Sportarten-Studie PotAS Warum die deutschen Ruderer um Fördergelder bangen müssen

Die deutschen Ruderer sind bei Wettkämpfen ein Medaillengarant. Bei der Reform der Sportförderung könnten sie dennoch zu den Verlierern gehören. Das ergab eine Analyse der 26 olympischen Sommersportverbände.

Der deutsche Achter bei der Ruder-WM Linz-Ottensheim
Detlef Seyb DPA

Der deutsche Achter bei der Ruder-WM Linz-Ottensheim


Der Deutsche Badminton-Verband (DBV) belegt bei der jüngsten Potenzialanalyse PotAS, bei der die 26 deutschen olympischen Sommersportverbände untersucht wurden, überraschend den Spitzenplatz. Sowohl bei der Beurteilung seiner Struktur (PotAS-Wert: 97,12) als auch bei der Frage nach dem Kaderpotenzial (Wert: 100) erhielt der Verband Bestnoten. Schlecht sieht es dagegen für die Ruderer aus.

Mithilfe der Arbeit der PotAS-Kommission wollen das Bundesinnenministerium (BMI) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) systematischer feststellen, welche Verbände sich bei der Reform des deutschen Spitzensports für eine stärkere Förderung eignen. Dafür mussten die Verbände einen Katalog von 132 Fragen beantworten. Sportlicher Erfolg, so die Idee, soll nicht mehr das ausschließliche Kriterium für die Verteilung von Fördergeldern sein.

So lässt sich auch erklären, dass die deutschen Badminton-Spieler, die bei Olympischen Spielen noch nicht eine Medaille gewinnen konnten, ganz vorn liegen. Ganz anders ist die Situation beim Schlusslicht der Analyse: Obwohl die deutschen Ruderer bei den jüngsten Olympischen Spielen in Rio 2016 mit zweimal Gold und einmal Silber zu den erfolgreichsten Athleten gehörten, belegte der Deutsche Ruderverband (DRV) mit 61,69 Punkten bei der Struktur-Beurteilung den letzten und mit 67,09 Punkten bei der Frage nach dem Kaderpotenzial einen hinteren Rang.

Ebenfalls weit hinten zu finden im Ranking ist der Deutsche Tennis Bund (DTB), der mit einem 24. und einem 25. Platz enttäuschende Ergebnisse erreichte.

Auch die Bewertung der Einzeldisziplinen war für den DRV wenig schmeichelhaft: Unter 103 bewerteten Disziplinen landeten die fünf Ruder-Klassen ganz weit hinten im Feld und wurden nur noch von den Synchronschwimmerinnen des Deutschen Schwimm-Verbandes DSV unterboten.

Tokio 2020 lässt Ruderer hoffen

Die Potenzialanalyse wurde erstmals im Mai 2017 eingeführt und fand bei den olympischen Wintersportverbänden und Disziplinen bereits Anwendung. Hier hielten sich die Überraschungen in Grenzen: Der Bob- und Schlittenverband sowie der Skiverband, beide zuletzt in Pyeongchang sehr erfolgreich, lagen im Ranking vorn. Der Curling-Verband und die Eislauf-Union, beide bei Wettkampfergebnissen deutlich weniger auffällig, landeten auf den hinteren Plätzen.

Das gute Abschneiden der medaillenträchtigeren Wintersportverbände macht ihren Pendants bei den Sommersportverbänden jedoch Hoffnung. Denn bei der PotAS-Analyse wurden bislang nur zwei von drei Kategorien evaluiert. Die dritte, der sportliche Erfolg, wird noch hinzukommen - allerdings erst nach den Olympischen Spielen in Tokio im kommenden Sommer.

