Tennis am Rothenbaum Turnierdirektor greift Kühnen an

Die Tennis-Fans in Hamburg sind sauer: Erst sagten die Topstars ab, dann schieden alle Deutschen im Eiltempo aus. Daviscup-Kapitän Patrick Kühnen hat dafür jetzt eine merkwürdige Erklärung gefunden. Die Reaktion darauf ließ nicht lange auf sich warten.


Hamburg – "Ich habe darum gebeten, die Plätze schneller zu machen", sagte Kühnen, "aber es ist nichts passiert. Immer noch werden jeden Abend die Courts feucht eingeschlemmt." Turnierdirektor Walter Knapper sah das ein wenig anders: "Der Herr Kühnen hat keine Ahnung", sagte er. "Hier bestimme ich, wie die Plätze vorbereitet werden und sonst niemand."

Rainer Schüttler am Rothenbaum: "Jeden Abend feucht eingeschlemmt"
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Rainer Schüttler am Rothenbaum: "Jeden Abend feucht eingeschlemmt"

Bereits nach der zweiten Runde waren beim mit 2,082 Millionen Dollar dotierten Turnier der ATP-Mastersserie alle acht gestarteten Deutschen ausgeschieden. Kurz vor Beginn des Turniers hatten schon die beiden Topgesetzten Roger Federer und Rafael Nadal wegen Übermüdung sowie Andre Agassi, Lleyton Hewitt und Andy Roddick wegen Verletzung abgesagt.

"Herr Kühnen soll lieber darauf achten, dass seine Jungs den Ball richtig treffen", legte Knapper nach und warf Kühnen vor, nur nach Ausreden zu suchen: "Letztes Jahr war es der Lärm am Kids Day, jetzt sind die Plätze zu langsam. Wir haben alles dafür getan, die Plätze so schnell wie möglich zu machen. Mehr geht nicht."

Hamburg bietet völlig andere Verhältnisse als das Grand-Slam-Turnier in Paris. Das ist auch ein Grund, warum beispielsweise die amerikanischen Stars seit Jahren einen Bogen um die Hansestadt machen. Der ehemalige Hamburg-Sieger Michael Stich hatte deshalb bereits vorgeschlagen, den Aufbau der Plätze zu ändern und wie in Paris eine Betonplatte als Fundament zu legen; darauf wird über Sand die eigentliche Spiel-Auflage gebracht.

Das ist allerdings in der Hansestadt, wo das Fundament aus Schlacke besteht, nicht möglich. Man müsste dann alle Courts völlig umbauen, auch alle Trainingsplätze. Dies aber ist nicht nur wegen der Kosten unmöglich, auch Der Club an der Alster, der die Anlage über das Jahr nutzt, wäre nicht begeistert.

Georg von Waldenfels, Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), der die German Open veranstaltet, wollte sich deshalb auch nicht auf die Argumente von Kühnen und Stich einlassen: "Wir werden nach dem Turnier wie immer besprechen, was man verbessern kann", sagte der Münchner: "Aber die Verhältnisse in Hamburg sind seit Jahren so."

bri/sid/dpa



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