Super-Bowl-Sieg der New England Patriots Zum Titel verteidigt

Tom Brady hat als erster Footballprofi zum sechsten Mal den Super Bowl gewonnen. Aber den Titel in diesem Jahr hat er vor allem der überragenden Defensive der New England Patriots zu verdanken.

Stephon Gilmore (l.), Brandin Cooks
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Stephon Gilmore (l.), Brandin Cooks

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Die Entscheidung: Sieben Minuten vor Ende des Super Bowls gingen die New England Patriots 10:3 in Führung. Der Touchdown durch Sony Michel war ohne Frage wichtig. Noch wichtiger war aber, was danach passierte. Die Los Angeles Rams standen vor der gegnerischen Endzone. Dann versuchte es Quarterback Jared Goff zweimal mit Anspielen in Richtung Brandin Cooks. Den ersten Pass ließ der Receiver fallen, beim zweiten ging sein Gegenspieler Stephon Gilmore dazwischen und fing den Ball ab. Die Patriots hatten den Angriff der Gegner gestoppt und brachten den Sieg nach Hause.

Das Ergebnis: New England erzielte noch ein Field Goal und besiegte die Rams 13:3. Hier geht es zur Meldung.

Historisch: Der 53. Super Bowl war in vielerlei Hinsicht geschichtsträchtig. So wenige Punkte wie in diesem Jahr hatte es im Endspiel um die NFL-Meisterschaft noch nie gegeben. Außerdem wurde Tom Brady zum ersten Spieler, der sein Team zu sechs Titeln führte. Und auch Rams-Punter Johnny Hekker darf sich über einen Rekord freuen.

Punt-Festival: Eigentlich ist der Punt im American Football die Ultima Ratio. In diesem Spiel war er das meistgenutzte Stilmittel. Neunmal mussten die Rams den Ball zu den Patriots schießen - bei insgesamt zwölf Angriffsversuchen. New England gab ihn fünfmal auf dieselbe Weise zurück. Über weite Strecken des Spiels flog das Ei immer nur von einer Hälfte in die andere.

Das erste Viertel: Dass dieser Super Bowl anders werden würde, deutete sich schon im ersten Angriff der Patriots an. Brady, der erfolgreichste Quarterback der NFL-Geschichte, warf den Ball gleich bei seinem ersten Passversuch zum Gegenspieler. Die Rams konnten das aber nicht nutzen. Die Abwehrreihen auf beiden Seiten dominierten. Bezeichnend: Das einzige offensive "Highlight" des ersten Abschnitts war ein verschossenes Field Goal von Patriots-Kicker Stephen Gostkowski.

Das zweite Viertel: Unterschied sich vom ersten nur in zwei Punkten: Brady leistete sich keinen Fehlpass, und Gostkowski traf mit einem Field Goal, anstatt vorbeizuschießen. Die hochgelobte Offensive der Rams, die in der regulären Saison im Schnitt 32,9 Punkte pro Spiel erzielt hatte, fand in der gesamten ersten Hälfte im Grunde nicht statt. Von 30 Minuten effektiver Spielzeit war das Team des gefeierten Trainers Sean McVay vor der Pause nur fünfeinhalb Minuten in Ballbesitz. Das lag zum einen an der indiskutablen Leistung der Rams-Angreifer, zum anderen aber natürlich auch an der Abwehr der Patriots, die perfekt eingestellt war und nichts zuließ.

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Super-Bowl-Halbzeitshow: Nackter Oberkörper und dicker Pelz

Die Halbzeitshow: Viele Fans waren vom Spiel enttäuscht, weil das erhoffte Offensivspektakel ausblieb. Dieses Gefühl setzte sich in der Pause fort. Der Auftritt von Maroon 5 war ähnlich uninspiriert und überraschungsarm wie die Partie und sorgte für Unmut in den sozialen Netzwerken.

Rätselraten um Gurley: Ein Grund für die schwache Vorstellung der Rams vor der Pause könnte gewesen sein, dass Todd Gurley fast keine Spielzeit bekam. Der Runningback hatte in der regulären Saison 21 Touchdowns erzielt - so viele wie kein anderer Spieler in der NFL. Allerdings zog er sich zum Ende der Spielzeit eine Knieverletzung zu, verpasste zwei Partien und kam in den Playoffs nur sporadisch zum Einsatz. Weil er offiziell nicht als verletzt gemeldet worden war und im Kader stand, wurde spekuliert, ob er aus disziplinarischen Gründen auf der Bank saß. Doch man muss davon ausgehen, dass Coach McVay einen seiner Schlüsselspieler aufs Feld geschickt hätte, wenn er fit gewesen wäre. In der zweiten Hälfte kam Gurley mehr zum Einsatz - und sofort wurde die Leistung der Rams besser.

