Sieg bei US Open Kerber gewinnt die Hitzeschlacht von New York

Angelique Kerber hat sich ihren zweiten Grand-Slam-Titel gesichert. Bei mehr als 30 Grad zwang sie ihre Gegnerin in einem dramatischen US-Open-Finale in die Knie. Alles Wichtige zum Spiel.

Angelique Kerber
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Ausgangslage: Es klingt wie eine Floskel - aber sie trifft zu: Angelique Kerber ist in der Form ihres Lebens. Zuletzt erreichte sie die Finals von Wimbledon, Rio de Janeiro und Cincinnati. Nun stand die Deutsche, die am Montag Serena Williams an der Spitze der Weltrangliste ablösen wird, auch im Endspiel der US Open. Im gesamten Turnierverlauf gab Kerber keinen Satz ab, ihr Selbstvertrauen ist riesig. Dennoch war die 28-Jährige gewarnt: Gegen ihre Gegnerin, Karolína Plísková, kassierte Kerber vor zwei Wochen in Cincinnati eine deutliche Niederlage. Eine klare Favoritin war nicht auszumachen. Das belegt auch die Bilanz der beiden. Siebenmal trafen Kerber und Plísková schon aufeinander, viermal gewann Kerber, dreimal ihre tschechische Kontrahentin.

Weg ins Finale: Der hatte es in sich. Kerber schlug mit Roberta Vinci (Vorjahresfinalistin), Petra Kvitova (zweifache Wimbledon-Siegerin) und Caroline Wozinacki (ehemalige Weltranglistenerste) gleich mehrere Stars der WTA-Tour. Historisch war aber auch die Leistung von Plísková: Der 24-Jährigen gelang es als erst vierter Spielerin überhaupt, beide Williams-Schwestern beim selben Turnier zu besiegen.

Ergebnis: Angelique Kerber gewinnt die US Open und holt damit ihren zweiten Grand-Slam-Titel. Hier geht es zur Meldung.

Erster Satz: Plísková begann erstaunlich nervös. Die Tschechin ermöglichte Kerber mit vielen leichten Vorhand-Fehlern ein frühes Break zum 1:0. Im Anschluss wehrte Kerber gleich drei Breakbälle ab und verwandelte nach 40 Minuten beim Stand von 5:3 den ersten Satzball der Partie.

Makel des Spiels: Eine Schwäche im Spiel von Kerber auszumachen, fällt einem schwer. Und dennoch gibt es sie: Ihr zweiter Aufschlag lud Plísková immer wieder zu ihren gefürchteten Angriffen von der Grundlinie ein. Doch das gleicht Kerber momentan durch ihre Fitness und ihre exzellente Beinarbeit aus.

Zweiter Satz: Plötzlich schwächelte auch Kerber. Plísková zeigte erstmals Emotionen und nahm Kerber beim Stand von 3:3 den Aufschlag ab. Dank ihres starken ersten Aufschlags gelang es der Tschechin, nach Sätzen auszugleichen. Kerber wirkte zunehmend genervt und suchte immer wieder Augenkontakt mit ihrem Trainer Torben Beltz.

Dritter Satz: War an Dramatik kaum zu überbieten. Kerber haderte mit ihrem Spiel, wirkte plötzlich müde und lag scheinbar aussichtslos zurück. Doch dann drehte die Deutsche auf. Vier Spielgewinne in Folge brachten ihr die 5:3-Führung. In Plískovás Spiel schlichen sich wieder vermehrt Fehler ein, sodass Kerber plötzlich drei Matchbälle hatte. Gleich ihren ersten konnte sie nutzen.

Faktor des Spiels: Die Hitze. Es war der heißeste Tag bei den US Open 2016. Die Temperaturen erreichten weit über 30 Grad und bereiteten vor allem Plísková Probleme. Zu Beginn des zweiten Satzes stützte sich die Finalistin auf ihren Oberschenkeln ab, um Kraft zu sparen. Immer wieder versuchte sie, die Ballwechsel abzukürzen und brachte sich damit selbst aus dem Rhythmus. Am Ende setzte sich auch die Fitness ihrer Gegnerin durch.

