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New England Patriots: Der Superstar und sein Beschützer

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Deutscher im Super Bowl Der Bodyguard des Superstars

Tom Brady hat die New England Patriots erneut ins NFL-Finale geführt. Sebastian Vollmer beschützt ihn mit seinen 145 Kilogramm. Ein anderer Deutscher musste überraschend zuschauen.

Auf den Parkplätzen rund um das Gillette-Stadium in Foxborough strömten die Fans singend und feiernd zu ihren Autos. In der Kabine der New England Patriots hielt sich der Jubel dagegen in Grenzen. Nur wenig deutete bei den Siegern darauf hin, dass die Patriots nach dem 45:7-Heimerfolg über die Indianapolis Colts zum achten Mal den Super Bowl erreicht hatten.

Sebastian Vollmer, 2,03 Meter groß, 145 Kilogramm schwer, zog sich seelenruhig seine schwarze Jeans und den dunklen Wollpullover an. Als der deutsche Right Tackle der Patriots mit den Medien sprach, klang er so emotionslos, als hätte er gerade die erste Trainingseinheit der Saisonvorbereitung hinter sich gebracht. Auch Tom Brady, dem Vollmer seit sechs Jahren als Tackle zuverlässig die Gegner vom Leib hält, zeigte keinerlei Euphorie, als er im Nebenraum bei der Pressekonferenz am Podium stand. "Es war ein großartiger Mannschaftserfolg", sagte der Quarterback-Star, um schnell anzufügen, dass "das beste Spiel hoffentlich noch kommen" werde. Gemeint ist das Finale am 1. Februar in Glendale/Arizona gegen Meister Seattle Seahawks.

Vollmer steht zum zweiten Mal nach 2012 im Super Bowl. Er hatte sich gegen Indianapolis auf ein Duell gegen Landsmann Björn Werner gefreut - es wäre das erste deutsche Aufeinanderantreffen in der NFL-Playoff-Geschichte gewesen. Doch Outside Linebacker Werner wurde vor der Partie überraschend von Trainer Chuck Pagano aus dem Kader gestrichen. Warum, ließen sowohl der Coach als auch der Berliner offen.

Werner hat den Durchbruch noch nicht geschafft

Klar ist jedoch, dass Werner in seiner zweiten NFL-Saison nicht den erhofften nächsten Schritt in seiner Entwicklung gemacht hat. Nachdem Robert Mathis, die Nummer eins auf seiner Position, die Saison über aufgrund einer Dopingsperre und wegen eines anschließenden Achillessehnenrisses ausfiel, war Werner gesetzt. Doch seine Leistungen entsprachen viel zu selten denen eines Stammspielers.

Lediglich vier Mal war es ihm gelungen, den Quarterback zu Boden zu reißen. Die Fans hatten weitaus mehr erwartet, schließlich wurde Werner 2013 in der ersten Runde gedraftet. "Man kann immer besser werden", meinte der 24-Jährige.

Werner will nun Vollmer die Daumen drücken - und der wiederum will seine zweite Finalchance nutzen. Vor drei Jahren verlor der gebürtige Düsseldorfer mit New England in der Schlussminute gegen die New York Giants 17:21. Dass er jetzt erneut im Endspiel stehe, sei natürlich schön, so Vollmer. Zumal es "wirklich anstrengend" sei, dorthin zu kommen und viel Arbeit dahinterstecke. "Aber natürlich will man auch irgendwann mal gewinnen."

Dies geht Tom Brady genauso. Er hat zwar in seiner Karriere bereits dreimal die Vince Lombardi Trophy in den Händen gehalten, allerdings datiert der bislang letzte Erfolg vom 6. Februar 2005. Es folgten zwei Super-Bowl-Niederlagen - 2008 und 2012 jeweils gegen die Giants. Brady weiß, dass sein sechstes Endspiel (Rekord für einen Quarterback) womöglich seine letzte Chance auf den vierten Titel sein könnte.

Brady hat es allen noch einmal gezeigt

Somit würde er mit Joe Montana und Terry Bradshaw gleichziehen - doch daran denkt Brady noch nicht. Auf der Pressekonferenz wurde er gefragt, ob dieser Finaleinzug besonders befriedigend sei, da ihn einige zu Saisonbeginn schon abgeschrieben hatten. Brady wich aus und antwortete, dass es für ihn viele Motivationsgründe gebe.

Tatsächlich waren Ende September selbst im Großraum Boston die Stimmen unüberhörbar, die sich nach der 14:41-Niederlage bei den Kansas City Chiefs fragten, ob dieser Tom Brady noch die Klasse hat, dieses Patriots-Team zu führen.

Sein ewiger Kontrahent, der ein Jahr ältere Peyton Manning, warf derweil für die Denver Broncos Touchdowns en masse, sodass der angesehene NFL-Experte Peter King in seiner Rubrik "Monday Morning Quarterbacks" auf der Internetseite der "Sports Illustrated" am 20. Oktober schrieb: "Manning spielt in Denver mit 36, 37 und 38 Jahren besser als zu seinen angeblichen besten Zeiten." Tags zuvor hatte Manning gegen die San Francisco 49ers den 509. Touchdown seiner Karriere geworfen und Brett Favre als Nummer eins der ewigen Bestenliste verdrängt.

Trotzdem steht nun nicht er, sondern Brady im Super Bowl. Der Erfolg gegen die Colts war sein 20. in den Playoffs. Brady hat somit mehr K.o.-Runden-Siege als 21 der 32 NFL-Clubs. Und Manning, in der Vorwoche überraschend mit Denver gegen die von New England vorgeführten Colts ausgeschieden, überlegt, ob es überhaupt Sinn hat, seine Karriere fortzusetzen.

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