Todd Gurley
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Todd Gurley

Das dritte Viertel: Punt hier, Punt da. Ansonsten passierte lange Zeit - nichts. Spannend blieb das Spiel nur wegen des Ergebnisses. Denn tatsächlich kamen die Rams nach ihrem ersten guten Angriff zum Ausgleich. Kicker Greg Zuerlein verwandelte ein Field Goal aus 53 Yards zum 3:3. Nach sage und schreibe 42:45 Minuten war das Team aus Los Angeles im Super Bowl angekommen.

Das vierte Viertel: Im Schlussabschnitt schienen die Fans im Stadion in Atlanta endgültig genug zu haben. Mit "Brady, Brady"-Sprechchören forderten sie den Superstar dazu auf, endlich etwas von seiner Klasse zu zeigen. Und genau das machte er. Mit Pässen auf seine Lieblingsanspielstationen Julian Edelman und Rob Gronkowski trieb Brady die Patriots von der eigenen 31-Yard-Linie bis kurz vor die gegnerische Endzone. Runningback Michel erledigte den Rest. Dann folgten die Interception von Gilmore (siehe oben) und ein weiteres Field Goal von Gostkowski. Der Rest war Jubel.

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53. Super Bowl: Abwehrschlacht in Atlanta

Alte weiße Männer: Brady wird im August 42 Jahre alt, auch Gronkowski (29) und Edelman (32) sind im fortgeschrittenen Football-Alter. Doch wenn es darauf ankommt, ist Erfahrung eben unbezahlbar. Brady führte sein Team zum Sieg, Edelman wurde zum wichtigsten Spieler der Partie gewählt und der "Gronk" fing den vorentscheidenden Pass. Nach dem Spiel wurden alle drei gefragt, ob sie ihre Karrieren jetzt nicht beenden wollten. Die beste Antwort darauf gab Gronkowski: "Mein Plan für meine weitere Karriere ist ganz einfach: Ich werde heute Abend mit meinen Mannschaftskameraden feiern."

New England Patriots - Los Angeles Rams 13:3 (0:0, 3:0, 0:3, 10:0)
3:0 - 42-Yard-Field-Goal Gostkowski (20.)
3:3 - 53-Yard-Field-Goal Zuerlein (43.)
10:3 - Zwei-Yard-Lauf von Michel, Extrapunkt Gostkowski (53.)
13:3 - 41-Yard-Field-Goal Gostkowski (59.)



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kodu 04.02.2019
1. Der LIII. Superbowl...
...stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Die Festtags-Stimmung war v.a. aufgrund der Umstände, durch die die Rams das Endspiel erreicht hatten, vergiftet. Mit dem Sieg der favorisierten Patriots setzt sich diese Ungerechtigkeit nun wenigstens nicht noch fort.
coyote38 04.02.2019
2. Glück gehabt ...
Habe mit dem Gedanken gespielt, am Montag frei zu nehmen und Super Bowl zu schauen ... hab's dann aber doch sein lassen. Und scheine auch nichts verpasst zu haben ...^^
achilles2017 04.02.2019
3. 10:3 für Pats....
Fernseher ausgeschaltet und schlafen gelegt. War klar das da nichts mehr passiert. Endergebnis gibt mir vollkommen recht. Schlimmster langweiligster SB aller Zeiten. Leider hat die Rams/Coach im Finale doch der Mut gefehlt etwas risikoreich zu spielen.
weizenspreu 04.02.2019
4.
Sehr schade, aber irgendwie war mir schon zur Halbzeit klar, dass es fuer die Rams wohl nicht reichen wuerde. Goff ein Schatten seiner selbst mit zu vielen vermeidbaren Fehlern und die Defense der Patriots war verdammt gut. Das muss man einfach zugeben. Gute Nacht
skeptikerjörg 04.02.2019
5. Worin liegt die Faszination?
Ich dachte, wenn so viele Menschen dem Ereignis entgegen fiebern, muss da was dran sein. Also hab ich mir einen Teil der Nacht um die Ohren geschlagen und Super Bowl geschaut. Ergebnis ist ernüchternd. Ich fand es langweilig, spannend wie Schach oder Eisstockschießen. Ok, vielleicht bin ich zu blöd, aber Football scheint ein reines Strategiespiel mit ferngesteuerten Figuren zu sein. 7 bis 10 Sekunden Aktion und dann Unterbrechung. Aber ich kann auch die Begeisterung der Amerikaner für Baseball nicht verstehen. Liegt wohl an mir. Ich bleibe dann lieber bei Fußball/Soccer oder auch Handball und zieh mir ab und zu mal ein Basketballspiel der NBA rein. Mit American Football kann ich echt nichts anfangen. Mit Eisstockschießen übrigens auch nicht.
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