Turnier-Rückkehrer Andy Murray Spitzentennis mit einer Hüfte aus Metall

Seine Rückkehr auf den Tennisplatz ist derzeit das Thema in der britischen Sportpresse: Andy Murray versucht sich im Queens Club am Comeback. Zunächst im Doppel, aber er will auch im Einzel wieder angreifen.

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Wenn einer im Tennis das Gras wachsen hört, dann ist es Andy Murray.

Er schlägt stark auf und returniert mindestens ebenso stark, hat ein sicheres Volleyspiel und ist einer der besten Taktiker. Auch wenn er von seinem Spielstil kein klassischer Serve-and-Volley-Spezialist ist - auf Rasen fühlt sich Murray richtig wohl.

Insbesondere gilt das für den Londoner Queens-Club. Murray hätte sich keinen besseren Ort für seinen Comeback-Versuch aussuchen können. Jetzt muss nur noch der Körper mitmachen.

Der Körper, dessen Wunden zuletzt zu übermächtig geworden waren für die Sportkarriere des 32-Jährigen. Operation an Operation, die Hüfte wollte einfach nicht mehr mitmachen, Murray war 2018 in der Weltrangliste hinter Rang 800 gestürzt. Im Januar verkündete Murray unter Tränen seinen Rücktritt vom Spitzensport. Sein letztes großes Einzel bei den Australian Open war eine typische Murray-Partie: Kampf, Drama, Hin und Her, Auf und Ab. Am Ende hatte er in fünf Sätzen gegen den Spanier Roberto Bautista Agut verloren, 4:6, 4:6, 7:6, 7:6, 2:6. Das war's.

Das war's doch noch nicht.

Ein halbes Jahr später steht Murray wieder auf dem Platz und trainiert mit Partner Feliciano López für die Doppelkonkurrenz von Queens. Der Australier Nick Kyrgios erzählt, er habe erst an eine Art Erscheinung geglaubt: "Ich habe meinen Augen nicht getraut. Ich komme nach Queens, und das Erste, was ich sehe, ist dieser Andy Murray auf dem Trainingsplatz."

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Tennisstar Andy Murray: Comeback im Londoner Queens Club

Kyrgios und Murray - der Rüpel und der Gentleman

Kyrgios, der Tennisrüpel, und Murray, der Gentleman - unterschiedlicher geht es kaum. Aber wie das in solchen Fällen manchmal so ist: Die beiden gehören zu den engsten Freunden im Tennis, der "Guardian" spricht von einer "Bromance", Kyrgios hat gesagt, er würde in Queens Eintritt zahlen, nur um Murray spielen zu sehen.

Murray hat in seiner langen Laufbahn so viel gewonnen, Wimbledon gleich zweimal, die Olympische Goldmedaille ebenso, die US Open, den Daviscup. Und dennoch ist das Turnier von Queens so etwas wie das Murray-Turnier. Hier ist er mit fünf Titeln der Rekordsieger. Trotz Boris Becker, trotz John McEnroe, Jimmy Connors und Ivan Lendl, trotz Lleyton Hewitt, Pete Sampras und Andy Roddick, trotz Rod Laver und Roy Emerson. Die Großen des Tennis, sie alle haben mal in Queens triumphiert, aber keiner so oft wie der Schotte aus Glasgow.

Ende Januar hat sich Murray noch einmal an der Hüfte operieren lassen, seitdem ist sein Hüftgelenk aus Metall, es sollte so etwas wie ein Schlussstrich unter seine Sportkarriere sein. Aber die OP war so gut verlaufen, dass er sich jetzt doch noch eine Fortsetzung vorstellen kann. Am Donnerstag wäre sein erster Einsatz an der Seite von López gegen die topgesetzten Robert Farah und Juan Sebastian Cabal. In der englischen Sportpresse gibt es seit Tagen wenig andere Themen.

Alle Augen auf Feliciano López und Andy Murray
Tony O'Brien REUTERS

Alle Augen auf Feliciano López und Andy Murray

Ans Einzel traut sich Murray noch nicht wieder heran, auch ein Einsatz in Wimbledon Ende des Monats kommt für ihn nur im Doppel infrage. "Ich habe im Einzel überhaupt noch nicht trainiert, ich hoffe, dass es nach Wimbledon mehr wird", sagt Murray. Auch die US Open im September werden wohl noch zu früh für ihn kommen, aber Murray erweckt in diesen Tagen von Queens ohnehin den Eindruck, dass ihn so etwas nur noch am Rande interessiert.

Entspannt gibt sich Murray, er sagt, er nehme sich jetzt Zeit, die Städte anzugucken, in denen er Tennis spielt, das halbe Jahr ohne den Spitzensport, ohne den Druck sei ein "Life Changer" gewesen. Beweisen muss sich Murray ohnehin nichts mehr. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe. "Ich habe kein Interesse, mir irgendwelche Zeitlimits zu setzen", sagt er. Im Moment mache er "Baby-Fortschritte".

Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic, Andy Murray - das ist das vierblättrige Kleeblatt, das das Männertennis seit mehr als zehn Jahren beherrscht. Alle vier sind mittlerweile jenseits der 30, Federer, der Ausnahmesportler, stand zuletzt mit 37 Jahren noch im Halbfinale der French Open.

Es ist nicht leicht vorstellbar, dass Murray es tatsächlich schaffen würde, wieder auf ein Niveau zurückzukehren, das die anderen drei noch immer haben. Aber allein, dass er wieder auf dem Platz steht, hat in der Szene schon zu teilweise euphorischen Reaktionen geführt. Murray gehört einfach dazu. Immer noch.

insgesamt 3 Beiträge
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jesse01 20.06.2019
1. na ja, andys spiel brauch Ich nicht zurück
Rückkehr freut mich. hätte ja keiner mit gerechnet. allerdings ist die Frage, ob es dem tennis an sich irgendwas bringt. Andy ist mir eher mit seinem langweiligen , defensiven, kräfteraubenden Spiel in Erinnerung geblieben. das brauche ich wirklich nicht zurück. sorry Andy. aber dennoch Glück auf fürs Comeback. mit künstlicher Hüfte geht's ja, das macht ja ein anderer Tenniskollege im Doppel vor.
jesse01 20.06.2019
2. grauenhaft
gerade die Finals gegen Djokovic waren das grausamste, langweiligste,was Tennisfans je ertragen mussten. leider muss man das so deutlich sagen.
jean-baptiste-perrier 21.06.2019
3. Die Ungnade der späten Geburt!
jesse01 hat geschrieben: "grauenhaft - gerade die Finals gegen Djokovic waren das grausamste, langweiligste,was Tennisfans je ertragen mussten." - - - - - - - Zitat Ende - - - - - - - Für mich nicht nachvollziehbar. US Open Finale 2012 und Wimbledon Finale 2013! Ich war Zeuge. Murray und Langeweile? Was für ein Quatsch! Die heiligen Big Three Federer, Nadal und Djokovic. Perfekt bis zum geht nicht mehr. Zum Glück gab und gibt es diesen leicht verschrobenen schottischen Jungen Andy Murray. Jemand der ähnlich wie Alexander Zverev durch seine vorgegebene Schlaksigkeit nicht als Athlet prädestiniert war/ist. Murray ist ähnlich wie Wawrinka und Del Potro (Thiem) das Salz in der Suppe der Über-Spieler Federer, Nadal und Djokovic. Hoffentlich mischt Andy Murray bald wieder oben mit! Go Andy Go!
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