Manipulation im Tennis Wie schmutzig ist der weiße Sport?

Dem Tennis droht die größte Krise seiner Geschichte: Mehrere Top-Spieler sollen ihre Partien manipuliert haben. Wer ist betroffen, wie reagieren die Tennisverbände? Alle Infos zum möglichen Manipulationsskandal.
Manipulation im Tennis: Wie schmutzig ist der weiße Sport?

Manipulation im Tennis: Wie schmutzig ist der weiße Sport?

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Worum geht es?

Die BBC und die amerikanische Newsseite "BuzzFeed" haben am Sonntag berichtet, dass etliche Tennisprofis aus den Top 50 in den vergangenen zehn Jahren in Spielabsprachen verwickelt gewesen sein sollen. Die Informationen basieren auf geheimen Dokumenten, die Whistleblower weitergereicht haben. Demnach haben Wettsyndikate aus Russland und Italien zum Teil mehrere Hunderttausend Pfund auf einzelne Tennismatches gewettet. Betroffen seien auch Partien beim Grand-Slam-Turnier Wimbledon. Spielern seien 50.000 US-Dollar und mehr pro Manipulation geboten worden. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, stünde der Tennissport vor seiner bislang größten Krise.

Welche Spieler sind betroffen?

Weder die BBC noch "BuzzFeed" nennen Namen, es soll jedoch um Spitzenspieler gehen. Insgesamt seien 16 Spieler in den Skandal verwickelt, darunter auch Sieger von Grand-Slam-Turnieren. Die BBC berichtet von einem Kern besonders verdächtiger Akteure, der zehn Spieler umfasst. Acht Verdächtige sollen bei den gerade begonnenen Australian Open an den Start gehen. In der Vergangenheit waren vereinzelt hochklassige Spieler beschuldigt, in Wettbetrug verwickelt zu sein. Bekannt ist der Fall des Russen Nikolai Dawydenko, der unter anderem beschuldigt wurde, 2007 gegen den Argentinier Martin Vassallo absichtlich aufgegeben zu haben. Auf die Partie waren damals laut BBC Millionen Dollar gesetzt worden. Zu einer Verurteilung kam es ebenso wenig wie im Fall des Franzosen Michael Llodra, von dem SPIEGEL ONLINE 2009 berichtete.

Welche Rolle spielt Wettbetrug im Tennis?

Spielmanipulation wurde bislang vor allem mit Fußball in Verbindung gebracht. Dabei erscheint es leichter, den Ausgang einer Tennispartie zu beeinflussen, da hier nur ein Athlet bestochen werden muss. Trotz der Gerüchte um Wettbetrug, die es in dem Sport seit Jahren gibt, sind Verurteilungen selten. 18 Bestrafungen sind seit 2008 ausgesprochen worden - darunter sechs lebenslange Sperren für unbekanntere Profis. Superstar Novak Djokovic hatte berichtet, dass ihm 2007 rund 200.000 Dollar angeboten worden seien, damit er beim ATP-Turnier in St. Petersburg ein Match verliert.

Wie reagieren die Tennisverbände?

Um Manipulationen vorzubeugen, hatten im Jahr 2008 die vier Grand-Slam-Turnierveranstalter, der Internationalen Tennisverband ITF sowie die Vereinigungen ATP und WTA die Tennis Integrity Uni (TIU) ins Leben gerufen. Die TIU entspricht etwa der Ethikkommission des Weltfußballverbands Fifa. Sie kann in konkreten Verdachtsfällen die Prüfung von Smartphones, Computern und Laptops der Profis fordern. Weigern sich die Spieler, droht ihnen wegen "Nicht-Kooperation" eine Strafe von bis zu zwei Jahren.

Die TIU kommt in den Berichten der BBC und von "BuzzFeed" schlecht weg. Die Kommission wisse um die Vorwürfe und kenne die Namen der betroffenen Athleten. Geschehen sei aber nichts. ATP-Chef Chris Kermode wies die Beschuldigungen am Montagmorgen zurück. Weder würden Informationen zurückgehalten noch würden Vorwürfe nicht gründlich genug geprüft.

Welche Fragen sind offen?

Neben der nach den Tätern wirft die Rolle der ATP Fragen auf. Warum wurde den Gerüchten um Wettbetrug im Tennis nicht so intensiv nachgegangen, wie man es erwarten durfte? Weil der Verband um das Image des Tennissports fürchtet? Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, würde die Glaubwürdigkeit der Verbände massiven Schaden nehmen.

mon/dpa/sid
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