Sportler des Jahres Triumph für Neuner, Hambüchen und die Handball-Herren

Zwei Zwanzigjährige an der Spitze: Biathletin Magdalena Neuner und Turner Fabian Hambüchen sind zu Deutschlands Sportlern des Jahres 2007 gekürt worden. Die deutschen Handball-Männer wurden zur Mannschaft des Jahres gewählt.


Hamburg - Magdalena Neuner, Fabian Hambüchen und die Handball-Weltmeister sind die deutschen "Sportler des Jahres" 2007. Das ergab die von der Internationalen Sportkorrespondenz (ISK) durchgeführte Wahl unter mehr als 1300 Sportjournalisten. Die Sieger wurden Samstagabend im Kurhaus von Baden-Baden gekürt. Das Trio tritt die Nachfolge der Biathlon-Olympiasieger Kati Wilhelm und Michael Greis sowie der Fußball-Nationalmannschaft der Männer an, die im vergangenen Jahr triumphiert hatten.

Neuner ist nach Uschi Disl (2005) und Kati Wilhelm (2006) bereits die dritte siegreiche Biathletin hintereinander. "Ich bin überrascht, dass es schon wieder eine Biathletin geworden ist", sagte die 20-Jährige, "aber für unsere Sportart ist es sehr schön".

Neuner hatte bei den Weltmeisterschaften im italienischen Antholz drei Titel gewonnen: Gold in der Verfolgung, mit der Staffel und im Sprint. Neuner bekam 3410 Punkte und landete damit vor Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch (2373), die mit 39 Jahren im japanischen Osaka ihren dritten WM-Titel nach 1999 und 2005 geholt hatte. Dritte wurde Fußball-Torhüterin Nadine Angerer (1548), die als erste Torhüterin der WM-Geschichte während eines kompletten Turniers ohne Gegentor geblieben war. Boxerin Regina Halmich blieb zu ihrem Karriereende nur der vierte Platz.

Sportler des Jahres 2007

FRAUEN
1. Magdalena Neuner (Biathlon) 3410
2. Franka Dietzsch (Leichtathletik) 2373
3. Nadine Angerer (Fußball) 1548
4. Regina Halmich (Boxen) 1360
5. Andrea Henkel (Biathlon) 1011
MÄNNER
1. Fabian Hambüchen (Turnen) 4575
2. Timo Boll (Tischtennis) 1614
3. Dirk Nowitzki (Basketball) 1530
4. Ronny Ackermann (Nordische K.) 1192
5. Tobias Angerer (Langlauf) 1144
MANNSCHAFT
1. Handball-Männer 4677
2. Fußball-Frauen 4118
3. THW Kiel (Handball) 1413
4. Biathlon-Staffel Frauen 1073
5. VfB Stuttgart (Fußball) 953
Hambüchen gewann als erster Turner seit Eberhard Gienger 1978 und wurde für seine beeindruckenden Auftritte bei der Turn-Weltmeisterschaft in Stuttgart belohnt. Der 20-Jährige hatte Bronze mit der Mannschaft, Silber im Mehrkampf und Gold am Reck geholt.

Hambüchen setzte sich mit großem Abstand und 4575 Zählern vor Tischtennis-Europameister Timo Boll (1614) und Basketball-Profi Dirk Nowitzki (1530) durch. Boll hatte bei den kontinentalen Titelkämpfen sowohl im Einzel, Doppel (mit Christian Süß) und mit der Mannschaft den Titel geholt. Nowitzki schied mit den Dallas Mavericks zwar bereits in der ersten Runde der Playoffs der nordamerikanischen Profiliga NBA aus, wurde aber aufgrund seiner überragenden Leistung in der regulären Saison zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. Der "Fußballer des Jahres", Mario Gomez vom VfB Stuttgart, kam auf Rang zehn.

Zur Mannschaft des Jahres wurden die deutschen Handball-Herren gekürt, die im vergangenen Februar im eigenen Land Weltmeister geworden waren. "Dieses Mal haben wir keine Lust, uns noch einmal von den Mädchen abfangen zu lassen", hatte Kreisläufer Christian Schwarzer bereits vor der Gala angekündigt. 2004 hatten die damaligen Handball-Europameister den Hockey-Olympiasiegerinnen von Athen den Vortritt lassen müssen. "Wir hatten uns vorgenommen, im eigenen Land Weltmeister zu werden", erinnerte sich Torhüter Henning Fritz an die Wochen zu Beginn des Jahres, "aber man weiß genau, es hätte auch anders ausgehen können."

