Talkgast bei Larry King Armstrong wirft Franzosen Neid vor

Eigentlich hatte sich Lance Armstrong ein Interview-Verbot auferlegt. Zu den Vorwürfen, in seinem Urin sei Epo gefunden worden, wollte sich der siebenmalige Toursieger nicht genauer äußern. Für den amerikanischen Talkmaster Larry King machte Armstrong aber ein Ausnahme.


Talkgast Armstrong: "Absurde Anschuldigungen"
AFP

Talkgast Armstrong: "Absurde Anschuldigungen"

Hamburg - "Ich habe nie gedopt, diese Anschuldigungen sind absurd", sagte der Texaner gestern Nacht in der beliebten amerikanischen Talkshow "Larry King Live".

Armstrong äußerte Zweifel an der Seriösität des Tests im Labor in Chatenay-Malabry, das in 1999 entnommenen Urinproben des Amerikaners das Blutdopingmittel Epo entdeckt haben will. Der siebenmalige Toursieger sagte, dass die Franzosen alle Testrichtlinien verletzt hätten, zudem habe es während der Untersuchungen an Überwachungen gemangelt. "Die Sache mit den sechs Jahre alten Tests stinkt, und sie ist nicht gut für mich. Unglücklicherweise geht es hier um etwas, das dich den Rest deines Lebens verfolgen kann."

Für Armstrong sind die neuerlichen Dopingvorwürfe gegen ihn, die letztlich nach Recherechen der französischen Sportzeitung "L'Equipe" ins Rollen gekommen sind, die Folge der abgekühlten Beziehungen zwischen Frankreich und den USA. Die Franzosen hätten seit Jahren keine eigenen guten Radfahrer mehr. Dass nun ausgerechnet ein Amerikaner die Tour de France dominiert, könnten sie nicht verkraften. Aus ihnen spräche Neid. "Meine ganze Geschichte war für die Franzosen von Anfang an zu gut, um wahr zu sein. Ein französischer Teamkollege hat mal zu mir gesagt, seine Landsleute würden eben keine Gewinner mögen", wetterte der 33-Jährige und sprach von französischem "Schmieren-Journalismus", der ihn seit seinem ersten Toursieg 1999 begleitet habe.

Der siebenmalige Toursieger, der in diesem Sommer seine Karriere beendet hatte sagte, dass er trotz der Dopingvorwürfe gegen ihn weiter gut schlafen könne, und dass das ein gutes Zeichen sei. Zudem erneuerte abermals seine Drohung, den Rechtsweg zu beschreiten, um die Dopingvorwürfe zurückzuweisen. Aber auch bei Larry King wurde der Amerikaner nicht konkret. Die Kosten und die Dauer eines solchen Verfahrens seien erheblich, so der Texaner.

Der Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) Richard Pound kündigte mittlerweile an, dass er die Vorwürfe gegen Armstrong genau prüfen lassen wolle. Hauptgrund dafür ist, dass Pound es erstaunlich findet, dass nicht nur Armstrongs sondern sechs weitere Proben ein positives Ergebnis aufwiesen.



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