Stürze bei der Tour de France Mit Sicherheit aus dem Sattel

Bei der Tour de France vergeht kaum ein Tag ohne Sturz, mehrere Fahrer haben sich verletzt. Inzwischen ist eine Debatte über die Sicherheit entbrannt - mit Ideen von Safety Cars bis zum freiwilligen Langsamfahren. Sie beweisen vor allem eines: Die Organisatoren sind hilflos.

REUTERS

Von , Saint-Flour


Der Himmel ist blau, die Sonne scheint - prächtiges Radtouristenwetter herrschte am Montag in der Auvergne. Die verbliebenen 180 Fahrer der Tour de France (von ursprünglich 198 Gestarteten) genossen diese Bedingungen bei rund einstündigen Trainingsausfahrten in der Nähe ihrer Hotels. In den freien Stunden des Ruhetags kreisten die Gedanken von vielen dennoch um die zwei Horrorstürze des Vortags. Ein Fahrzeug des französischen Fernsehens hatte den Spanier Juan Antonio Flecha einfach umgefahren. Über ihn war in hohem Bogen Johnny Hoogerland geflogen und in einem Stacheldrahtzaun gelandet. "Ich bin froh, dass ich das überlebt habe", sagte der Holländer später.

"Es ist ein Unding, dass ein Fahrer von einem Konvoifahrzeug verletzt wird. So etwas darf einfach nicht passieren", so Linus Gerdemann. Der Leopard-Profi war sichtlich schockiert, dass seine Sicherheit nun nicht nur von komplizierten Witterungsbedingungen, schlechten Straßen und unaufmerksamen Zuschauern gefährdet ist. Sondern auch von denen, die ihr Geld damit verdienen, über die Leistungen der Profis zu berichten. "Ich glaube, die Tour de France sollte die Fähigkeiten der Konvoifahrer überprüfen. So geht es nicht weiter", sagte der Teamchef von HTC, Rolf Aldag.

"Der wusste gar nicht, dass er eine Bremse am Auto hat"

Der Abschuss von Flecha und Hoogerland durch den Pkw war bereits der dritte bekannt gewordene Vorfall dieser Art während der diesjährigen Tour. Zuvor, auf Etappe Nummer fünf, hatte der belgische Motorradfahrer Koen Haedens den Dänen Nicki Sörensen umgefahren. Haedens wurde gemeinsam mit dem Fotografen von Getty Images, der auf dem Rücksitz saß, von der Tour ausgeschlossen. Auf der achten Etappe war ein Teamfahrzeug von Vacansoleil in das Auto von Bjarne Riis gerauscht und hatte die Heckpartie zertrümmert. "Ich glaube, der wusste gar nicht, dass er eine Bremse am Auto hat. Der hat gar nicht verlangsamt", schimpfte ein Saxo-Bank-Techniker, der im lädierten Wagen saß.

Die Unfälle passierten, obwohl Renndirektor Christian Prudhomme an jedem Morgen eindringlich über Tourfunk warnt, vorsichtig zu sein und die Regeln einzuhalten. Das Fahrzeug des französischen Fernsehens hatte nicht nur die beiden Fahrer der Ausreißergruppe zu Fall gebracht. Es drängte bereits vorher den Mannschaftswagen von Team Europcar ab, der seinem Fahrer Thomas Voeckler eine Wasserflasche bringen wollte.

"Das ist nicht tolerierbar. Die Teamfahrzeuge haben im Rennen Vorrang vor allen anderen Fahrzeugen", ließ Prudhomme in einem Kommuniqué verbreiten. Allerhöchste Priorität genieße aber die Sicherheit der Fahrer und der Zuschauer. "Jedes Fahrzeug, das den Anweisungen der Renndirektion nicht folgt, wird automatisch von der Tour ausgeschlossen."

