Nach 31 Jahren Tauberbischofsheim kein Olympiastützpunkt mehr

Zu klein und zu spezialisiert: Tauberbischofsheim soll seinen Status als Olympiastützpunkt verlieren. Der Fechtclub weigert sich allerdings, die neue Vereinbarung zu akzeptieren.

Degenfechter Fabian Herzberg
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Degenfechter Fabian Herzberg


Das Fechtzentrum Tauberbischofsheim verliert nach 31 Jahren seinen Status als Olympiastützpunkt. Das teilte der Landessportverband Baden-Württemberg (LSV) mit. Gründe dafür seien unter anderem, dass in dem weltbekannten Zentrum weniger als 100 Kaderathleten betreut werden, zudem sei dort nur eine einzige Sportart beheimatet. Zukünftig wird Tauberbischofsheim nur noch als Bundesstützpunkt eingestuft.

Tauberbischofsheim war 1986 zum Olympiastützpunkt ernannt worden und hatte sich unter dem inzwischen verstorbenen Bundestrainer Emil Beck zur deutschen Medaillenschmiede entwickelt. In den vergangenen Jahren setzte allerdings ein sportlicher Niedergang ein: Seit 2005 gab es bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen gerade einmal zwei Einzelmedaillen für Tauberbischofsheimer Sportler. Das Fechtzentrum war zuletzt nach Missbrauchsvorwürfen in die Schlagzeilen geraten: Der SPIEGEL hatte berichtet, zwischen 2003 und 2016 sei es dort zu mehreren Fällen von sexueller Belästigung gekommen.

Der Fechtclub Tauberbischofsheim als tragender Verein des Stützpunkts hat sich allerdings geweigert, die neue gemeinsame Vereinbarung zwischen Bund, dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dem LSV und den Olympiastützpunkten in Baden-Württemberg zu unterzeichnen. Welche juristischen Konsequenzen dieses Nein nach sich zieht, wird derzeit noch geprüft. Zudem soll es noch weitere Gespräche geben.

"Wichtig für uns ist, dass die bisher angebotenen Leistungen für die Sportler weiter nutzbar bleiben und die Betriebskosten für Tauber als Stützpunkt für den Leistungssport gesichert sind", sagte Sven Ressel, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes. "Momentan sind unserer Kenntnis nach damit keine finanziellen Einschnitte verbunden."

Damit bleiben in Baden-Württemberg nur noch drei von insgesamt 18 Olympiastützpunkten: Freiburg-Schwarzwald, Metropolregion Rhein-Neckar und Stuttgart.

chh/sid



insgesamt 6 Beiträge
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Stäffelesrutscher 20.07.2017
1.
»In den vergangenen Jahren setzte allerdings ein sportlicher Niedergang ein: Seit 2005 gab es bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen gerade einmal zwei Einzelmedaillen für Tauberbischofsheimer Sportler. Das Fechtzentrum war zuletzt nach Missbrauchsvorwürfen in die Schlagzeilen geraten: Der SPIEGEL hatte berichtet, zwischen 2003 und 2016 sei es dort zu mehreren Fällen von sexueller Belästigung gekommen.« Jetzt könnte man glatt auf die Idee kommen, dass das »Arbeitsklima« in TBB zum Niedergang geführt hat ...
realplayer 20.07.2017
2.
Fechten ist auch nicht mehr so wichtig. Vor allem wenn man keine goldenen Medaillen mehr gewinnt.
Crom 20.07.2017
3.
Zitat von realplayerFechten ist auch nicht mehr so wichtig. Vor allem wenn man keine goldenen Medaillen mehr gewinnt.
Wie will man denn mehr Medaillen erringen, wenn man nur das fördert, wo man sowieso schon Medaillenerfolge erzielt. Eher müsste man sich Gedanken machen, warum's bei anderen Sportarten nicht mehr oder nicht mehr so gut klappt und dort dann gezielt fördern.
kalsu 20.07.2017
4. Überraschende Begründung
Wer hätte gedacht, dass in einem Fechtzentrum nur eine einzige Sportart beheimatet ist. Ich vermute, es handelt sich dabei ums Fechten?
kalsu 20.07.2017
5.
Zitat von realplayerFechten ist auch nicht mehr so wichtig. Vor allem wenn man keine goldenen Medaillen mehr gewinnt.
Vielleicht gewinnt man ja auch nur deshalb keine Medaillien mehr, weil man keine entsprechenden Stützpunkte mehr, somit keine optimale Sportföderung und somit keine Athelten die Medaillien gewinnen könnten? Das ist doch nicht nur beim Fechten so. Das ist inzwischen in praktisch allen Sportarten so.
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