Schlüsselmoment des Spiels: Ereignete sich beim Stand von 3:3 und 40:40. Kerber geriet in die Defensive, befreite sich und vollendete den schönsten Punkt des Spiels mit einem "Alles-oder-Nichts-Schlag" die Linie entlang. Anschließend ballte sie ihre Faust und war auf dem Weg zum zweiten Major-Titel des Jahres nicht mehr zu stoppen.

Angelique Kerber
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Fakt des Spiels: Im Grunde stand die Siegerin nach dem ersten Satz schon fest. Kerber hatte 2016 44 Mal den ersten Satz gewonnen und anschließend nie verloren. Schön, dass sie diese Serie im US-Open-Finale ausbauen konnte.

Ausblick: Kerber befindet sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Mit 28 Jahren ist sie im besten Tennis-Alter und noch längst nicht am Ende. Ihr Vorsprung auf Serena Williams in der Weltrangliste beträgt 1680 Punkte, die Deutsche hat beste Chancen, das Jahr an der Spitzenposition zu beenden.



insgesamt 29 Beiträge
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caheid 11.09.2016
1. Hitzeschlacht...in die Knie gezwungen.
Worum gings da? Um Tennis?
Krea_thief 11.09.2016
2. sehr cool
Hat sie sich sehr verdient. Das Match war richtig spannend.
bssh 11.09.2016
3. Großartige Leistung
Eigentlich hatte ich die ganze Zeit gedacht, dass die Zeit und Bedingungen für Kerber spielen würden, da sie fitter ist, aber Pliskova hat es spannend gemacht und hätte auch verdient gewinnen können. Ingesamt ein unglaubliches Jahr für Kerber, das sich so für sie sicher nicht mehr wiederholen wird. Etliche Jahre so konstant in den Top 10 zu sein war schon eine gute Leistung, aber 2016 in drei Grand Slam Finalen zu stehen und zwei davon zu gewinnen, dazu Silbermedaille bei Olympischen Spielen und Finale in Cincinatti und einigen weiteren guten Ergebnissen: damit ist sie ohne Zweifel die beste Spielerin des Jahres und verdiente Nr. 1. Nur die Vergleiche mit Steffi Graf, so verständlich sie auch sein mögen, sind unfair. Alle deutschen Spielerinnen werden immer an Graf gemessen, aber die war eine absolute Ausnahmespielerin, eine Jahrhundert-Spielerin, deren Rekord von 377 Wochen als Nr. 1 wohl sehr lange nicht überholt werden wird, wenn überhaupt. Kerber ist eine ausgezeichnete Spielerin, aber natürlich keine Graf und wird es auch nicht sein, muss sie auch nicht!
Karbonator 11.09.2016
4.
Was für ein beeindruckendes Jahr Kerber doch spielt... wirklich Hut ab vor der relativ konstant hohen Leistung. Im Finale heute zeigte sie dann vor allem im zweiten Satz leichte Schwächen, aber wie sie aus dem 1:3 im dritten Satz dann auf einmal ein 4:3 machte, ist aller Ehren wert. Eine verdiente Siegerin und eine verdiente neue Nummer 1 - da müssen die üblichen Verdächtigen nicht gleich wieder anfangen, darüber zu faseln, daß sie sich nicht lange halten wird und blabla. Es geht darum, DASS sie es geschafft hat - und zwar durch wie gesagt konstant gute Leistungen in diesem Jahr (wie auch teilweise 2015 schon). Sie ist zwar "schon" Ende 20, aber ich denke dennoch, daß sie sich eine gewisse Zeit ganz oben halten kann - wenn sie weiter so bissig in ihrem Spiel bleibt.
janvanwerth 11.09.2016
5. Ist es zu viel verlangt...
...dass ein Reporter, der über Ereignisse in den USA berichtet, sich die Mühe macht herauszufinden, wie man Namen wie "Cincinnati" schreibt? Ich weiß, ich weiß--sich über Rechtschreibung im Internet zu beklagen ist fehl am Platz--aber von Spiegel-Reportern (alles wird angeblich 4-mal gecheckt!) sollte man doch einen gewissen Professionalismus erwarten.
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