T-Mobile-Kündigung akzeptiert Ullrich gehen Millionen durch die Lappen

Der in den spanischen Dopingskandal verstrickte Radprofi Jan Ullrich hat nach Informationen des SPIEGEL überraschend die Kündigung seines Teams T-Mobile angenommen. Damit verzichtet er auf eine Millionenabfindung – allerdings nicht ganz freiwillig.

Worte können Millionen wert sein - und falsche Worte einen Millionenverlust bedeuten. Diese Erfahrung muss nun wohl auch Jan Ullrich machen. Der mit Dopingvorwürfen konfrontierte Radprofi wollte die Kündigung seines Rennstalls T-Mobile eigentlich nicht akzeptieren. Doch eine leichtfertige Äußerung seines Managers Wolfgang Strohband hat ihn dazu gezwungen.

Nach Informationen des SPIEGEL hat Ullrich am gestrigen Freitag die am 20. Juli von T-Mobile ausgesprochene Kündigung akzeptiert - und somit auf eine Abfindung in Millionenhöhe verzichtet. Sein Manager Strohband war am 17. August vom Sport-Informationsdienst mit den Worten zitiert worden: "Für T-Mobile wird Jan mit Sicherheit nie mehr in den Sattel steigen, dieses Kapitel ist für uns endgültig abgeschlossen."

Nach Meinung von Arbeitsrechtsexperten entzog Strohband damit den finanziellen Forderungen seines Klienten die Grundlage. Denn um den Anspruch auf eine Abschlusszahlung zu wahren, hätte Ullrich sich T-Mobile vorerst weiter für Renneinsätze anbieten müssen, weil sein Vertrag noch bis Ende 2006 lief. Anwälte des Radprofis und des Bonner Mobilfunkunternehmens hatten sogar bereits Gespräche über die Höhe einer möglichen Abfindung geführt. Ullrich hatte bei seinem Rennstall jährlich 2,5 Millionen Euro verdient.

Strafanzeigen gegen Ullrich

Der Millionenverlust ist allerdings nicht das einzige Problem, das Ullrich derzeit hat. So geht die Schlammschlacht mit dem Doping-Experten Werner Franke in eine neue Runde. Der Radstar hatte zunächst eine einstweilige Verfügung gegen Franke erwirkt, weil der Professor aus Heidelberg behauptet hatte, der ehemalige T-Mobile-Kapitän habe in einem Jahr 35.000 Euro für illegale Substanzen ausgegeben.

Franke hat inzwischen Widerspruch gegen diese Verfügung eingelegt und zudem Strafanzeige gegen Ullrich erstattet. Er bezichtigt den unter Dopingverdacht stehenden ehemaligen Tour-Sieger, wider besseres Wissen eine eidesstattliche Versicherung abgegeben zu haben, wonach er nichts mit der Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes zu tun habe. Das aber stehe im Widerspruch zu den Unterlagen der Guardia Civil, sagte der 66-jährige Franke, dem die Dokumente nach eigener Aussage vorliegen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

In der Dopingaffäre ermittelt nun auch die Bonner Staatsanwaltschaft gegen Ullrich, dessen sportlichen Betreuer Rudy Pevenage sowie den spanischen Rennfahrer Oscar Sevilla. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Fred Apostel dem Magazin "Focus". Unter dem Aktenzeichen 430 Js 936/06 hätten die Ermittler ein Verfahren wegen des Verdachts auf Betrug zum Nachteil des Rennstalls T-Mobile eingeleitet.

Damit reagieren die Staatsanwälte auf eine Strafanzeige von Ex-Leichtathletin Britta Bannenberg. Die heutige Professorin für Strafrecht und Kriminologie in Bielefeld hatte die beiden Profis und den Berater angezeigt, weil "der Sport in Deutschland sauber bleiben" müsse. Die Rennfahrer hätten ihr Team betrogen und damit Vertragsbruch begangen, begründete Bannenberg ihre Anzeige.

In seiner Wahlheimat Schweiz muss Jan Ullrich dagegen zumindest vorerst nicht mit einem Verfahren rechnen. Laut "Bild" hatte der zuständige Schweizer Radsportverband zwar vom Weltverband UCI belastende Unterlagen bekommen. Diese aber trugen weder Unterschriften noch Stempel. "Solche Papiere hätte kein Gericht der Schweiz als Beweismittel anerkannt. Somit wird Jan Ullrich im Moment vom Schweizer Verband auch nicht gesperrt", sagte Radsport-Präsident Lorenz Schläfli.

hda/sid

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