China-Star Skandalschwimmer Sun Yang feiert WM-Titel - Konkurrent protestiert bei Siegerehrung

Der erste WM-Titel bei den Beckenschwimmern in Gwangju hat gleich einen Beigeschmack: Der des Dopings verdächtige Sun Yang gewann über die 400 Meter Freistil. Der zweitplatzierte Mack Horton zeigte seinen Protest.

Zumindest einer feiert Sun Yangs vierten WM-Titel: er selbst
Stefan Wermuth REUTERS

Zumindest einer feiert Sun Yangs vierten WM-Titel: er selbst


Der seit Jahren unter Dopingverdacht stehende Olympiasieger Sun Yang hat bei der Schwimm-WM in Südkorea den Titel über 400 Meter Freistil gewonnen. Der Chinese schlug bei der ersten Entscheidung der Beckenwettbewerbe nach 3:42,44 Minuten an. Zum nun zehn Jahre alten Weltrekord von Paul Biedermann fehlten dem 27-Jährigen über zwei Sekunden. Silber ging an Mack Horton aus Australien, Bronze an Gabriele Detti aus Italien. Es ist der vierte WM-Titel des Chinesen in Folge.

Silbermedaillengewinner Horton protestierte auf seine Weise gegen den Gewinner. Bei der Siegerehrung blieb der Australier hinter dem Podium stehen.

Mack Horton bleibt bei der Siegerehrung einfach stehen
Ed Jones AFP

Mack Horton bleibt bei der Siegerehrung einfach stehen

Der Start Sun Yangs wurde wiederholt von der internationalen Konkurrenz kritisiert. Bei einer unangekündigten Dopingkontrolle im September 2018 in China war laut Medienberichten eine Probe mit Sun Yangs Blut mit einem Hammer zertrümmert worden. Der 27 Jahre alte Schwimmer soll daran direkt beteiligt gewesen sein, lautet der Vorwurf. Das Doping-Panel der Fina hatte ihn am 3. Januar dieses Jahres allerdings vom Betrugsverdacht freigesprochen.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada legte Berufung gegen die Fina-Entscheidung ein. Der Fall soll im September vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas verhandelt werden.

Sun Yang war bereits 2014 wegen Dopings für drei Monate gesperrt. Sollte ihm ein weiteres Vergehen nachgewiesen werden, dürften die Sanktionen für den Chinesen deutlich strenger ausfallen. Olympia in Tokio dürfte dann kein Thema mehr für ihn sein.

Um Sun Yang gab es wiederholt Ärger, nicht nur wegen der Sperre 2014. Bei der WM 2015 soll der Chinese laut Augenzeugen eine brasilianische Sportlerin im Einschwimmbecken attackiert haben. Seinen späteren überraschenden Verzicht auf das anschließende 1500-Meter-Finale als Titelverteidiger erklärte er mit Herzproblemen.

aha/dpa



insgesamt 14 Beiträge
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frank.huebner 21.07.2019
1. Man will die Chinesen nicht verärgern
Die Chinesen bringen Einschaltqouen und Werbeeinnamen im wichtigen chinesischen Markt. Da will man es sich mit den Medaillenmaschinen nciht verscherzen. Daher hat man die mutwillige Zerstörung der A-Probe auhc schulterzuckend hingenommen. Es müssen mehr Kontrollen gemacht werden, mit lebenslanger Sperre der Täter. Aber da will keiner ran. Also lässt man die Doper weiter Medaillen gewinnen.
RalfHenrichs 21.07.2019
2. Bis zur Verurteilung
ist man unschuldig. Er ist nicht verurteilt, also ist er unschuldig. Der Protest von Horton ist daher menschlich verständlich, aber unsportlich und sollte daher entsprechend sanktioniert werden.
noalk 21.07.2019
3. Unschuldsvermutung
Zitat von RalfHenrichsist man unschuldig. Er ist nicht verurteilt, also ist er unschuldig. Der Protest von Horton ist daher menschlich verständlich, aber unsportlich und sollte daher entsprechend sanktioniert werden.
Ist nicht unschuldig, sondern vermutlich unschuldig. Die unschuldsvermutung gilt für offizielle stellen, nicht für Individuen. Horton kann darüber denken, was er will, und das auch auf eine von ihm als angemessen empfundene weise ausdrücken. Im übrigen gilt auch für ihn diese unschuldsvermutung. Dass er aus Protest gegen yangnicht aufs Podest stieg, ist zunächst nur eine unbewiesenne Behauptung, auch wenn sie naheliegend scheint. Vielleicht hat er ja nur eine Knieverletzung.
rainerb 21.07.2019
4. Wenn schon, denn schon!
Wenn man als Oberlehrer auftritt, dann sollte es richtig sein. Nach Artikel 6 Absatz 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention enthält die Gewährleistung der strafrechtlichen Unschuldsvermutung: Jedermann hat solange als unschuldig zu gelten, bis in einem allgemeinen gesetzlich bestimmten Verfahren rechtskräftig seine Schuld festgestellt wurde. Die Unschuldsvermutung erfordert, dass jeder einer Straftat Verdächtigte oder Beschuldigte während der gesamten Dauer des Strafverfahrens als unschuldig behandelt wird und nicht er seine Unschuld, sondern die Strafverfolgungsbehörde seine Schuld beweisen muss. Sorry, aber somit gilt das auch für Individuen!
rudeiro 21.07.2019
5. Den Sumpf trocken legen
Den Dopingsumpf kann man meiner Meinung nach auf zwei Arten trockenlegen: 1. erlauben für alle ohne wenn und aber oder 2. hart durchgreifen: beim ersten Vergehen lebenslange Sperre.
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