Patriot-Quarterback Brady 3...2...1...seins!

Die Football-Saison in der NFL war wenig berauschend, das Finale aber wurde zum spannendsten der Geschichte. Tom Brady führte New England zum erneuten Super-Bowl-Triumph - und wurde dann gemein beklaut.

Aus Houston berichtet


Tom Brady war sauer, richtig sauer. Er hatte soeben mit seinen New England Patriots den 51. Super Bowl gewonnen, den spannendsten der Football-Geschichte.

Brady hatte mit seinem Team im Endspiel von Houston gegen die Atlanta Falcons ein nie dagewesenes Comeback geschafft und trotz eines 3:28-Rückstands noch 34:28 nach Verlängerung gesiegt. Für ihn war es der fünfte Meistertitel. In der NFL gibt es keinen erfolgreicheren Quarterback als Thomas Edward Patrick Brady. Aber all diese Glücksmomente waren plötzlich überschattet.

"Das ist nicht gut", schimpfte Brady, als er in die Umkleidekabine kam: "Eben war es noch da, jetzt ist es weg." Grund für die Aufregung: Das weiße Trikot, in dem er seine Mannschaft zum Sieg geführt hatte, war weg. Er wisse genau, wo er es hingepackt habe, sagte Brady. Und trotzdem war das durchgeschwitzte, weiße Jersey mit der Rückennummer zwölf unauffindbar. Brady rief nach dem Sicherheitsdienst, doch auch der konnte nicht helfen.

Es war der einzige Makel für die Patriots an diesem historischen Abend. Was hatten sie sich in der ersten Halbzeit schwergetan, wie wurden sie von diesen Atlanta Falcons teilweise vorgeführt, überrannt, gedemütigt. New England galt vor allem aufgrund der erfahrenen Akteure - für Brady und Belichick war es der siebte Super Bowl - als klarer Favorit, wirkte aber nahezu drei Viertel der Partie wie eine Anfängertruppe. Nicht Brady brillierte, sondern Matt Ryan. Der Falcons-Quarterback war am Vorabend verdient als wertvollster Spieler der Saison ausgezeichnet worden.

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Halbzeitshow beim Super Bowl: Lady Gaga on fire

Und Ryan spielte auch bei seiner Super-Bowl-Premiere beeindruckend unbeeindruckt. Seine Würfe waren ein Genuss, die beste Offensive der Saison kam früh auf Hochtouren. Atlanta führte im zweiten Viertel 14:0. Als es dann endlich mal nach einem viel versprechenden Angriff der Patriots aussah, fing Cornerback Robert Alford einen Brady-Pass ab und trug den Football 82 Yards bis hinüber in die gegnerische Endzone - 21:0. Auch im zweiten Durchgang änderte sich zunächst nichts. Atlanta erhöhte durch Tevon Coleman auf 28:3. Doch dann folgte ein historischer Absturz der Falcons.

Es ist nicht immer leicht, bei einem solchen Einbruch - oder, je nach Betrachtungsweise, Comeback - eine entscheidende Aktion als Ursache auszumachen. "Es gab viele Spielzüge, wahrscheinlich 30 - und jeder hätte den Ausgang ändern können", sagte Brady. Eingangs des Schlussviertels lagen seine Patriots 9:28 hinten. Als noch 5:56 Minuten zu spielen waren, hatten sie sich auf 20:28 herangearbeitet.

Dann bekam Atlanta den Ball, Matt Ryan warf immer noch präzise und vorne fing vor allem Julio Jones spektakulär. 3:56 Minuten vor dem Ende waren die Falcons an der 22-Yards-Linie der Patriots und somit nah genug an der Endzone, um diesen Angriff mindestens mit einem Field Goal abschließen zu können. Ihr Vorsprung hätte dann elf Punkte betragen. Das wäre bei der verbleibenden Spielzeit wohl nicht mehr aufzuholen gewesen.

Doch dann trat einer dieser stillen Helden in den Vordergrund. Einer, den außerhalb der Neuengland-Staaten wohl nur Experten kennen - Trey Flowers.

Der Defensive End der Patriots wühlte sich zu Ryan durch, drängte ihn zurück und riss ihn schließlich zu Boden. Atlanta verlor durch diese Aktion elf Yards. Anschließend kamen zehn weitere Yards hinzu, weil Jake Matthews seinen Gegner regelwidrig gehalten hatte. Somit waren die Falcons plötzlich wieder fast an der Mittellinie und damit zu weit weg, um ein Field Goal zu erzielen. Sie mussten punten und New England den Ball überlassen.