Die PotAS steht seit Beginn an in der Kritik. Langwierige Prozesse und fehlende Transparenz werden seit dem Beschluss der Pläne für eine Förderreform bemängelt. Insgesamt erhielt der DOSB jedoch durch seine Reformpläne in den vergangenen drei Jahren rund 100 Millionen Euro mehr an Fördergeldern aus Steuermitteln.

tip/dpa/sid



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chjuma 20.11.2019
1. Ganz einfach
Die Priorität im Sport bemisst sich ausschließlich am zu erwartenden Profit für den Staat. Und so bemisst sich auch sein Einsatz. Ganz einfach. Alles andere ist Augen verkleistern. Darum ist Fußball, vielleicht noch Boxen und F1 ganz vorne mit unmittelbaren und mittelbaren Subventionen. Der Rest ist eher lästiges Beiwerk und notwendiges Übel. Die kriegen sicher auch was, aber nur so viel dass man sie als Wähler nicht völlig vergrätzt.
schacht3 20.11.2019
2. Völlig unverständlich!
Aber zum Aufpolieren des Medaillenspiegel taugen die Ruderer schon,oder?? Dieser undurchsichtige Filz auf allen Funktionärsebenen,einfach grauenhaft!
Nimran 20.11.2019
3. Re: ganz einfach
Offensichtlich hat der Autor keine Ahnung von den Förderstrukturen und Organisationen, wie dem DOSB mit seinen Bundesleistungsstützpunkten und Bundeskadern. Die Formel 1 ist in diesem System gar nicht enthalten, und auch Fußball nur bedingt. Es drängt sich der Eindruck auf, der Autor möchte nur seine Weltsicht propagieren : "Sport dient dem Staat nur dazu, das Volk am Schlafen zu halten". Zu dieser Einstellung passt zwar die Überschrift, aber nicht der Artikel.
Peter Maller 20.11.2019
4. Mehr Verwirrung als Erklärung
Ich bin selbst Ruderer, aber im Hobby-Bereich. Und ich habe nicht verstanden, worum es geht. Gut, es gibt ein Punktesystem, welches "Strukturen" und "Kaderpotential" bewertet. Aber die Frage ist doch: Wie kommt es dann zu solch einer seltdsamen Beurteilung des Ruderens. Der Autor hätte sich schon mal die Mühe machen können und beispielhaft erklären können, bei welchen Punkte Rudern besonders schlecht abschneidet und zB. Badminton besonders gut? Sind die Ruderfunktionäre Schnarchsäcke? Gibts zu viele Doppelstrukturen, sind die Kader zu alt? Keine Ahnung. Aber jedes Vereinsmitglied zahlt einen Teil seiner Vereinsbeiträge an die jeweiligen Sportverbände. Da wäre es schon schön zu wissen, ob die haupt- und ehrenamtlichen Verbandsfunktionäre grobe Fehler gemacht haben. Immerhin wird es am Ende ja weniger Geld vom Staat geben. Das heißt im Umkehrschluss, dass die einzelnen Vereinsmitglieder am Ende mehr zahlen müssen oder weniger Leistung bekommen. Der Artikel sieht aber leider so aus, als habe der Autor eine Pressemitteilung abgeschrieben und auf eine Recherche verzichtet
deichgraffe 20.11.2019
5. Absolut nicht nachvollziehbar
Rudern gehört zu den gesündesten Sportarten überhaupt. Kaum eine Sportart bietet ein so gutes Herz-Kreislauftraining. Das Verletzungsrisko geht gegen Null. Belastungen der Gelenke, die zu Folgeschäden führen (auch beim Badminton ein großes Problem) kennt der Ruderer nicht. Die Anzahl der Aktiven im hohen Alter ist mit Abstand überdurschschnittlich. Aber es sollte nicht darum gehen, dass Sportarten gegeneinander ausgespielt werden, um dann das wenige Geld der Sporthilfe zu verteilen. Die PotAS dient da als Instrument des Ausdünnens, nicht des Förderns. Unsere Öffentlichkeit und die Politik rennen dem geldverseuchten Fussball in nie dagewesener Weise hinter her, während unsere Vereinskultur immer weiter schrumpft. Für diese Kultur haben viele Länder uns beneidet. Viele von ihnen gehen mittlerweile andere Wege und schaffen es, den Sport in seinem breiten Spektrum auszubauen. Wir hingegen, mit unserer Post-68-Mentalität, sehen Leistung eher als unerwünschte Tugend und Vereine als Gefahr der individuellen Freiheit an. Und unser Allgemeinwohl bemessen wir am BIP, während die vielen unentgeltlichen ehrenamtlichen Leistungen der Vereine darin nicht eingeschlossen werden. Es ist Zeit umzudenken!
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