Massensturz bei Kilometer 102

Diese Drohgeste sorgt nicht automatisch für Sicherheit. Der Massensturz bei Kilometer 102, der das Ende aller Rundfahrtambitionen von Alexander Winokurow und Jurgen Van Den Broeck bedeutete, kam auch aufgrund einer falschen Einschätzung der Neigung der Kurve zustande. "Ich wusste noch von der Tour de l'Avenir 2005, dass diese Kurve gefährlich ist. Wir sind es deshalb vorsichtig angegangen. Aber dann lagen vorn schon die Fahrer", sagte Tour-Mitfavorit Andy Schleck am Ruhetag.

Ein Regenguss kurz vor der Ankunft der Fahrer hatte das Gefahrenpotential der Kurve zusätzlich erhöht. "In solchen Situationen, wenn es geregnet hat und die Straße extrem glatt ist oder wenn der Regen selbst die Sicht massiv einschränkt, wäre eine Safety-Car-Phase nicht schlecht. Da würde Tempo herausgenommen, und alle kämen gut durch", sagte Jens Voigt beim Medientreffen am Ruhetag.

Ein Safety Car wie in der Formel 1? Angesichts der Tatsache, dass die Radrennfahrer immer schneller werden und vor Kurven immer später zu bremsen versuchen, und angesichts der Weigerung der Tour, auf schmale Straßen zu verzichten, wäre das ein interessantes Instrument der Risikoverminderung. Allerdings schränkte Voigt seinen Safety-Car-Vorschlag gleich wieder ein, da in der Praxis Probleme drohten: "Was passiert in so einer Situation mit der Spitzengruppe? Behält die die Zeit, oder schließen alle aufeinander auf? Wie will man das organisieren, damit es gerecht für alle ist?"

Der letzte Vorschlag zum Thema Sicherheit ist das vermutlich nicht. Laut Leopard-Co-Kapitän Fränk Schleck hat der Tourveranstalter Aso die Fahrer, die im Klassement weniger weit vorn sind, dazu ermahnt, sich während der Etappen weiter hinten aufzuhalten. "Wissen die nicht", mokierte sich Schleck, "dass jeder Klassement-Fahrer ein paar Helfer dabei hat, die ihn beschützen sollen?"