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Super Bowl: Historischer Sieg der Patriots

Brady bekam eine weitere Chance - und nuzte sie. Jeder Pass kam nun punktgenau. Hinzu kam etwas Glück, als die Falcons-Defensive einen Pass eigentlich schon abgefangen hatte, New Englands Wide Receiver Julian Edelman das Ei trotz dreier Gegenspieler aber dennoch mit der spektakulärsten Aktion der Partie fing. Nachdem Runningback James White eingangs der Schlussminute mit einem Touchdown auf 26:28 verkürzte, musste der anschließende Zwei-Punkte-Versuch sitzen, damit New England die Verlängerung erzwingt. Brady bediente Amendola, der lief in die Endzone. 28:28.

Die 70.807 Zuschauer, die einen Ticketpreis von im Schnitt rund 4500 Dollar bezahlt hatten, bekamen für ihr Geld nicht nur unglaubliche Spannung und die größte Aufholjagd der Super-Bowl-Geschichte geboten, sondern auch erstmals eine Verlängerung.

Meinungskompass

Die Patriots hatten den Ball, starteten den Angriff an der eigenen 25-Yard-Linie. Es folgten vier erfolgreiche Brady-Pässe, ein Zehn-Yard-Lauf von White sowie eine Strafe von zehn Yards gegen Atlanta - und schon war New England direkt vor der Falcons-Endzone. James White setzte den Schlusspunkt.

Es mag die schlechteste NFL-Spielzeit seit einigen Jahren gewesen sein - die Zuschauerzahlen gingen zurück, viele Partien waren einseitig und vorhersehbar. Doch diese Saison 2016/2017 hatte das beste Finale der Ligageschichte. Nur eben nicht für die Atlanta Falcons - und für Brady.

Ob er sein Trikot noch gefunden habe, wollte jemand wissen, als der Quarterback die Kabine verließ. "Nein", entgegnete Brady. "Ich denke, das wird wohl bald bei Ebay auftauchen."

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insgesamt 28 Beiträge
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blitzunddonner 06.02.2017
1. fragt mal icke ...
fragt mal icke .. nach dem shirt. lol.
treime 06.02.2017
2. Langweilige Saison?
Sehe ich nicht so. Packers comeback ("we can run the table"), Titans fast in den Playoffs (wenn Mariota sich nicht das Wadenbein gebrochen hätte), etc.pp. Langweilig ist anders. Gab viele Highlights.
the_speaker 06.02.2017
3. Unfassbares Spiel
diese Spannung, Action und Taktik sucht man z.B. im Fußball in den meisten Fällen umsonst. Glückwunsch an die Pats zu einem verdienten Sieg. Glückwunsch aber auch an Matty Ice und die Falcons für diese über weite Strecken beeindruckende Demonstration ihrer Stärke und perfekten Vorbereitung. Das wird nicht die letzte SB-Teilnahme der Falcons gewesen sein. Cool, dass SpOn mal bisschen intensiver über diese geniale Sportart berichtet, die auch in Deutschland immer mehr Fans findet.
Butenkieler 06.02.2017
4. Trumps Favoriten
Trump hatte diese Mannschaft als seine Favoriten bezeichnet. Also mußten sie gewinnen. Wie auch immer.
CancunMM 06.02.2017
5.
Zitat von ButenkielerTrump hatte diese Mannschaft als seine Favoriten bezeichnet. Also mußten sie gewinnen. Wie auch immer.
Sinnfreier Beitrag ! Welche Szene wurde denn zu Ungunsten der Falcons bewertet, die nicht auch so war ? Beide Mannschaften hätten es verdient gehabt den Superbowl zu bekommen. Ryan hat überragend geworfen und hat nur 1x eine falsche Entscheidung getroffen, die allerdings den Sie kostete. Hätte er den Ball vor dem Sack weggeworfen kurz vor Schluss, hätte es keinen Raumverlust gegeben und man hätte ein Fieldgoal mit ziemlicher Sicherheit erzielt. Dann hätte den Patriots danach auch der Tochdown nicht mehr gereicht. Und die Regel in der Verlängerung, dass die andere Mannschaft nach dem Touchdown keine Gelegenheit mehr bekommt zu antorten finde ich blöd. Aber trotzdem Gratulation den Patriots !
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