SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. November 2010, 10:43 Uhr

Starker NBA-Start der Hornets

Hungrige Hornissen

Von

Superstar Chris Paul ist zurück - und mit ihm die New Orleans Hornets. Das Team aus Louisiana steht nach einem Top-Start an der Spitze der NBA. Dieser unerwartete Erfolg ist vor allem ein Verdienst des Point Guard, der zu alter Stärke zurückgefunden hat.

Manchmal, so scheint es, laufen die Playoffs schon im November. Erst ein Achtel der regulären NBA-Saison ist absolviert - doch was die New Orleans Hornets und die Dallas Mavericks in ihren beiden vergangenen Partien gezeigt haben, war Basketball auf Playoff-Niveau.

Zwei Mal trafen sich beide Teams binnen zwei Tagen. Beide Spiele waren eng und hart umkämpft. Bemerkenswert am ersten Duell am vergangenen Montag: Es war mit 95:98 die erste Saisonpleite für die Hornets.

Im Rückspiel revanchierte sich New Orleans mit einem 99:97-Heimerfolg bei Dirk Nowitzki und Co. Mit neun Siegen bei nur einer Niederlage haben die Hornets mit den San Antonio Spurs völlig überraschend die beste Bilanz in der NBA.

Dabei hatte vor der Saison kaum jemand die Mannschaft aus Louisiana auf dem Zettel. Zu stark schien die Western Conference mit Teams wie Meister Los Angeles Lakers, den Trail Blazers aus Portland und eben Dallas. Zu mittelmäßig wirkten die Zugänge zum ohnehin schon durchschnittlichen Hornets-Kader. Zu viel Unruhe brachten die Umbaumaßnahmen in Management und Trainerstab - und vor allem die Seifenoper um Starspieler Chris Paul.

Der Point Guard forciere seinen Abgang, hieß es im Sommer. Er sei frustriert ob der Entwicklung des Clubs, sehe keine Perspektive mehr. Immer wieder wurde der baldige Wechsel zu den New York Knicks kolportiert. Am Ende blieb der 25-Jährige in New Orleans. Und nun schickt er sich an, zu alter Stärke zurückzufinden und bester Aufbauspieler der Liga zu werden. In der vergangenen Saison waren Steve Nash (Phoenix Suns) und Deron Williams (Utah Jazz) die überragenden Point Guards.

Sehr hohe Trefferquote

Gründe für den Top-Start der Hornets gibt es viele, doch Pauls Gala-Form ist der wichtigste Faktor. Beim Sieg gegen Dallas markierte er 20 Punkte und elf Assists. Damit landete er am Ende ziemlich genau bei seinem Saisonschnitt (17,8/10,2). Das sind starke Werte, aber keine Karrierebestleistungen (2007/2008: 21,1/11,6; 2008/2009: 22,8/11,0).

Diese finden sich erst beim Blick auf die Wurfquoten des dreifachen All-Stars. 52,5 Prozent seiner Würfe landen im Korb, bei den Dreiern ist es genau die Hälfte. Auch bei den Freiwürfen zeigt sich Paul nervenstark, trifft mehr als 85 Prozent seiner Versuche.

Dazu leistet er sich bemerkenswert wenige Ballverluste. Eine Statistik, die Paul besonders am Herzen liegt. "Sobald das Spiel vorbei ist, schaue ich nach, wie viele Turnover ich hatte. Das ist die erste Zahl die mich interessiert", sagt der 1,83 Meter große Profi. In einer Liga, in der die Topspieler zu allererst ihren Punkteschnitt im Auge behalten, ist eine solche Arbeitseinstellung eher die Ausnahme. Rechnet man Vorlagen und Ballverluste gegeneinander auf, führt Paul diese Statistik an.

Schwache Saison 2009/2010

Dabei sah es noch in der vergangenen Saison so aus, als seien die Hornets im Rennen um die Spitzenplätze im Westen endgültig ausgeschieden. 37 Siege bei 45 Niederlagen hatten den letzten Platz in der Southwest Division bedeutet, die Playoffs verpasste das Team damit deutlich. Paul kam in kaum mehr als der Hälfte aller Partien zum Einsatz. Immer wieder musste er mit Knieverletzungen aussetzen. Nun ist er zurück - und mit ihm die Hornets.

"Ich kenne Chris", sagt Carmelo Anthony, Forward der Denver Nuggets. "Nach seiner Verletzung haben die Leute aufgehört, über ihn zu sprechen. Jetzt will er zeigen, dass er einer der Top-Aufbauspieler in der NBA ist." Anthonys Lob könnte dabei nicht ganz uneigennützig gewesen sein. Es gilt als offenes Geheimnis, dass er nur zu gern zusammen mit Paul und Knicks-Profi Amar'e Stoudemire in New York einen Gegenpol zu den "Großen Drei" der Miami Heat (LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh) bilden würde.

Vorerst jedoch dirigiert "CP3", wie Paul wegen seiner Trikotnummer genannt wird, die Offensive der Hornets. Und in Trainer Monty Williams hat er seinen größten Fan an der Außenlinie. "Chris ist entscheidend für den Weg, den dieses Team gehen kann", sagt Williams, der im Sommer die Nachfolge von Jeff Bower als Chefcoach angetreten hatte. Auch dem neuen General Manager Dell Demps hat der beste Start der Saisongeschichte den Einstand beim Club versüßt.

Zudem dürfte ein Rechenspielchen die Anhänger der Mannschaft aus Louisiana ein wenig weiterträumen lassen: In der laufenden Saison blieben die Hornets von allen Teams am längsten ungeschlagen. Zu Beginn der Spielzeit 2007/2008 war dies den Boston Celtics gelungen. Im Jahr darauf den Los Angeles Lakers, in der vergangenen Saison wieder Boston. Alle drei Mannschaften landeten am Ende in den NBA-Finals.

URL:


Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung