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Sicherheit bei der Tour: Mit dem Safety Car gegen Stürze

Foto: STEFANO RELLANDINI/ REUTERS

Stürze bei der Tour de France Mit Sicherheit aus dem Sattel

Bei der Tour de France vergeht kaum ein Tag ohne Sturz, mehrere Fahrer haben sich verletzt. Inzwischen ist eine Debatte über die Sicherheit entbrannt - mit Ideen von Safety Cars bis zum freiwilligen Langsamfahren. Sie beweisen vor allem eines: Die Organisatoren sind hilflos.

Der Himmel ist blau, die Sonne scheint - prächtiges Radtouristenwetter herrschte am Montag in der Auvergne. Die verbliebenen 180 Fahrer der Tour de France (von ursprünglich 198 Gestarteten) genossen diese Bedingungen bei rund einstündigen Trainingsausfahrten in der Nähe ihrer Hotels. In den freien Stunden des Ruhetags kreisten die Gedanken von vielen dennoch um die zwei Horrorstürze des Vortags. Ein Fahrzeug des französischen Fernsehens hatte den Spanier Juan Antonio Flecha einfach umgefahren. Über ihn war in hohem Bogen Johnny Hoogerland geflogen und in einem Stacheldrahtzaun gelandet. "Ich bin froh, dass ich das überlebt habe", sagte der Holländer später.

"Es ist ein Unding, dass ein Fahrer von einem Konvoifahrzeug verletzt wird. So etwas darf einfach nicht passieren", so Linus Gerdemann. Der Leopard-Profi war sichtlich schockiert, dass seine Sicherheit nun nicht nur von komplizierten Witterungsbedingungen, schlechten Straßen und unaufmerksamen Zuschauern gefährdet ist. Sondern auch von denen, die ihr Geld damit verdienen, über die Leistungen der Profis zu berichten. "Ich glaube, die Tour de France sollte die Fähigkeiten der Konvoifahrer überprüfen. So geht es nicht weiter", sagte der Teamchef von HTC, Rolf Aldag.

"Der wusste gar nicht, dass er eine Bremse am Auto hat"

Der Abschuss von Flecha und Hoogerland durch den Pkw war bereits der dritte bekannt gewordene Vorfall dieser Art während der diesjährigen Tour. Zuvor, auf Etappe Nummer fünf, hatte der belgische Motorradfahrer Koen Haedens den Dänen Nicki Sörensen umgefahren. Haedens wurde gemeinsam mit dem Fotografen von Getty Images, der auf dem Rücksitz saß, von der Tour ausgeschlossen. Auf der achten Etappe war ein Teamfahrzeug von Vacansoleil in das Auto von Bjarne Riis gerauscht und hatte die Heckpartie zertrümmert. "Ich glaube, der wusste gar nicht, dass er eine Bremse am Auto hat. Der hat gar nicht verlangsamt", schimpfte ein Saxo-Bank-Techniker, der im lädierten Wagen saß.

Die Unfälle passierten, obwohl Renndirektor Christian Prudhomme an jedem Morgen eindringlich über Tourfunk warnt, vorsichtig zu sein und die Regeln einzuhalten. Das Fahrzeug des französischen Fernsehens hatte nicht nur die beiden Fahrer der Ausreißergruppe zu Fall gebracht. Es drängte bereits vorher den Mannschaftswagen von Team Europcar ab, der seinem Fahrer Thomas Voeckler eine Wasserflasche bringen wollte.

"Das ist nicht tolerierbar. Die Teamfahrzeuge haben im Rennen Vorrang vor allen anderen Fahrzeugen", ließ Prudhomme in einem Kommuniqué verbreiten. Allerhöchste Priorität genieße aber die Sicherheit der Fahrer und der Zuschauer. "Jedes Fahrzeug, das den Anweisungen der Renndirektion nicht folgt, wird automatisch von der Tour ausgeschlossen."

Massensturz bei Kilometer 102

Diese Drohgeste sorgt nicht automatisch für Sicherheit. Der Massensturz bei Kilometer 102, der das Ende aller Rundfahrtambitionen von Alexander Winokurow und Jurgen Van Den Broeck bedeutete, kam auch aufgrund einer falschen Einschätzung der Neigung der Kurve zustande. "Ich wusste noch von der Tour de l'Avenir 2005, dass diese Kurve gefährlich ist. Wir sind es deshalb vorsichtig angegangen. Aber dann lagen vorn schon die Fahrer", sagte Tour-Mitfavorit Andy Schleck am Ruhetag.

Ein Regenguss kurz vor der Ankunft der Fahrer hatte das Gefahrenpotential der Kurve zusätzlich erhöht. "In solchen Situationen, wenn es geregnet hat und die Straße extrem glatt ist oder wenn der Regen selbst die Sicht massiv einschränkt, wäre eine Safety-Car-Phase nicht schlecht. Da würde Tempo herausgenommen, und alle kämen gut durch", sagte Jens Voigt beim Medientreffen am Ruhetag.

Ein Safety Car wie in der Formel 1? Angesichts der Tatsache, dass die Radrennfahrer immer schneller werden und vor Kurven immer später zu bremsen versuchen, und angesichts der Weigerung der Tour, auf schmale Straßen zu verzichten, wäre das ein interessantes Instrument der Risikoverminderung. Allerdings schränkte Voigt seinen Safety-Car-Vorschlag gleich wieder ein, da in der Praxis Probleme drohten: "Was passiert in so einer Situation mit der Spitzengruppe? Behält die die Zeit, oder schließen alle aufeinander auf? Wie will man das organisieren, damit es gerecht für alle ist?"

Der letzte Vorschlag zum Thema Sicherheit ist das vermutlich nicht. Laut Leopard-Co-Kapitän Fränk Schleck hat der Tourveranstalter Aso die Fahrer, die im Klassement weniger weit vorn sind, dazu ermahnt, sich während der Etappen weiter hinten aufzuhalten. "Wissen die nicht", mokierte sich Schleck, "dass jeder Klassement-Fahrer ein paar Helfer dabei hat, die ihn beschützen sollen?"

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