Stimmen "Boykott halte ich nicht für realistisch"

Thomas Bach (IOC-Vizepräsident):

"Ich halte das für eine sehr positive Entscheidung für das IOC, weil ein Fünftel der Weltbevölkerung, 1,3 Milliarden Chinesen, noch näher an Olympia herangeführt werden. Es ist gleichzeitig eine Herausforderung für das IOC, denn die Befürworter haben ihre Stimme auch in der Erwartung abgegeben, dass sich in China weiterer liberalisierender Wandel vollzieht. Es ist blauäugig zu sagen, eine solche Wahl hat keine politischen Folgen. Man darf den Einfluss des IOC nicht überschätzen. Wir sind keine Regierung, aber man kann mit dem einen oder anderen Zeichen vielleicht dazu beitragen, dass der Wandel gefördert wird."

Martin Schmitt (viermaliger Skisprung-Weltmeister): "Von Peking halte ich nichts wegen der ständigen Verletzungen der Menschenrechte. Die ideale Wahl für die Sportler wäre Paris oder Toronto gewesen."

Otto Schily (Bundesinnenminister): "Ich glaube, Peking ist in sportlicher und politischer Hinsicht eine gute Wahl. Angesichts der Menschenrechtssituation in China gab es im Vorfeld viele kritische Stimmen gegenüber der chinesischen Bewerbung. Ich setze darauf, dass sich die Olympischen Spiele positiv auf die demokratische Entwicklung Chinas auswirken werden."

Walther Tröger (Präsident des deutschen Nationalen Olympischen Komitees): "Ich verstehe die Euphorie der Chinesen. Einen Boykott der Spiele in Peking halte ich nicht für realistisch. Es sind noch sieben Jahre bis dahin, da kann sich auch politisch viel verändern. Im Hinblick auf Olympia 2012 ist die Entscheidung positiv hinsichtlich der deutschen Chancen. Die Mehrheit unserer NOK-Mitglieder ist für eine Bewerbung um die Sommerspiele 2012."

Manfred von Richthofen (Präsident des Deutschen Sportbundes): "Mit der Vergabe der Spiele an Peking verbindet sich die große Chance, dass sich ein totalitäres System verändert. Beispielsweise könnten die Bedenken hinsichtlich der Menschenrechte verbunden werden mit der Hoffnung, dass China sich wenigstens zur Religionsfreiheit bekennt. Das wäre ein wichtiger Schritt, den man mit der Vergabe der Olympischen Spiele an Peking erwarten sollte."

Astrid Kumbernuss (Kugelstoß-Weltmeisterin): "Die Wahl von Peking ist kein Grund für mich, spontan Hurra zu schreien. Ich bin da etwas voreingenommen, schon wenn ich an die Todesstrafe für vergleichsweise geringe Delikte denke."

Birgit Fischer (Rekord-Olympiasiegerin): "Peking halte ich für die richtige Wahl. Gegenteilige Stimmung wurde doch hauptsächlich in den USA erzeugt, dort sollten sie aber auf ihre eigenen Probleme schauen. Das Argument der Menschenrechte wird immer dann populistisch in die Waagschale geworfen, wenn es um derartige Abstimmungen geht. Das heißt aber nicht, dass ich die chinesische Politik in jedem Fall gutheiße."

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