnungshofs erfolgen.

Illegal verwendete Fördergelder sollen demnach zurückgefordert werden. Die Nada soll Sondermittel vom BMI erhalten und die Anti-Doping-Forschung ausgeweitet werden. Außerdem soll der Straftatbestand Sportbetrug eingeführt werden, damit "zukünftig auch wirksam gegen Sportlerinnen und Sportler" ermittelt werden kann, fordern die Grünen.



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