Team Telekom Dopingvorwürfe gegen zwei Fahrer

Für das Team Telekom hat die Doping-Razzia beim diesjährigen Giro d'Italia ein Nachspiel. Zwei Radprofis der Mannschaft um Kapitän Jan Ullrich befinden sich im Fadenkreuz der italienischen Justiz.


Roberto Sgambelluri, Alberto Elli: "Private Angelegenheit"
DPA

Roberto Sgambelluri, Alberto Elli: "Private Angelegenheit"

Hamburg - Die beiden Team-Telekom-Profis Alberto Elli, 37, und Roberto Sgambelluri, 27 müssen sich in Florenz wegen Dopings vor Gericht verantworten, wie italienische Zeitungen meldeten. Die Staatsanwaltschaft habe nach der größten Doping-Razzia in der Geschichte des Radsports beim 84. Giro d'Italia am Freitagabend ein Verfahren gegen die italienischen Telekom-Fahrer und 50 weitere Personen eingeleitet. Gegen den zunächst wegen seiner Asthma- Medikamente ebenfalls unter Dopingverdacht geratenen Telekom-Kapitän Jan Ullrich werde indes nicht mehr ermittelt. Der "Corriere della Sera" schrieb am Sonntag sogar von 80 Personen, darunter 25 Ausländer, die sich einem Verfahren stellen müssten.

Unruhe durch die Italiener


"Ich habe davon auch nur aus der Presse Kenntnis, wir haben nichts Offizielles von der Staatsanwaltschaft in der Hand und keine Mitteilung der beiden Fahrer, die jetzt bei der Burgos-Rundfahrt in Spanien im Einsatz sind", sagte am Sonntag Telekom-Manager Walter Godefroot am Rande des Hamburger Weltcup-Rennens. "Ich gehe davon aus, dass die Italiener vor dem Weltcuprennen in Hamburg wieder für Unruhe sorgen wollen", mutmaßte Godefroot. "Das hat es während der Tour de France schon gegeben, aber etwas Konkretes ist nicht herausgekommen."

Auch die UCI hat offiziell keine Meldung von dem Dopingvorwurf erhalten. "Das ist eine private Angelegenheit zwischen den beschuldigten Fahrern und der Staatsanwaltschaft", sagte Enrico Carpani, der Pressechef des Rad-Weltverbandes UCI, der bestätigte, dass es sich bei den 160 konfiszierten Medikamenten "nur in zehn Prozent um gefährliche Mittel" gehandelt habe. Carpani: "Epo wurde nicht sicher gestellt."

Eine Erklärung für die Informationslücken bei Telekom könnte die Praxis der Klage-Zustellung in Italien sein. Die staatsanwaltlichen Bescheide "Avviso die Garanzia" seien unterwegs und hätten unter Umständen Fahrer zum Teil noch nicht erreicht, hieß es am Sonntag.

Elli macht Schluss, Sgambelluris Vertrag nicht verlängert


Neben Elli und Sgambelluri müssen sich nach Angaben der "Gazzetta dello Sport" vom Samstag 38 weitere Radprofis sowie jeweils sechs sportliche Leiter und Teamärzte wegen Verstoßes gegen das Dopinggesetz und Sportbetrugs verantworten. Bei einer Verurteilung drohen den Dopingsündern Haftstrafen von drei Monaten bis zu drei Jahren. Elli wird, unabhängig von dem Verfahren, seine Karriere nach Abschluss der Saison beenden. Nach dem Giro-Ende hatte Team Telekom erklärt, es werde sich von Sgambelluri trennen, weil der Italiener die sportlichen Erwartungen nicht erfüllt habe.



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