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Medien-Kritiker, 01.07.2011
1. Wer gewinnt die Tour?
Zitat von sysopTitelverteidiger und Top-Favorit Alberto Contador kommt unter Dopingverdacht zur 98. Frankreich-Rundfahrt. Bleibt die diesjährige Auflage der Tour sauber oder verkommt sie zur Tour de Farce?
Ich weiß nicht, was diese reißerische Überschrift soll.Gäbe es `ne Leichtathletik-WM würde SPON auch `ne neutrale Überschrift wählen, obwohl es kein Sportereignis gibt, wo mehr Ex-Dopingsünder an den Start gehen.Das im Fall Contador noch kein Urteil gefallen ist, ist eine Farce, aber dafür kann die Tour ja nichts.Ich denke mir natürlich auch meinen Teil, aber die Tour interessiert mich auch rein sportlich.Mir ist bewusst, dass ich damit zumindest in Deutschland einer Minderheit angehöre, aber das ändert nichts an meinem nach wie vor vorhandenen Radsportinteresse. Ich fürchte zwar, dass viele, die sich in diesem Thread äußern werden kaum mehr als vier-fünf fahrer kennen, aber ich versuche es trotzdem mal mit einer kleinen Vorschau: Ich denke Andy Schleck hat gute Chancen auf den Toursieg.Contador hat den Giro gefahren und sein Team ist im Vergleich zu Schlecks Team sehr schwach besetzt.Das kann den Ausschlag geben.Contador und Andy Schleck sind die Topfavoriten.Die wird vermutlich niemand wirklich "ärgern" können.Ich würde mir ja wünschen, dass mal ein Fahrer wie Cadel Evans die Tour gewinnt.Auch deshalb weil der "Aussie" z.B. im Gegensatz zu Contador nicht die Berge "hochfliegt, als wäre es nichts, sondern man auch als Zuschauer sieht, wie sehr er sich quält.Mein Podium sieht A.Schleck vor Conador und Evans.Um die Plätze 4-5 werden dann Fahrer wie Leipheimer und Wiggins mitfahren.
doc 123 02.07.2011
2. Dopingsumpf
Zitat von Medien-KritikerIch weiß nicht, was diese reißerische Überschrift soll.Gäbe es `ne Leichtathletik-WM würde SPON auch `ne neutrale Überschrift wählen, obwohl es kein Sportereignis gibt, wo mehr Ex-Dopingsünder an den Start gehen.Das im Fall Contador noch kein Urteil gefallen ist, ist eine Farce, aber dafür kann die Tour ja nichts.Ich denke mir natürlich auch meinen Teil, aber die Tour interessiert mich auch rein sportlich.Mir ist bewusst, dass ich damit zumindest in Deutschland einer Minderheit angehöre, aber das ändert nichts an meinem nach wie vor vorhandenen Radsportinteresse. Ich fürchte zwar, dass viele, die sich in diesem Thread äußern werden kaum mehr als vier-fünf fahrer kennen, aber ich versuche es trotzdem mal mit einer kleinen Vorschau: Ich denke Andy Schleck hat gute Chancen auf den Toursieg.Contador hat den Giro gefahren und sein Team ist im Vergleich zu Schlecks Team sehr schwach besetzt.Das kann den Ausschlag geben.Contador und Andy Schleck sind die Topfavoriten.Die wird vermutlich niemand wirklich "ärgern" können.Ich würde mir ja wünschen, dass mal ein Fahrer wie Cadel Evans die Tour gewinnt.Auch deshalb weil der "Aussie" z.B. im Gegensatz zu Contador nicht die Berge "hochfliegt, als wäre es nichts, sondern man auch als Zuschauer sieht, wie sehr er sich quält.Mein Podium sieht A.Schleck vor Conador und Evans.Um die Plätze 4-5 werden dann Fahrer wie Leipheimer und Wiggins mitfahren.
Natürlich ist oder war Contador gedopt und es wäre der Tour gut angestanden, wenn man wenigstens seine Teilnahme einfach verboten hätte. Aber letztlich ist das auch egal, letztlich sind doch alle die vorne mitfahren gedopt, wenn man die ganzen Dopingnachweise, Geständnisse ehemaliger Sieger und Anschuldigungen von Fahrerkollegen zusammennimmt und betrachtet. Wäre doch wohzl allenfalls interessant, wer der beste gedopte Radfahrer ist, man sollte einfach Armstrong gegen Contador und Jan Ullrich fahren lassen, wäre ja doch wohl auch ein Spektakel. Und höchstköstlich ist ja dazu hin noch, dass ausgerechnet auch die ehemalige Dopingsünderin Claudia Pechstein in den Radsport wechselt.
Medien-Kritiker, 02.07.2011
3. Äh