Das Team von Bundestrainer Heiner Brand ("Bin seit April mit Gedanken schon bei der Europameisterschaft im nächsten Jahr") lag mit 4677 Punkten vor der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft (4118), die unter Trainerin Silvia Neid in China mit einem 2:0-Finalsieg gegen Brasilien Weltmeister geworden war und ihren Titel von 2003 verteidigt hatte. Auf Platz drei kam ebenfalls ein Handball-Team: Meister, Pokalsieger und Champions-League-Gewinner THW Kiel (1413).

Auch das Thema Doping, das neben den vielen sportlichen Erfolgen das fast abgelaufene Jahr stark beherrschte, kam zur Sprache. "2007 war ein gutes Sportjahr", bilanzierte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Thomas Bach, "es hat im Kampf gegen Doping reinigende Wirkung gehabt und viel ist auf den Tisch gekommen." Im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking sagte er: "Wir haben Vertrauen in unsere Athleten und auch der Sport hat sich zu einer Null-Toleranz-Politik gegen Doping bekannt. Die Athleten tun das auch."

fsc/dpa/sid

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adrian_leuschner 22.12.2007
1.
Zitat von sysopBiathletin Magdalena Neuner, Turner Fabian Hambüchen und die Handballnationalmannschaft der Männer sind zu Deutschlands Sportlern des Jahres 2007 gewählt worden. Haben die abstimmenden Sportjournalisten die richtigen Athleten geehrt?
Eindeutig ja. Allerdings hätte es bei den Mannschaften dieses Mal sogar drei Sieger geben müssen, weil sowohl die Handball-Herren als auch die Fußball-Frauen und der THW Kiel Überragendes geleistet haben. Alle drei Mannschaften hätten den Sieg verdient gehabt.
Muggenhorst, 23.12.2007
2.
Bei den Frauen hätte es Franka Dietzsch sicherlich auch verdientermaßen werden können, aber im Allgemeinen kann ich mit dem Ergebnis sehr gut leben, gerade weil es bei den Männern und der Mannschaft einmal nicht die im absoluten Fokus der Aufmerkamkeit stehenden Sportarten getroffen hat. Da es mit Sicherheit wieder eine Männer-Frauen-Diskussion bei den Mannschaften geben wird: Die Handballer sind im Gegensatz zu den (wirklich tollen) Fußball-Damen trotz Heimvorteil nicht als Topfavorit ins Turnier gegangen und haben somit den "Sportler des Jahres"-Titel sicherlich ein wenig mehr verdient. Im Gegensatz zu vielen vorherigen Wahlen diesmal eine sehr ausgewogene Entscheidung, hoffentlich glänzten die Geehrten durch Anwesenheit, was ja nicht immer eine Selbstverständlichkeit war.
SebastianP 23.12.2007
3.
Definitiv, alle haben herausragendes geleistet.
Nicola54 23.12.2007
4.
Aber sicher ;) Der ist nicht nur erfolgreich, sondern auch ein unverwechselbarer Typ, der ja erst Anfang steht. Ich persönlich kann diese ganzen Wintersportler irgendwie kaum noch auseinanderhalten.
Zaunreiter, 23.12.2007
5.
Zitat von adrian_leuschnerEindeutig ja. Allerdings hätte es bei den Mannschaften dieses Mal sogar drei Sieger geben müssen, weil sowohl die Handball-Herren als auch die Fußball-Frauen und der THW Kiel Überragendes geleistet haben. Alle drei Mannschaften hätten den Sieg verdient gehabt.
Da stimme ich grundsätzlich zu. Vielleicht wären ja mal mehr Kategorien angebracht: 1. Die Männernatio des Jahres 2. Die Frauennatio des Jahres 3. Die Vereinsmannschaft des Jahres Und es hats auch noch nie gegeben, daß bei den Frauen 2 Fußballerinnen unter den ersten Zehn waren. Mit Birgit Prinz als Sechster und Nadine Angerer als Dritter. Das läßt doch für die Zukunft mehr erwarten. Unsere Torhüterin hätte ich nicht unter den ersten Drei vermutet, dann eher schon Birgit Prinz, weil sie da die bekannteste von allen ist. Aber wie hat es Rudi Cerne gestern abend gesagt: Da zählen nur die harten Fakten (oder so ähnlich *g*) Und da gratulier ich mal ganz fair den Handball-Herren, obwohl ihr Auftritt mitsamt den Höhnern leicht machomäßig wirkte.
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