Im Straßen-Radrennenn musste Judith Arndt nur der Australierin Sara Carrigan den Vortritt lassen. Noch während der Zieldurchfahrt machte die Leipzigerin mit einer eindeutigen Geste deutlich, was sie von den deutschen Radsport-Funktionären hält. Der Weltverband verhängte dafür eine Geldstrafe, Arndt bereute später ihr Verhalten.
Athen – Am Ende reichten die Kräfte bei Arndt nur noch zu einem erhobenen Mittelfinger: Nach neun Runden und 118,8 Kilometern auf dem Stadtkurs der griechischen Hauptstadt setzte sich Carrigan im Ausreißerduell in 3:24:24 Stunden durch. Die Australierin wartet bis zuletzt ab und siegte überlegen im Sprint auf der Zielgeraden.
Medaillengewinnerin Arndt kritisierte nach ihrem Coup den Verband: "Natürlich freuen wir uns über Silber, aber eigentlich haben wir heute Gold verloren. Wenn Petra Roßner nominiert worden wäre, hätten wir heute Gold machen können. Sie wäre unsere Trumpfkarte gewesen. Sie ist die beste Sprinterin der Welt." Und fügte hinzu: "Der Verband hat so falsch entschieden und Angela Brodtka anstatt Petra nominiert."
Arndts Lebensgefährtin Roßner war nur als Touristin nach Athen gekommen und feuerte am Sonntag die Bahn-Olympiasiegerin von Atlanta an, die mit beherzter Fahrweise ihre erste Olympia-Medaille auf der Straße holte.
Verband versteht die Kritik nicht
Sylvia Schenk, Vorsitzende des Bundes deutscher Radfahrer (BDR) konnte die Angriffe nicht verstehen: "Der Rennverlauf hat gezeigt, dass es kein Kurs für Sprinterinnen war. Daher verstehe ich die Kritik nicht." Für Petra Roßner stimmt dieses Argument nicht: "Die Aussagen des BDR halte ich für fadenscheinig. Mit der Russin Olga Sljussarewa hat eine Sprinterin Bronze geholt."
Arndt hatte schon in der sechsten Runde mit einer Attacke versucht, sich aus einer 22-köpfige Spitzengruppe abzusetzen. Der gehörten auch die anderen deutschen Starterinnen Trixi Worrack und Angela Brodtka an. Beide hatten sich vor allem in der ersten Hälfte des Rennens immer wieder vorne gezeigt, konnten aber in die Entscheidung letztlich nicht eingreifen.
Ihren "Stinkefinger" bereute Arndt am Abend: "Das darf nicht passieren. Aber ich bin ein Mensch mit vielen Emotionen." Der Radsport-Weltverband belegte sie mit einer Geldstrafe in Höhe von 200 Schweizer Franken.