Zitat von doc 123Natürlich ist oder war Contador gedopt und es wäre der Tour gut angestanden, wenn man wenigstens seine Teilnahme einfach verboten hätte. Aber letztlich ist das auch egal, letztlich sind doch alle die vorne mitfahren gedopt, wenn man die ganzen Dopingnachweise, Geständnisse ehemaliger Sieger und Anschuldigungen von Fahrerkollegen zusammennimmt und betrachtet. Wäre doch wohzl allenfalls interessant, wer der beste gedopte Radfahrer ist, man sollte einfach Armstrong gegen Contador und Jan Ullrich fahren lassen, wäre ja doch wohl auch ein Spektakel. Und höchstköstlich ist ja dazu hin noch, dass ausgerechnet auch die ehemalige Dopingsünderin Claudia Pechstein in den Radsport wechselt.
Auch Radrennfahrer haben Rechte.Und so lange noch kein Urteil gefällt wurde hat er als unschuldig zu gelten.Mich überrascht, dass er fahren darf, denn da gab es in der Vergangenheit schon andere Beispiele von Fahrern, die auf Grund von Indizien ausgeschlossen wurden, die geringer waren als bei Contador.Und angesischts der Tatsache, dass bei der Dopingbekämpfung die rechtsstaatlich eigentlich vollkommen unhaltbare Regelung der Beweislastumkehr gilt und der Fahrer bei Verdächtigungen seine Unschuld beweisen muss ist der Start von Contador wirklich überraschend.Ich denke auch, dass sein Start der Tour schadet, aber so lange es im Prinzip nur Deutschland so ist, wo mit em Finger auf die Radfahrer gezeigt wird, währed gleichzeitig Leue wie Usain Bolt oder Michael Phelps gefeiert werden (ist noch mehr Bigotterie überhaupt möglich?? )wird die Tour auch das überleben.Es ist nicht die Tour, sondern die deutsche Sportjournalie die sich lächerlich macht!! Klar hat der Radsport auch heute noch ein großes Dopingproblem, aber ich weiß nicht, ob das größer ist als z.B. in der Leichtahtletik, im Schwimmen oder auch im Fußbal... Ich hab´neulich einen interesanten Artikel gelesen, in dem die These aufgestellt wurde, dass Contador freigesprochen wird.Die Begründung war die, dass man den Fußball unter keinen Umständen "an die Wand nageln" wolle.Und neulich wurden bekantlich fünf mexikanische Nationalspieler positiv auf Clenbuterol getestet...
fussball11 02.07.2011
4.
Zitat von doc 123Natürlich ist oder war Contador gedopt und es wäre der Tour gut angestanden, wenn man wenigstens seine Teilnahme einfach verboten hätte. Aber letztlich ist das auch egal, letztlich sind doch alle die vorne mitfahren gedopt, wenn man die ganzen Dopingnachweise, Geständnisse ehemaliger Sieger und Anschuldigungen von Fahrerkollegen zusammennimmt und betrachtet. Wäre doch wohzl allenfalls interessant, wer der beste gedopte Radfahrer ist, man sollte einfach Armstrong gegen Contador und Jan Ullrich fahren lassen, wäre ja doch wohl auch ein Spektakel. Und höchstköstlich ist ja dazu hin noch, dass ausgerechnet auch die ehemalige Dopingsünderin Claudia Pechstein in den Radsport wechselt.
Ich nehme mal an das es ein satirischer Beitrag sein soll. Wenn alle Spitzenfahrer gedopt sind, wäre die Konsequenz das Doping bei Spitzenathleten nicht nachweisbar ist. Der Radsport hat die modernsten Test die der WADA zur Verfügung stehen und diese Test werden intensiv angewendet. Wäre es demnach unmöglich ist Sportler zu überführen, kann die Schlussfolgerung nur sein, das überall gedopt wird wo es sich lohnt. Wenn es sich aber lohnt zu dopen, dann lohnt es sich im Fußball - aus sportlichen wie finanziellen Gründen. Wenn ich mir dann vorstelle wer beim Fußball dopen könnte fällt mir immer dieses Bild ein: http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/554611/artikel_schweinsteiger_ich-weiss-dass-ich-fuehren-muss.html#omsearchresult Man vergleich beim oberen und unteren Bild die Veränderung von Kinn und Ohren, das könnte in einem Lehrbuch für Steroid Doping aufgeführt werden. Wer ein Leitwolf sein will muß auch die passenden Hormone haben.....
unifersahlscheni 02.07.2011
5. ...ganz kurz...
...war sogar ich von der Tour de France "angefixt"... ;---) ...als Jan Ullrich in jungen Jahren sich irgendwie an die Spitze kämpfte und täglich (freilich täglich) von der Tour live berichtet wurde... ...super schöne Gegenden in Frankreich, Sonne, kämpfende Sportler... ...aber als irgendwann mal klar wurde, dass eigentlich alle gedopt sind, war für mich die Idylle vorbei... ...und jetzt fährt sogar Contador wieder mit, egal, eh schon wieder wurscht, gleich kommt Brasilien : Norwegen da freu ich mich wirklich drauf...! ;---)
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