T-Mobile-Team Weiterer Fahrer unter Doping-Verdacht

Nach Jan Ullrich und Oscar Sevilla ist mit Jörg Ludewig ein weiterer Akteur des Team T-Mobile unter Doping-Verdacht geraten. Allerdings soll sich der Fahrer schon vor seiner Zeit bei der Mannschaft um illegale Substanzen bemüht haben.
Von Clemens Gerlach, Jörg Schallenberg und Steffen Gerth

Valkenburg - Dem T-Mobile-Team liegen Indizien vor, dass sich ihr Profi Jörg Ludewig 1998 um die Beschaffung von Dopingmitteln bemüht haben soll. "Die Hinweise haben uns veranlasst, der Sache nachzugehen", sagte Team-Sprecher Christian Frommert zu SPIEGEL ONLINE. "Uns betrifft die Sache nicht, da Ludewig im fraglichen Zeitraum nicht bei uns unter Vertrag stand", so Frommert. "Wir haben aber dennoch Handlungsbedarf gesehen." Ludewig sei vorerst nicht suspendiert, zunächst werde die Sachlage geprüft. Der Fahrer selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, er will sich heute offziell erklären.

Der 30-Jährige stand 1999 beim Team Gerolsteiner unter Vertrag, für diesen Rennstall fuhr er allerdings nur eine Saison. Bei den Dokumenten, auf die sich das T-Mobile-Team beruft, handelt es sich nach Informationen von SPIEGEL ONLINE um das Material einer nie gesendeten ZDF-Reportage. Darin enthalten seien auch handschriftliche Briefe eines bislang anonymen Rennfahrers vom Team Gerolsteiner, der sich detailliert nach Dopingtipps erkundigt und damit prahlt, im Urlaub auf die griechische Insel Rhodos "zum Einkaufen" zu fahren - womit im einschlägigen Jargon die Beschaffung illegaler Substanzen gemeint ist.

Ein "kriminelles System von Körperverletzung und massenhaften Verstößen gegen Arzneimittelgesetze" würden Fahrer des Rennstalls Gerolsteiner noch heute betreiben, hatte der renommierte Doping-Experte Werner Franke aus Heidelberg am Montag in der "Süddeutschen Zeitung" berichtet.

Bei Gerolsteiner soll der Artikel eine überraschende Wirkung erzielt haben - wie Team-Manager Hans-Michael Holczer SPIEGEL ONLINE sagte: "Als ich das zu Beginn der Mannschaftsbesprechung meinen Fahrern mitgeteilt habe, sind die in schallendes Gelächter ausgebrochen."

Anschließend präzisierte Holczer jedoch: "Die Vorwürfe sind nicht neu und ohne konkrete Beweise." Tatsächlich hatte sich Experte Franke auf das Reportage-Material berufen, die ihm ein ZDF-Redakteur zum Überprüfen gegeben hat und das nun auch T-Mobile vorliegt.

Die Dokumente, die vier Seiten umfassen, hat der 66-Jährige inzwischen auch dem Team Gerolsteiner zugefaxt. Dort wunderte man sich vor allem über das Datum auf den Papieren, die aus dem Jahr 1998 stammten. Teamchef Holczer erklärte daher: "Nach einer ersten Analyse des Textes kommt nur ein begrenzter Kreis in Frage, zu dem der Profi gehört, der im Jahr 1999 für Gerolsteiner gefahren ist. Keiner der in Frage kommenden Fahrer war in den letzten vier bis fünf Jahren noch Mitglied unseres Teams." Ludewig kam 1999 von Bayer Worringen zu Gerolsteiner und wechselte bereits 2000 weiter zum Team Saeco. Seit 2006 fährt er für T-Mobile.

Werner Franke bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass die Dokumente bereits acht Jahre alt sind. Dass sich damit schwerlich ein zur Zeit existierendes kriminelles System bei Gerolsteiner belegen lässt - wie der SZ-Artikel nahelegt -, ist dem Professor für Zell- und Molekularbiologie "scheißegal". Franke: "In einem kriminellen System werden solche Dinge immer erst mit Zeitverzögerung bekannt. Wenn es heute anders läuft, dann soll Gerolsteiner jetzt nach vorne gehen und die Sache aufklären."

Das will Holczer auch tun - aber erst nach der Tour de France. "Ein akuter Handlungsbedarf ergibt sich aus meiner Sicht nicht", sagte der 52-Jährige. Dass in seinem Rennstall systematisches Doping betrieben wird, schloss er kategorisch aus. Nach Holczers Meinung führte Franke "eine Art Feldzug gegen Gerolsteiner". Das bestritt der Doping-Experte vehement: "Ich bin Wissenschaftler. Mir ist das doch egal, um welches Team es geht."

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